Thomas Müller hat das deutsche WM‑Aus in einem ausführlichen LinkedIn‑Statement aufgearbeitet – und dabei deutliche Worte gefunden. Der 36‑Jährige beschreibt den Moment nach dem K.o. gegen Paraguay als „Schock“, der ihm wie vielen Fans „ins Gesicht geschrieben“ gewesen sei. Mit etwas Abstand zog Müller ein ernüchterndes Fazit: „Wir wollen, aber können nicht.“

Der Weltmeister von 2014 lobte zwar Einsatz und Eifer der Mannschaft, stellte aber klar, dass die „die mannschaftliche und individuelle Fußballperformance aus sportlicher Sicht alles andere als eine Überraschung“ gewesen sei.

Thomas Müller fordert Veränderungen nach dem DFB-Aus
Thomas Müller fordert Veränderungen nach dem DFB-AusThomas Müller fordert Veränderungen nach dem DFB-Aus© IMAGO/Moritz Müller

Vieles habe sich bereits vor dem Turnier abgezeichnet: „Diese Elf hat zwar Spieler, die individuell die Fußballherzen höherschlagen lassen, kommt aber regelmäßig gegen Mannschaften aus vermeintlich niedrigeren Regalen ins Wanken.“

Müller will die Mängel schon früh erkannt haben

Selbst während der erfolgreichen Zeit vor dem Turnier habe Müller Mängel erkannt. „Die notwendige Konstanz in Sachen Spielidee oder die Bildung einer klaren Achse im Team waren für mich selbst in dieser siegreichen Phase nicht zu sehen“, betonte der 131-malige Nationalspieler.

Für den Rekordspieler der Bayern drängen sich daher „Fragen auf, die mehrschichtig gelagert sind, was Inhalt und Zeitachse betrifft“. Der Ex-Bayern-Profi fragt sich, ob bei allen „das ehrliche Bewusstsein vorhanden“ sei, „dass uns die Weltspitze enteilt ist“.

Müller fordert „tiefgründige Denkanstöße“

Zu klären sei, mit welchem Spielstil die Nationalmannschaft erfolgreich sein wolle und welche Spielertypen es dafür benötige. Ein Ziel sollte es sein, bei der EM 2028 wieder zu einer „schwer zu bespielenden Turniermannschaft“ zu werden. Zudem könne sich Deutschland in Sachen Ausbildung und Spielweise von anderen Nationen etwas abschauen.

Müller fordert: „Beim DFB ist jetzt Anpacken angesagt. Nach fünf enttäuschenden Turnieren in Folge ist ein Konzept mit neuen, tiefgründigen Denkanstößen gefragt.“

Maßgeblich entscheidend für die langfristige Entwicklung soll auch die Ausbildung junger Talente sein. „Es braucht eine konsequente und moderne Spielerausbildung, die der zukünftigen Spielidee Rechnung trägt“, machte Müller deutlich und merkte an, dass man dafür neben „Fachwissen auch den Mut, Veränderungen anzustoßen“ mitbringen müsse.