Ein Lächeln huschte über seine Lippen. Ansonsten bewahrte Pau Cubarsí auch nach dem 2:0-Halbfinalsieg mit Spanien bei der WM gegen Frankreich die Kontrolle, als er in der Mixed Zone pflichtbewusst die Fragen beantwortete.
„Ich bin ziemlich ruhig“, beschrieb Cubarsi – wie sein weltbekannter Teamkollege Lamine Yamal erst 19 Jahre alt – seinen Gemütszustand. „Innerlich bin ich allerdings sehr glücklich.“ Äußerlich ließ er sich das nicht anmerken. Generell scheint den Innenverteidiger vom FC Barcelona so schnell nichts aus der Ruhe zu bringen. Nicht mal die Aussicht auf den Weltmeistertitel.
Dass die Spanier nun erstmals seit ihrem Triumph 2010 wieder in einem WM-Endspiel stehen, hat viele Gründe. Einer davon ist eben Pau Cubarsí.
WM: Cubarsí mit Wink an die Kritiker
„Vielleicht gab es ein bisschen Gerede darüber, dass die Abwehr und der Torwart nicht gut seien, aber ich glaube, wir haben viele zum Schweigen gebracht. Wir haben nur ein Gegentor kassiert und stehen im Finale“, zählte das Abwehr-Juwel die Fakten auf – nicht ohne Wink an die Kritiker.
Während vor der WM noch darüber diskutiert wurde, ob es nicht vielleicht eine falsche Entscheidung von Trainer Luis de la Fuente war, Dean Huijsen von Real Madrid nicht zu nominieren und stattdessen auf den jungen Cubarsí zu setzen, sind diese Stimmen längst verstummt.
Schon vor dem Duell mit Frankreichs Star-Offensive hatte sich der Barca-Verteidiger furchtlos gezeigt. „Mbappé macht mir keine Angst“, sagte er der AS.
Spanien schaltet Frankreich aus: „Wir sind eine große Familie“
In Zusammenarbeit mit seinem Nebenmann Aymeric Laporte sowie den Außenverteidigern Pedro Porro – nebenbei Schütze des entscheidenden zweiten Treffers (58.) – und Marc Cucurella ließ Cubarsí Mbappé und Co. quasi abprallen. Und wenn am Ende doch mal noch ein Schuss durchkam, stand immer noch Unai Simon im Tor.
„Wir wussten, dass es ein sehr hartes Spiel werden würde. Sie haben einige spektakuläre Spieler, aber ich denke, die haben wir auch. Wir sind eine große Familie. Wir haben uns während der gesamten 90 Minuten gegenseitig unterstützt“, erklärte Cubarsí.
Mit vier klärenden Aktionen, einem geblockten Schuss, einer Zweikampfquote von 75 Prozent und einer Passquote von 91 Prozent wies er beeindruckende Zahlen auf.
Cubarsí wird zum „größten Albtraum für Mbappé“
„Der größte Albtraum für Mbappé“, schrieb die Sport. Und die Marca sprach beim Leistungsnachweis des französischen Kapitäns von den „Zahlen eines beispiellosen Stromausfalls“. Auf nur 34 Ballaktionen kam der Superstar von Real Madrid, nur eines von sechs Dribblings verlief erfolgreich. Dazu gewann er lediglich 18 Prozent seiner Zweikämpfe.
Cubarsí durfte sich dafür von der heimischen Presse weiter feiern lassen. „Er hat einmal mehr bewiesen, dass er ein echter Experte bei der Weltmeisterschaft ist. Sicher im Zweikampf, immer gut positioniert, stellte er seine Qualität im Passspiel unter Beweis“, schwärmte die Mundo Deportivo und stellte ihm ein „hervorragendes“ Zeugnis aus.
„Ein weiterer internationaler Doktortitel“, lautete die Schlagzeile bei der Zeitung Sport. Das Abwehr-Wunderkind hat sozusagen bereits promoviert.
Profidebüt mit 16, erstes A-Länderspiel mit 17
Beim bisherigen Verlauf seiner Karriere scheint der Junge aus dem kleinen Dorf Estanyol in der Nähe von Girona ein paar Klassen übersprungen zu haben. Als 11-Jähriger trat er Barcas berühmter Talentschmiede La Masia bei.
Sein Profidebüt für die Katalanen feierte Cubarsí als 16-Jähriger. In der A-Nationalmannschaft gab er als 17-Jähriger seinen Einstand. Beim EM-Triumph vor zwei Jahren zählte er nicht zum Kader.
Doch bei Barca hat sich Cubarsí unter Trainer Hansi Flick in der Zwischenzeit ebenso zur Stammkraft etabliert wie auch in der Nationalmannschaft. Trotz seiner jungen Jahre hat er bereits 19 Länderspiele auf seinem Konto. Bei der laufenden Endrunde verpasste er keine Minute.
Jetzt entweder gegen Kane oder Messi
Auch im Finale am Sonntag dürfte der 1,84 Meter große Innenverteidiger gesetzt sein. Dann bekommt er es entweder mit England und Harry Kane oder Argentinien und Lionel Messi zu tun.
Die Frage, wer ihm im Endspiel lieber ist, beantwortete Cubarsí in gewohnt unaufgeregter Manier: „Wer auch immer kommt, kommt.“ Wer gegen Spanien bestehen will, muss es erstmal schaffen, Cubarsí aus der Ruhe zu bringen.