Es war einer der dramatischsten, bittersten und unklügsten Momente dieser Weltmeisterschaft, der Breel Embolo bereits auf dem Rasen in Tränen ausbrechen ließ. Wenige Augenblicke zuvor hatte der 29 Jahre alte Stürmer erst die Gelbe und kurz darauf die Rote Karte gesehen – eine Szene, die maßgeblich zum WM-Aus der Schweiz im Viertelfinale beitragen sollte. Christoph Kramer litt mit.
„Breel Embolo möchte ich kurz erwähnen: Ich habe lange mit ihm zusammengespielt. Er ist ein unfassbar geiler Typ und Spieler. Aber bei einer Belehrung durch den Schiedsrichter ist er auch einer, der auf gar keinen Fall zuhört“, sagte Kramer im Podcast CopaTS. „Ich liebe den Kerl und möchte auch nichts Schlechtes über ihn sagen, weil er mir unfassbar leid tat. Breel weint nicht häufig, das hat mir ein bisschen das Herz gebrochen.“
Auslöser der Szene war eine Entscheidung von Schiedsrichter Joao Pedro Silva Pinheiro in der 72. Minute des Spiels gegen Argentinien. Zunächst verwarnte der Portugiese Leandro Paredes, nachdem Embolo im Zweikampf zu Fall gegangen war. Doch kurz darauf meldete sich der Videoschiedsrichter. Die Wiederholungen zeigten aus Sicht des Schiedsrichters kein Foulspiel, sondern eine Schwalbe des Schweizer Stürmers. Für Embolo hatte das fatale Folgen.
WM: Neue Regel wird Embolo zum Verhängnis
Weil der ehemalige Bundesliga-Profi bereits kurz vor der Halbzeit die Gelbe Karte gesehen hatte, bedeutete die weitere Verwarnung automatisch Gelb-Rot. Während Pinheiro den Platzverweis aussprach, blickte Embolo fassungslos um sich. Der Schweizer konnte die Entscheidung kaum glauben und verließ kurz darauf unter Tränen den Platz. Dass der Video-Schiedsrichter in solchen Situationen überhaupt eingreifen darf, gibt es erst seit dieser WM.
Auch Kramer, der mehrere Jahre mit Embolo bei Borussia Mönchengladbach zusammenspielte, rätselte über die Aktion seines früheren Teamkollegen. Eine Erklärung hatte er zwar nicht, dafür aber eine Meinung dazu, wie sich Embolo aus der misslichen Lage hätte retten können. „Du musst als Breel Embolo eigentlich direkt sagen: ,Nein, nein, nein, da war nichts.‘ Du darfst den Schiedsrichter nicht erst Paredes die Gelbe Karte geben lassen“, schilderte Kramer. Stattdessen hätte Embolo die Situation auflösen müssen – etwa mit dem Hinweis, einen Krampf gehabt zu haben.
Die Szene erwies sich letztlich als folgenschwer. Die Schweiz musste die verbleibende Spielzeit mit einem Mann weniger bestreiten und verlor am Ende mit 1:3 nach Verlängerung. Argentinien war durch Alexis Mac Allister bereits früh in Führung gegangen (10.), konnte die Überzahl nach dem Ausgleich durch Dan Ndoye (67.) aber zunächst nicht nutzen.
Erst in der Verlängerung setzte sich die individuelle Klasse des Titelverteidigers durch. Julián Álvarez traf in der 110. Minute, Lautaro Martínez sorgte für die Entscheidung (120.+1). Die Schweizer verloren in Unterzahl letztlich gegen den Weltmeister mit 1:3 nach Verlängerung und schieden aus.
Embolo? Auch Hummels wundert sich
Auch Mats Hummels zeigte für die Aktion des Stürmers kein Verständnis. Der ehemalige deutsche Nationalspieler sagte bei Magenta-TV: „Die Aktion hat das Spiel entschieden, zuungunsten der Schweizer.“ Es sei in dem Fall „natürlich Wahnsinn, schon Gelb-verwarnt so eine Schwalbe zu machen“.
Natürlich habe die Szene nicht nur Embolo, sondern auch ihm als Zuschauer wehgetan. Dennoch befand Hummels: „Irgendeine Übersprungshandlung in seinem Kopf hat wohl dafür gesorgt, dass er zur Schwalbe gegriffen hat.“