Der Fall Folarin Balogun beschäftigt seit Sonntag die Fußball-Welt. Der US-Amerikaner hatte im Sechzehntelfinale gegen Bosnien-Herzegowina (2:0) die Rote Karte gesehen und wurde für ein Spiel gesperrt.
Wie die FIFA am Sonntag jedoch bekanntgab, wurde die Sperre für Balogun für ein Jahr auf Bewährung ausgesetzt – für das Achtelfinale gegen Belgien ist der Stürmer somit spielberechtigt. Übereinstimmenden Medienberichten zufolge hat US-Präsident Donald Trump am Mittwoch ein Telefonat mit FIFA-Präsident Gianni Infantino geführt und darum gebeten, die Sperre doch noch einmal zu überprüfen. Der Weltverband soll daraufhin eingeknickt sein, Balogun ist deshalb gegen Belgien spielberechtigt.
Klopp: „Das ist unser Spiel, nicht deren Spiel!“
Der mögliche Skandal um US-Präsident Trump ließ neben der belgischen Nationalmannschaft auch TV-Experte Jürgen Klopp fassungslos zurück. Der 59-Jährige, der beim DFB als Nachfolger von Ex-Bundestrainer Julian Nagelsmann gehandelt wird, hielt eine Brandrede wegen Trump und Infantino.
„Wenn es tatsächlich so war, dass Trump und Infantino das miteinander ausgemacht haben, dann ist das verrückt“, befand Klopp bei MagentaTV. „Man muss einmal ganz kurz sagen: ‚Das ist unser Spiel, nicht deren Spiel!’“
Später kam Klopp noch einmal auf Infantino und Trump zu sprechen und legte kritisch nach: „Diese beiden Menschen, die beide keine Ahnung von Fußball haben, sollten gar nichts damit zu tun haben.“
Balogun war Gegenspieler Tarik Muharemovic unglücklich auf den Knöchel gestiegen, nach VAR-Eingriff hatte der 25-Jährige Rot gesehen. „Da gibt es keine zwei Meinungen. Das ist eine Rote Karte. So leid uns das tut, weil Balogun will das nicht. Aber das sagen die Regeln“, sagte Klopp.
„Das beschädigt das ganze Spiel“
Dass die Sperre für den US-Stürmer nun lediglich für ein Jahr auf Bewährung ausgesetzt wird, kann der 59-Jährige nicht verstehen. „Wir alle leiden unter Fehlentscheidungen. Trotzdem lernen wir alle im Laufe des Lebens, damit zu leben. Und das hier ist ganz einfach eine Tatsachenentscheidung. In der Vergangenheit sind so lächerliche Rote Karten gegeben worden, wo alle nachher sagen, das war keine Rote Karte. Und trotzdem bleiben sie bestehen, weil es Tatsachenentscheidungen sind.“
Auch Moderator Johannes B. Kerner mochte bei dem Thema nicht neutral bleiben und kritisierte die Entscheidung der FIFA: „Das beschädigt das ganze Spiel, das ganze Turnier. Stell dir vor, der schießt ein Tor.“ Klopp befand: „Es gibt immer noch die Möglichkeit, dass die USA ihn theoretisch nicht aufstellen. Weil sie sagen, so wollen wir das nicht haben.“
Auch für TV-Expertin Tabea Kemme hat die Entscheidung der FIFA, Balogun nicht zu sperren, ein „Geschmäckle. Da muss auch die Fifa-Ethikkommission eingreifen, die genau solche Fälle ahnden und die Beweislage checken muss“.
Ex-Bundesliga-Schiedsrichter Patrick Ittrich, der die WM bei MagentaTV als Experte begleitet, störte sich vor allem an einer Sache: „Das Interessante ist, dass es keine Begründung gibt. Das ist ein Prozedere, was überhaupt nicht nachvollziehbar ist […]. Paragraphen hin und her. Kommissionen hin und her. Es wird nach Begründungen gesucht, warum der Spieler spielen darf. Das ist in keiner Form vertretbar.“
Die USA treffen in der Nacht von Montag auf Dienstag auf Belgien. Mit drei Toren ist Balogun der erfolgreichste US-Amerikaner bei der WM 2026.