Der frühere Nationalspieler Marcell Jansen hat die Kaderentscheidungen von Ex-Bundestrainer Julian Nagelsmann bei dieser WM in Zweifel gezogen – und daran unter anderem das frühe Aus der deutschen Mannschaft festgemacht.

„Meiner Meinung nach ist in der Analyse vor dem Turnier viel falsch gelaufen. Darüber haben wir zu wenig gesprochen. Ich starte in ein Turnier und weiß, ich gehöre nicht zu den Top Fünf, stelle aber die besten elf Einzelspieler auf, wovon viele gar nicht in ihrem Rhythmus und voller Fitness sind“, sagte Jansen am Sonntag im FIROCKX.ONE WM Doppelpass.

Marcell Jansen hinterfragt die Entscheidungen von Julian Nagelsmann
Marcell Jansen hinterfragt die Entscheidungen von Julian NagelsmannMarcell Jansen hinterfragt die Entscheidungen von Julian Nagelsmann© IMAGO/Oliver Ruhnke

Jansen: „Worum geht es eigentlich bei einer WM?“

Die Liste des 40-Jährigen – der sich bewusst auf die Offensive beschränkte: „Havertz kommt aus einer langen Verletzungssaison. Musiala hatte eine schwere Verletzung. Sané kein Stammspieler im eigenen Verein. Wirtz auf Linksaußen nicht in seiner Stärke. Trotzdem stehen alle auf dem Platz, die können gar nicht bei 100 Prozent sein.“

Die Idee, „dass wir defensiv als Mannschaft das Thema haben, eklig zu sein, Gegentore zu verteidigen“ habe bei dieser Zusammensetzung „gar keine Rolle mehr gespielt in der Ausrichtung der Aufstellung, der Taktik, der Formation.“

Die Namen der Spieler würden eine „Erwartungshaltung“ schaffen, „aber es ist nicht die beste Lösung für die Mannschaft, die eine WM spielen könnte in voller Fitness. Worum geht es eigentlich bei einer WM? Und das haben wir verpennt. Und wenn du deine eigene Rolle nicht einschätzt und kennst und nur die besten Einzelspieler aufstellst, kannst du nicht erwarten, dass du ein gutes Turnier spielst“, erklärte Jansen.

Kai Havertz, Florian Wirtz und Leroy Sané hatten in allen WM-Spielen in der Startelf gestanden. Jamal Musiala saß beim Aus im Sechzehntelfinale gegen Paraguay zunächst auf der Bank, wurde aber in der zweiten Hälfte eingewechselt.

Havertz hatte in der abgelaufenen Saison beim FC Arsenal 35 Pflichtspiele verpasst. Musiala (FC Bayern) kommt auf 30 verpasste Partien.

Wirtz (FC Liverpool) und Sané (Galatasaray Istanbul) blieben verletzungsfrei, spielten nach ihren Auslandswechseln jedoch jeweils eine durchwachsene Saison.