DFB-Vizepräsident Hans-Joachim Watzke hat Fußball-Deutschland vor den entscheidenden Gespräch in der Personalie des Wunsch-Bundestrainers Jürgen Klopp davor gewarnt, sich zu früh zu freuen.

„Das ist definitiv noch nicht abgehakt, das muss man alleine schon vor dem Hintergrund des RB-Engagements so sehen“, sagte der DFL-Aufsichtsratsboss dem ZDF.

Watzke und Klopp arbeiteten viele Jahre erfolgreich beim BVB zusammen
Watzke und Klopp arbeiteten viele Jahre erfolgreich beim BVB zusammenWatzke (l.) und Klopp 2016© picture-alliance/dpa/SID/Federico Gambarini

Dennoch ist der langjährige Weggefährte Klopps optimistisch, dass die Hürden für ein Engagement seines Du-Freundes als Nachfolger von Julian Nagelsmann aus dem Weg zu räumen sind. Die Wahrscheinlichkeit für Klopp als künftigen Bundestrainer sei „größer als 50 Prozent“, sagte er, der DFB habe das klare Ziel, den 59-Jährigen zu verpflichten: „Wir wollen unseren Masterplan A versuchen durchzusetzen.“

Watzke: Klopp wird nicht allmächtig

Allmächtig werde Klopp beim Deutschen Fußball-Bund allerdings nicht. „Jürgen Klopp würde niemals eine carte blanche fordern“, sagte Watzke, der „gerne“ mit Sportdirektor Rudi Völler „weitermachen“ würde.

„Jürgen ist durchaus dominant, aber teamfähig“, sagte Watzke und verwies zugleich auf Völlers bis 2028 laufenden Vertrag.

Der Weltmeister von 1990 und ehemalige Teamchef galt als „Bodyguard“ des nach dem WM-Aus zurückgetretenen Bundestrainers Julian Nagelsmann. Dessen möglicher Nachfolger Klopp bräuchte wohl keine Vaterfigur neben sich, weshalb Spekulationen über Völlers Zukunft aufgekommen waren. Weil der 66-Jährige aber noch bis zur EM in zwei Jahren in Großbritannien gebunden sei, „haben wir darüber gar nicht zu diskutieren“, betonte Watzke (67).

Watzke: „Ich würde gerne mit Rudi weitermachen“

„Ich spreche nur für mich und glaube, da das Gefühl von vielen anderen beim DFB zu treffen: Ich würde gerne mit Rudi weitermachen“, meinte Watzke: „Rudi mit seiner Erfahrung und seiner Art und Weise – ich glaube, dass er und Jürgen wunderbar zusammenarbeiten würden. Die müssten sich da irgendwann mal kurzschließen. Und es wäre mal an der Zeit, dass Rudi sagt: ‚Okay, grundsätzlich würde ich gerne weitermachen.'“ Das ist bislang nicht geschehen.

Für den Posten des Sportchefs hatten sich auch schon Weltmeister von 2014 wie Per Mertesacker oder Bastian Schweinsteiger in Position gebracht. „Über Per Mertesacker wird schon mal gesprochen worden sein“, bekannte Watzke, fügte aber süffisant an: „Wer sich die letzten Tage da alles für eine Position beworben hat, das ist schon eine stattliche Liste, da hättest du vor 20, 30 Jahren noch eine Top-Mannschaft draus bilden können…“

Watzke soll noch in dieser Woche mit DFB-Präsident Bernd Neuendorf zu Gesprächen nach New York reisen, wo Klopp für MagentaTV als WM-Experte tätig ist. Noch hat Klopp einen Vertrag bis 2029 bei Red Bull, wo er als „Head of Global Soccer“ arbeitet.

Das Finanzielle sieht Watzke nicht als Hindernis. „Wir haben natürlich unsere Schmerzgrenze“, sagte er und fügte schmunzelnd an, er erwarte „einen leichten Patriotismusabschlag“ von Klopp. Auch sei der wohl bereit, seine vielfältigen Werbeverträge verbandskonform zu prüfen.

Watzke: „Jürgen macht Spieler besser“

Sportlich erwartet sich Watzke einiges vom Potenzial-Optimierer. „Jürgen macht Spieler besser, definitiv.“ Das deutsche Spiel werde außerdem „etwas körperbetonter, etwas intensiver, etwas rustikaler“ werden. Damit die DFB-Elf „auch in der 90. Minute, wenn es 1:1 steht“, dem Gegner das Gefühl vermittle, „dass die irgendwann zurückkommen“.

Inwieweit Klopp auch ins Strukturelle eingreifen wolle, also etwa in die Nachwuchsförderung, sei offen. Klar sei aber auch, dass es ein Fehler wäre, „wenn du nicht jemanden mit der Kompetenz (…) von Jürgen dann auch einbindest“.