Es war der Tag, an dem Franz Beckenbauer seine Mannschaft zum Gipfel des Weltfußballs führte. Der Tag, an dem Gerd Müller einmal mehr zeigte, warum er einer der größten Torjäger aller Zeiten war. Und der Tag, an dem die als unschlagbar geltenden Niederländer um Johan Cruyff und die gesamte Fußball-Welt geschockt wurden.

WM-Finale: Deutschland gerät früh in Rückstand

Der Start in das Finale hätte für die Gastgeber kaum schlechter verlaufen können.

Noch bevor ein deutscher Spieler den Ball berührt hatte, wurde Cruyff nach einem Solo im Strafraum von Uli Hoeneß gefoult. Den fälligen Elfmeter verwandelte Johan Neeskens bereits in der zweiten Minute zum 1:0 für die Niederlande.

Die „Oranje“ galten damals als das Maß aller Dinge. Mit ihrem spektakulären „Totalen Fußball“ hatten sie die Welt begeistert und wurden von vielen Experten als klarer Favorit angesehen. Doch die deutsche Mannschaft ließ sich vom frühen Schock nicht aus der Ruhe bringen.

Breitner und Müller drehen das Endspiel

In der 25. Minute erhielt auch Deutschland einen Elfmeter. Paul Breitner trat an und glich zum 1:1 aus. Damit war das Finale plötzlich wieder völlig offen. Kurz vor der Pause folgte der entscheidende Moment.

Bayern-Torjäger Gerd Müller setzte sich im Strafraum durch, drehte sich blitzschnell und schob den Ball zum 2:1 ins Tor. Es war einer der berühmtesten Treffer der deutschen Fußballgeschichte – und zugleich das letzte Länderspieltor des „Bombers der Nation“ bei einer Weltmeisterschaft.

Im zweiten Durchgang drängten die Niederländer auf den Ausgleich, doch die deutsche Defensive hielt stand. Als Schiedsrichter Jack Taylor schließlich abpfiff, kannte der Jubel im Olympiastadion keine Grenzen mehr. Deutschland war Weltmeister.

Beckenbauers Krönung als „Kaiser“

Für Franz Beckenbauer war der Triumph die Vollendung einer außergewöhnlichen Karriere.

Bereits 1966 hatte er im WM-Finale gestanden, 1970 führte er die Mannschaft ins legendäre Jahrhundertspiel gegen Italien. Vier Jahre später stemmte er als Kapitän endlich den goldenen WM-Pokal in die Höhe. Der Sieg gegen die Niederlande machte den Münchner endgültig zum „Kaiser“ des deutschen Fußballs.

Zum deutschen Heldenensemble gehörten neben Beckenbauer und Müller unter anderem Sepp Maier, Berti Vogts, Wolfgang Overath, Jupp Kapellmann, Rainer Bonhof und Uli Hoeneß. Viele von ihnen prägten anschließend eine ganze Fußball-Generation.

Das Finale, das Deutschland veränderte

Der WM-Triumph von 1974 war mehr als nur ein sportlicher Erfolg.

Nach den wirtschaftlich und gesellschaftlich turbulenten Jahren Anfang der Siebziger sorgte der Titelgewinn im eigenen Land für eine Euphorie, die weit über den Fußball hinausging. Millionen Menschen feierten auf den Straßen und vor den Fernsehgeräten.

Bis heute gilt der Erfolg als einer der wichtigsten Momente der deutschen Sportgeschichte. Nur das Wunder von Bern 1954 und der WM-Sieg von 1990 werden ähnlich häufig genannt, wenn über die größten Triumphe des deutschen Fußballs gesprochen wird.

Viele Helden sind nicht mehr unter uns

52 Jahre nach dem Endspiel ist die Erinnerung noch immer lebendig.

Mit Franz Beckenbauer und Gerd Müller sind inzwischen die beiden größten Gesichter des Triumphes verstorben. Umso stärker wächst die Bedeutung jener Bilder aus dem Münchner Olympiastadion: Beckenbauer mit dem Pokal in den Händen, die jubelnden Fans auf den Tribünen und Gerd Müller, dessen Tor Deutschland unsterblich machte.

Am 7. Juli 1974 wurde eine Mannschaft zur Legende – und ein Sommerabend für immer Teil der deutschen Sportgeschichte.