Es lief die 119. Minute, da wurde es an der Seitenlinie bei den Australiern noch einmal unruhig. Denn Trainer Tony Popovic wollte unbedingt noch einen Wechsel ganz kurz vor dem nahenden Elfmeterschießen vornehmen.

Mathew Ryan stand bereit und kam auch extra für den Nerven-Showdown für Patrick Beach auf den Rasen. Doch am Ende könnte genau diese Entscheidung Australien alles gekostet haben im Sechzehntelfinale gegen Ägypten (2:4 nach Elfmeterschießen).

Torhüter Patrick Beach (l.) machte für Mathew Ryan Platz vor dem Elfmeterschießen
Torhüter Patrick Beach (l.) machte für Mathew Ryan Platz vor dem ElfmeterschießenTorhüter Patrick Beach (l.) machte für Mathew Ryan Platz vor dem Elfmeterschießen© IMAGO/EPA

Presse übt vernichtende Kritik

Ryan wirkte jedenfalls nicht so, als wäre er der perfekte Mann gewesen. Beim ersten Schuss von Mahmoud Saber ahnte er immerhin noch die Ecke. Ramy Rabia schickte den Schlussmann komplett in die falsche Richtung. Mo Salah lupfte den Ball ganz frech in die Mitte, während Ryan nach links sprang – und Hossam Abdel-Maguid guckte sich den Keeper ebenfalls aus.

Popovic verteidigte nach dem Spiel seine Entscheidung. „Wir hatten einfach das Gefühl, dass Mats Erfahrung den Unterschied ausmachen würde. Am Ende hat es nicht funktioniert, aber nicht wegen einer Fehlentscheidung von Mat oder mangelndem Können. Sie haben einfach sehr gute Elfmeter geschossen“, sagte der Coach.

Anders sah das die heimische Presse. Die Auswechslung werde „als einer der umstrittensten taktischen Fehlgriffe in die australische Fußballgeschichte eingehen“, schrieb The Sydney Morning Herald.

Kramer erklärt Keeper-Wechsel

„Ich bin nie ein Fan davon, einen Spieler nur für einen Elfer einzuwechseln. Der kann nur verlieren in dem Moment. Aber bei einem Keeper denken die Gegner vielleicht: ‚Boah, der kam extra dafür.‘ Ich fand es eigentlich gut“, sagte Christoph Kramer beim ZDF.

Der 35-Jährige führte den Gedankengang des Trainers weiter aus: „Du hast einfach dieses Gefühl, dass da extra einer kommt, obwohl der andere vorher ja schon super war. Da denkst du als Schütze nur: ,Boah, die wechseln den jetzt sogar noch aus?! Der muss ja jetzt jeden halten.‘ Er hat sich wahnsinnig früh bewegt. Muss man leider sagen. Es ist gar nicht aufgegangen.“

Tobias Schweinsteiger analysierte bei Magenta, weshalb es Ryan den Schützen so einfach machte: „Er macht immer einen Zwischenschritt. Das ist prädestiniert dafür, ihn anzuschauen. Dann bist du als Schütze im Vorteil.“

Positive Beispiele gab es in der WM-Geschichte aber. Bei der WM 2014 wechselte Louis van Gaal seinen Keeper Jasper Cillessen aus und brachte Tim Krul. Im Viertelfinale gegen Costa Rica hielt er zwei Schüsse.

Ryan war von dieser Heldentat aber weit entfernt.