Es war ein denkwürdiger letzter Akt des großen Fußballfests in Deutschland – und ausgerechnet einer der größten Spieler seiner Zeit wurde auf denkwürdige Art und Weise zum tragischen Helden.

Der 9. Juli 2006, der sich heute zum 20. Mal jährt, ist bei Fußball-Fans bis heute unvergessen. Wegen des vierten WM-Triumphs Italiens im Olympiastadion von Berlin, vor allem aber wegen Zinédine Zidane und eines Abgangs, der skandalöser kaum hätte sein können.

Zidanes Kopfstoß gegen Materazzi 2006: WM-Eklat für die Ewigkeit

Um Punkt 22.24 Uhr streckte die französische Legende ihren italienischen Gegenspieler Marco Materazzi mit einem Kopfstoß nieder und sah dafür die Rote Karte.

Sein letztes Bild als Fußballer ging um die Welt: Mit Tränen in den Augen stapfte Frankreichs Idol am goldenen WM-Pokal vorbei hinab in die Katakomben des Olympiastadions. „Ich habe ihn in der Kabine gesehen. Er war todunglücklich“, sagte Frankreichs damaliger Verbandspräsident Jean-Pierre Escalettes.

Vielen Zuschauern im Stadion war der Aufreger zunächst verborgen geblieben. Erst die Wiederholung zeigte, wie Zidane nach einem Wortgefecht mit Marco Materazzi kurz stutzte und dem Italiener dann seinen Kopf gegen die Brust rammte. Auch Schiedsrichter Horacio Elizondo zeigte „Zizou“ erst nach Rücksprache mit dem vierten Offiziellen die Rote Karte. „Der blaue Engel hat sich in einen Teufel verwandelt“, schrieb die Tageszeitung Le Parisien.

Zinédine Zidane streckte Marco Materazzi per Kopfstoß nieder
Zinédine Zidane streckte Marco Materazzi per Kopfstoß niederZinédine Zidane streckte Marco Materazzi per Kopfstoß nieder© Imago/Sky

Böse Beleidigung: Was Materazzi Zidane sagte

Über den Inhalt des Wortgefechts wurde viel spekuliert, sogar Lippenleser wurden engagiert. Erst ein Jahr später lüftete Materazzi das Geheimnis. Nach einem Trikotzupfer habe Zidane ihm zunächst erklärt, er könnte das Shirt gerne nach Spielende haben. Darauf entgegnete Materazzi: „Ich bevorzuge deine Schwester, die Nutte“. Daraufhin explodierte Zidane.

Vier Jahre später schlossen die beiden Frieden. Im November 2010 liefen sich die einstigen Kontrahenten zufällig in einem Mailänder Hotel über den Weg. „Ich habe mehr geredet als er“, berichtete Materazzi: „Am Schluss reichte er mir die Hand und ich habe sie solange gehalten, bis er mir direkt in die Augen geschaut hat. Das war das, was ich wollte. Für mich war es ein schöner Augenblick.“

So bitter die Pointe von Zidanes Karriere war: Dem Nimbus und der Popularität des WM-Helden von 1998, der beim 3:0 im Finale 1998 gegen Brasilien zwei Tore erzielte, hat der Eklat kaum geschadet.

Der dreimalige Weltfußballer nährte später auch als Trainer seinen Ruf als Ausnahmeerscheinung. Drei Champions-League-Titeln mit Real Madrid sprechen für sich, nach der WM dürfte der heute 54-Jährige die französische Nationalmannschaft vom scheidenden Didier Deschamps übernehmen.
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Mit Sport-Informations-Dienst (SID)