Als Belgien den Treffer zum 3:1 erzielte, war der Jubel im Viertel Roma Norte in Mexiko-Stadt groß. Nicht nur dort freuten sich viele über das drohende Aus der USA. Dem großen Nachbarn drückt man dort ohnehin nur selten die Daumen.

Diesmal hatte die Schadenfreude aber vor allem einen anderen Grund: den Skandal um Folarin Balogun. „Justice!“, rief ein Passant, der den Treffer eher beiläufig auf einem Bildschirm verfolgte. Gerechtigkeit. Für viele Fußballfans dürfte das Ausscheiden der USA die späte Genugtuung für das korrupte Zusammenspiel zwischen FIFA-Präsident Gianni Infantino und Donald Trump gewesen sein. Und genau darin liegt das eigentliche Drama. Trump hat seinem eigenen Land einen Bärendienst erwiesen.

Donald Trump hat den USA einen Bärendienst erwiesen - meint SPORT1-Reporter Manfred Sedlbauer
Donald Trump hat den USA einen Bärendienst erwiesen – meint SPORT1-Reporter Manfred SedlbauerDonald Trump hat den USA einen Bärendienst erwiesen – meint SPORT1-Reporter Manfred Sedlbauer© SPORT1-Grafik/Imago

USA erleiden Imageverlust bei WM-Aus

Bis zu diesem Skandal war die US-Nationalmannschaft auf dem besten Weg, sich die Sympathien der neutralen Fußballwelt zu erspielen – oder zumindest der Fans jener Nationen, deren Teams bereits ausgeschieden waren. Doch die umstrittene Rücknahme von Baloguns Sperre hat dieses Image nachhaltig beschädigt. Kaum jemand hätte den USA nach diesem Vorgang den Einzug in die nächste Runde gegönnt.

Das Bittere daran: Weder die Spieler noch Balogun selbst konnten etwas für das tölpelhafte Eingreifen ihres Präsidenten. Dass Infantino vor Trump einknickte, überrascht dagegen kaum noch. Der Glaube an die Unabhängigkeit der FIFA ist bei vielen Fans ohnehin längst verloren gegangen.

Nach Skandal – US-Boys wie gelähmt

Trump hat seiner Mannschaft mit seinem Eingriff keinen Gefallen getan – im Gegenteil. Die Elf von Mauricio Pochettino, der die Aufhebung der Sperre im Anschluss auf befremdliche Weise bejubelt hatte, zeigte ihre schwächste Leistung des gesamten Turniers. Ausgerechnet Balogun, die Hauptfigur des Skandals, blieb nahezu unsichtbar.

Gerade einmal 19 Ballkontakte sammelte der Stürmer bis zu seiner Auswechslung in der Nachspielzeit. Kurz vor Schluss vergab er zudem den möglichen Anschlusstreffer kläglich. Ob die Mannschaft von der tagelangen Diskussion gelähmt war, lässt sich nicht beweisen. Geholfen hat das ganze Theater aber ganz sicher nicht.

Das Erschreckende bleibt

Das Positive ist: Mit dem Ausscheiden der USA dürfte der Fall zunächst nicht noch mehr Aufmerksamkeit bekommen und kann zumindest etwas unter den Tisch gekehrt werden – das beherrscht die FIFA wie kaum ein anderer Verband. Denn das eigentliche Problem bleibt bestehen.

Der Präzedenzfall ist geschaffen. Künftig dürfte jede umstrittene Gelbe oder Rote Karte Anlass für Einsprüche liefern. Schließlich hat die Einflussnahme diesmal funktioniert. Heute wird eine Sperre aufgehoben. Was kommt morgen? Zwei Tore Vorsprung für den Gastgeber? Oder gleich ein Freilos fürs Finale für den finanzstärksten Verband?

Die Politik hat offensichtlicher denn je und mit erschreckender Willkür in den Sport eingegriffen. Wer den Fußball als fairen Wettbewerb erhalten will, darf eine solche Einflussnahme niemals als neuen Normalzustand akzeptieren. Genau das ist das wirklich Erschreckende an diesem Skandal.