Dem ersten Volltreffer von Ferran Torres folgte gleich der nächste. Sekunden nach seinem magischen Siegtor im WM-Finale erlegte der Spanier auch die Eckfahne mit einem satten Tritt. Das Stadion in New Jersey mutierte zum Tollhaus, und der viel gescholtene Torres durchlebte mit dem Schlusspfiff eine Wandlung, die auch Mario Götze bestens bekannt ist: die zum Goldjungen, mit der jedes Davor vergessen ist.
„Ich wurde oft kritisiert, aber das Schicksal schenkt denjenigen Schönes, die es verdienen“, sagte Torres nach dem 1:0 nach Verlängerung gegen Titelverteidiger Argentinien. Der Angreifer verspürte allerdings nicht nur persönliche Genugtuung nach seinem Glanzstück aus sieben Metern in der 106. Minute, wie er betonte: „Es ist nicht mein Tor. Es gehört den 47 Millionen Fans.“
Viele Anhänger der Roja hatte Torres zuvor zur Verzweiflung getrieben, das ist auch Teil seiner Geschichte. Die Turnierleistung des Profis vom spanischen Meister FC Barcelona, der von Champions-League-Sieger Paris Saint-Germain heftig umworben wird, lässt sich bis zu seiner Einwechslung in der 62. Minute am Sonntag als mindestens unglücklich zusammenfassen.
WM: Ferran Torres erlöst Spanien
Eine Torvorlage gelang dem Schützling von Hansi Flick bei Barca bis dahin, ein Treffer beim lockeren 4:0 gegen Saudi-Arabien wurde wegen Abseits zurückgenommen. Torres flehte um die Anerkennung des Tores während der VAR-Überprüfung, wie Lippenleser auflösten. Vergebens.
Rückblickend lässt sich festhalten: Es war die perfekte dramaturgische Zuspitzung für sein 25. Länderspieltor. Die Dankbarkeit einer Nation ist ihm, der sich in schwierigen Zeiten auch psychologischen Beistand gesucht hatte, jedenfalls sicher.
Auf der Ehrentribüne eskalierten die 2010er-Legenden um Iker Casillas, Xavi und Andrés Iniesta, der Siegtorschütze des Finals von Johannesburg vor 16 Jahren gegen die Niederlande (1:0 n.V.). Für die Zeitung El País ist Torres, nicht verwandt mit dem Siegtorschützen der EM 2008 gegen Deutschland (1:0) Fernando Torres, nun ebenfalls „eine ewige Figur in der Geschichte der spanischen Nationalmannschaft“.
Nach Götze 2014 ist der 26-Jährige, der 2020 drei Tore bei Spaniens 6:0 gegen die DFB-Elf erzielt hatte, zudem der zweite Joker, der ein WM-Endspiel entscheidet. Nun wartet auf ihn die nächste Herausforderung: Mit dem ewigen Ruhm als Finalheld umzugehen.