Wie es in Pedro González López aussah, war für Außenstehende kaum zu erkennen. Schließlich ist Pedri, so der Name in Kurzform, bekannt für sein Pokerface. Regungen gibt es quasi nie im Gesicht. Und doch dürfte die Jokerrolle im WM-Viertelfinale gegen Belgien bis zur 55. Minute den Taktgeber der Spanier kaum kaltgelassen haben. Und nun wiederholt sich dieses Schicksal im Halbfinale gegen Frankreich am Dienstag (ab 21 Uhr im LIVETICKER) auch noch.

Dabei dürfte der 23-Jährige mit einem Marktwert von 150 Millionen eigentlich in jeder Nationalmannschaft der Welt gesetzt sein. Allein in Spaniens Team gibt es ausgerechnet auf seiner Position im zentralen Mittelfeld ein massives Überangebot an Starspielern. Drei Plätze sind nur zu vergeben, wobei mit Rodri schon einer seinen Platz in der Startelf als Kapitän absolut sicher hat.

Pedri saß im Viertelfinale überraschend nur auf der Bank
Pedri saß im Viertelfinale überraschend nur auf der BankPedri saß im Viertelfinale überraschend nur auf der Bank© IMAGO/NurPhoto

Coach Luis de la Fuente muss also immer wieder Härtefälle moderieren. Denn neben Pedri stehen ihm auch noch PSG-Star Fabian Ruiz – der wie im Viertelfinale den Vorzug erhält – , Mikel Merino, Martin Zubimendi (beide Arsenal), Gavi und Dani Olmo (beide Barca) zur Verfügung.

Pedri auf einmal zweite Wahl?

Und doch überrascht die Bankrolle für Pedri in Spanien. „Wieder ohne Pedri!“, titelte die Marca. So musste sich de la Fuente schon nach dem knappen 2:1 gegen Belgien auch im Interview mit El Larguero erklären.

Der 65-Jährige hatte tatsächlich eine recht deutliche Antwort parat: „Pedri kann bei uns nicht so spielen wie bei Barca. Unsere Spielstile sind unterschiedlich. Zwar gibt es Ähnlichkeiten im Ballbesitz, aber die Spielweise der spanischen Nationalmannschaft erfordert andere Intensitäten und Bewegungen.“

Pedri, der bereits 2021 unter Luis Enrique mit 18 Jahren für die Nationalmannschaft debütierte und bereits 47 Einsätze für den aktuellen Europameister absolvierte, sucht tatsächlich ein wenig seine Rolle im Team.

Pedri „eine Staatsangelegenheit“

Nach der Partie gegen Belgien schrieb die spanische Zeitung As sogar davon, dass die Personalie zu „einer Staatsaffäre“ geworden sei, „eine Frage von nationaler Bedeutung“.

Zwar sei der Routinier „nicht hundertprozentig fit“ gewesen, er habe aber „in der ersten Phase hervorragende Leistungen“ gezeigt.

Und auch Barca-Präsident Joan Laporta schaltete sich bereits mit deutlichen Worten in einer Medienrunde in Dallas in die Thematik ein. „Dass er auf der Bank sitzt, dient dazu, seine Belastung zu steuern. Pedri ist sowohl für Spanien als auch für Barcelona ein Schlüsselspieler. Für mich ist er ein Stammspieler. Wann immer er spielt, merkt man seinen Einfluss, und er hat seine Sache gut gemacht.“

Bei Barca hatte Pedri in den 43 Pflichtspielen in der vergangenen Saison ganz klar das Zepter in der Hand. So trieb er das Spiel an und gab 12 Assists. Zur Wahrheit gehört aber auch: Rhythmus kann der Rechtsfuß nie über Monate hinweg aufbauen. Aufgrund von drei Muskelverletzungen verpasste er schließlich auch 15 Partien.

Pedri sucht Platz neben Rodri

Bei Spanien ist der Wert von Pedri zudem auch durch die Dominanz von Rodri ein anderer. Der Kapitän wird im Spielaufbau als erste Option stets gesucht, Nebenmann Pedri kann dann seine Ballsicherheit nicht so sehr ausspielen wie im Verein.

Deshalb sucht de la Fuente auch noch die passende Position. „Ich habe mit ihm gesprochen, und er fühlt sich wohl dabei, den letzten Pass zu spielen, abzuschließen und in den Strafraum einzudringen. Dank seiner Fähigkeiten und seines natürlichen Talents kann Pedri auf den Positionen 6, 8 oder 10 spielen.“

Hat Fabian Ruiz (r.) seinen Landsmann Pedri verdrängt?
Hat Fabian Ruiz (r.) seinen Landsmann Pedri verdrängt?Hat Fabian Ruiz (r.) seinen Landsmann Pedri verdrängt?© IMAGO/EPA

Trotz seiner kleinen Probleme und der Jokerrolle zuletzt gehört er immer noch zu Spaniens Top-Antreibern. Er bereitete bei dieser WM die meisten Abschlussaktionen für den EM-Champion vor (elf). Doch dennoch könnte er nun nur noch zweite Wahl sein.

Denn ausgerechnet der für ihn in die Startelf gerückte Ruiz traf gegen Belgien. Und dann schoss auch noch Merino, ein weiterer Konkurrent, mal wieder das späte Siegtor.

Verpasst Pedri erneut die Topspiele?

„Wir wollten dem Spiel eine andere Note geben. Fabian hat mehr Spielkontrolle, er unterscheidet sich von Pedri. Wir haben erkannt, dass wir mehr Durchschlagskraft brauchten, und Pedri wollten wir für die Schlussphase mit seiner Frische und seiner Spielübersicht aufheben“, erklärte de la Fuente die Vorzüge von Ruiz explizit.

Und so droht Pedri so etwas wie die Wiederholung der Ereignisse. Bei der EM vor zwei Jahren gehörte er zunächst zum Stammpersonal. Dann verletzte er sich aber im Viertelfinale gegen Deutschland und sah das Halbfinale und Finale nur noch vom Seitenrand aus.