Obwohl US-Stürmer Folarin Balogun im WM-Sechzehntelfinale gegen Bosnien-Herzegowina die Rote Karte gesehen hatte, wird der 25-Jährige im Achtelfinale gegen Belgien zur Verfügung stehen.
Am Sonntag hatte der Weltverband FIFA bekanntgegeben, dass Baloguns Sperre für ein Jahr auf Bewährung ausgesetzt wurde. US-Präsident Trump hatte die Entscheidung des Weltverbands begrüßt: „Danke an die FIFA, dass sie das Richtige getan und eine große Ungerechtigkeit rückgängig gemacht hat“, schrieb der Präsident auf Truth Social.
Doch wie kam die FIFA zu dem Entschluss, Baloguns Sperre für das WM-Achtelfinale aufzuheben? Einem Bericht der renommierten New York Times zufolge nahm Trump entscheidenden Einfluss.
Rief Trump bei Infantino an?
Wie die Zeitung am Sonntagabend deutscher Zeit berichtete, habe Trump am Mittwoch FIFA-Präsident Gianni Infantino angerufen und ihn darum gebeten, die Sperre für den besten US-amerikanischen Torschützen Balogun zu überprüfen. Die New York Times beruft sich dabei auf drei mit dem Gespräch vertraute Personen.
Diese Kehrtwende ist höchst ungewöhnlich und es ist das erste Mal seit 1962, dass die FIFA einem Spieler erlaubt hat, in einem Spiel anzutreten, obwohl er eigentlich gesperrt gewesen wäre.
Damals hatte der brasilianische Superstar Garrincha im WM-Halbfinale gegen Chile (4:2) eine Rote Karte gesehen und durfte dennoch im Finale (3:1 gegen die Tschechoslowakei) antreten. Der Fußballverband des Landes hatte die FIFA mit Argumenten überzeugt, dass der Dribbelkünstler ansonsten mit einem äußerst fairen Verhalten aufgefallen sei, weshalb der Weltverband für das Endspiel beide Augen zudrückte.
Stellungnahme der FIFA bleibt aus
Die Kehrtwende um Folarin Balogun geschieht zu einem Zeitpunkt, „an dem Herr Infantino seit Jahren versucht, sich bei Herrn Trump einzuschmeicheln“, wie die New York Times schreibt. „Im vergangenen Jahr hatte die FIFA den FIFA-Friedenspreis ins Leben gerufen und ihn Trump verliehen – mitten in der öffentlichen, aber erfolglosen Kampagne des Präsidenten, den Friedensnobelpreis zu gewinnen.“
Auf eine Bitte um Stellungnahme, dass Trump entscheidenden Einfluss nahm, reagierte der Weltverband auf Anfrage der renommierten Zeitung nicht. Das Weiße Haus verwies lediglich auf Trumps Beitrag auf Truth Social.
Noch deutlicher wurde das englische Medium Daily Mail: „Der schamlose Donald Trump und seine unterwürfige Marionette Gianni Infantino haben diese Weltmeisterschaft in den Dreck gezogen, indem sie die Sperre von Folarin Balogun aufgehoben haben – jetzt wissen wir mit Sicherheit, dass es eine Regel für die USA und eine für alle anderen gibt.“
Balogun hatte im Sechzehntelfinale gegen Bosnien-Herzegowina (2:0) nach einem unglücklichen Zweikampf die Rote Karte (64.) gesehen. Belgien, kommender WM-Gegner der USA, fasste die Entscheidung der FIFA mit großer Irritation auf. „Ich wusste nicht, dass der 5. Juli der 1. April ist“, sagte Belgiens Nationalcoach Rudi Garcia.
Ärger über Trump-Anruf: „Regeln wurden gebrochen“
Entrüstet zeigte sich auch Nicholas McGeehan von der Organisation FairSquare, die Beschwerde gegen Infantino bei der FIFA-Ethikkommission eingereicht hat, gegenüber dem SID.
„Die Regeln wurden eindeutig in einer Weise gebrochen, die den politischen Interessen des US-Präsidenten zugutekommt“, erklärte McGeehan. Die Frage sei, „welche Rolle der FIFA-Präsident dabei gespielt hat. Nationale Verbände und Politiker sollten Antworten von der FIFA fordern. Wenn das Gastgeberland seinen politischen Einfluss auf den FIFA-Präsidenten genutzt hat, um einen unfairen Vorteil zu erschaffen, wäre das ein skandalöser Verstoß gegen die Regeln und eine Manipulation des Wettbewerbs.“