Ein Spieler, der wechseln will, und zwei Vereine, die sich darüber streiten: Transferverhandlungen könnten reibungsloser verlaufen, wie das aktuelle Beispiel um Julián Álvarez zeigt.
Der argentinische Stürmer äußerte nach dem zweiten WM-Gruppenspiel gegen Österreich am Montagabend einen konkreten Wechselwunsch, den er zudem bereits bei den Vereinsverantwortlichen hinterlegt hätte. Doch die Atlético-Bosse verhöhnen den vermeintlichen Interessenten aus Barcelona lieber mit Social-Media-Posts oder rechtlichen Androhungen.
Die Posse zeigt: Ein Transfer im Schaufenster einer WM ist kaum ohne öffentliche Schlagzeilen abzuwickeln. Ein neues Phänomen ist das jedoch keineswegs. Auch während des Turniers in Brasilien im Jahr 2014 bestimmten Transferverhandlungen um einen der Stars der WM das Geschehen: Die Rede ist von Ex-Bayern-Star James Rodríguez.
Der kolumbianische Offensivstar, vor Turnierstart damals noch 22 Jahre alt, spielte sich nicht nur in die Herzen der Fans, sondern auch auf die Zettel der großen Klubs.
Die AS Monaco hatte das bereits frühzeitig erkannt und James im Jahr 2013 für rund 45 Millionen Euro vom portugiesischen Meister, dem FC Porto, verpflichtet – eine zugegeben teure Investition in die Zukunft.
WM 2014: James-Aufstieg in die Elite
Neun Tore und zwölf Assists in 34 Spielen in der Saison vor der WM ließen aber bereits das Potenzial des technisch versierten Linksfußes aufblitzen. Das Turnier selbst krönte dann den Aufstieg in die Welt-Elite: Mit sechs Toren in nur fünf Spielen ballerte sich der Kolumbianer zum Torschützenkönig der Endrunde, erzielte zudem mit seinem Volleytreffer im Achtelfinale gegen Uruguay das Tor des Turniers.
Kaum verwunderlich also, dass die Schwergewichte des europäischen Fußballs in Monaco anklopften – und das bereits, während das Geschehen noch lief. Insbesondere bei Real Madrid hatte man ein Auge auf den Zehner geworfen.
Präsident Florentino Pérez sagte damals: „Er hat brillant gespielt, und seine Tore haben seinen Status als einen der besten Spieler der Weltmeisterschaft untermauert.“
Der umtriebige spanische Manager streckte nach Beendigung der Gruppenphase seine Fühler aus – und kassierte umgehend eine Absage. Der stellvertretende Vorsitzende von Monaco, Vadim Vasilyev, erklärte, sein Verein habe keine Pläne, Rodriguez zu verkaufen.
Gipfeln sollte die Posse Anfang Juli 2014: Kolumbien kämpfte sich bei seiner ersten Teilnahme nach 16 Jahren Abstinenz ins Viertelfinale vor – dort wartete nun Gastgeber Brasilien. Ein Spiel, dem in Südamerika kaum mehr Bedeutung hätte beigemessen werden können.
Und James? Der stellte sich bei Ausrüster Adidas einem Fragen- und Antwortspiel – und posaunte nur einen Tag vor dem WM-Viertelfinale heraus: „Ich habe bereits in der Vergangenheit gesagt, dass ich gerne eines Tages in Spanien spielen würde, denn es ist eine technisch starke Liga, in der man viele Ballkontakte hat – und das entspricht meinem Spielstil. Aber ich bin Spieler bei Monaco und denke im Moment nicht über solche Dinge nach.“
James Rodríguez forciert Wechsel – zu Real Madrid?
Der zweite Satz konnte als Milderung einer Transferbitte inmitten eines professionellen Geschäfts verstanden werden, der Wunsch bestand jedoch mehr denn je. Und jetzt wusste auch die Öffentlichkeit darüber Bescheid.
Nach dem dramatischen kolumbianischen Ausscheiden (1:2) fühlte sich folglich Real-Patron Peréz auf den Plan gerufen, im Transferpoker ernst zu machen.
So kam es, wie es kommen musste: Monaco verlor seinen besten Spieler – und die Königlichen schmückten sich mit einem neuen 80 Millionen Euro teuren Zauberer – wohlgemerkt der viertteuerste Transfer der Geschichte zu diesem Zeitpunkt.
„Einer der bedeutendsten Transfers der Fußballgeschichte“
Und Monaco? Die mussten schließlich klein beigeben, ließen in einem Statement verlauten, dass man stolz darauf sei, Teil „eines der bedeutendsten Transfers der Fußballgeschichte“ zu sein: „Es war der Zeitpunkt gekommen, an dem ein Transfer als die für alle Beteiligten vorteilhafteste Lösung angesehen wurde.“
Die Parallele zu Argentiniens Álvarez ist unverkennbar. Auch er könnte noch einer der großen Stars der WM werden.
Schon vor Turnierbeginn sagte Ex-Bayern-Stürmer Roy Makaay exklusiv bei SPORT1: „Ich mag Julian Álvarez von Argentinien sehr. Er hat bei der letzten WM schon überragend gespielt, als er gerade einmal 22 war“, schwärmte der Niederländer.
Und auch der ausdrückliche Spielerwunsch („Ich denke, ein Wechsel ist das Beste für alle, und ich möchte mir meinen Traum erfüllen“) dürfte dem Geschehen eine neue Dynamik verleihen.