Ex-Schiedsrichter Manuel Gräfe verfolgt die Geschehnisse bei der WM 2026 mit Fassungslosigkeit. Unter anderem die ausgesetzte Sperre von US-Stürmer Folarin Balogun hat Gräfe zu einem wütenden Post auf der Plattform X verleitet.
„Politik bei der UEFA oder FIFA gab es schon immer, gibt es und wird es immer geben, aber mit welcher Dreistigkeit vor der ganzen Welt bei der WM die Grenzen jeglicher Fairness und Objektivität gesprengt werden, ist ein Skandal“, polterte der 52-Jährige.
WM 2026: Die FIFA widerspricht sich selbst
Balogun hatte im Sechzehntelfinale gegen Bosnien und Herzegowina nach VAR-Eingriff eine harte, aber vertretbare Rote Karte kassiert. Die FIFA entschied sich jedoch dazu, die Sperre auszusetzen, was im Widerspruch zu ihren eigenen Regularien steht.
„Wenn ein Spieler oder ein offizielles Team-Mitglied durch eine rote Karte vom Platz geschickt wird, werden sie automatisch für das nächste Spiel ihres Teams ausgeschlossen. Weitere Sanktionen können verhangen werden“, heißt es im Regelbuch, das die FIFA für die WM 2026 veröffentlicht hatte.
Die FIFA beruft sich nun wiederum auf Artikel 27 ihrer Disziplinarordnung. Dieser erlaube es, „die Umsetzung einer Disziplinarmaßnahme ganz oder teilweise auszusetzen“ und eine „Bewehrungszeit von einem bis vier Jahren“ zu verhängen.
Laut New York Times soll US-Präsident Donald Trump FIFA-Präsident Gianni Infantino persönlich gebeten haben, die Sperre aufzuheben. „Wenn das wirklich Trump und Infantino miteinander ausgemacht haben, das ist verrückt, das stellt alles infrage“, übte Jürgen Klopp bei MagentaTV scharfe Kritik. Belgien möchte gegen die Entscheidung vorgehen.
Gräfe macht sich Sorgen, dass der Fußballsport unter den teils schwer nachvollziehbaren Entscheidungen bei der WM leidet. „Das hat Potenzial, die Grundfeste des Fußballs nach dieser WM zu erschüttern, wenn es so weitergeht“, mahnte er.