Für Julian Nagelsmann muss es ein inneres Blumenpflücken gewesen sein: Mit dem Kantersieg über Curacao im Rücken konnte er sich entspannt zu Jürgen Klopp und Thomas Müller stellen, jenen TV-Experten, die vor der Partie für so viel Wirbel gesorgt hatten.
Mit großen Worten ruderte Klopp in beeindruckender Geschwindigkeit zurück. Für das vielsagende Wörtchen „noch“ hätte er sich „aufs Maul hauen können“, gab der ehemalige Weltklasse-Trainer zu. Er sei trotz seiner bald 59 Jahre immer noch „dämlich“ und versprach, dass er den Ablauf des DFB-Teams nicht stören wolle.
Nagelsmann sah Klopp währenddessen fest an, schmunzelte ein wenig. Aber ansonsten war das ein Pokerface. Vielleicht dachte der Bundestrainer in diesem Moment an Rudi Völler. Der DFB-Sportdirektor war es nämlich, der mit einem bemerkenswerten Auftritt das Duo Klopp/Müller strammstehen ließ.
Völler landet Wirkungstreffer gegen Klopp und Müller
Dass beide on Air (!) mit so viel Cleverness und gesunder Stichelei in die Schranken gewiesen wurden, kam noch nie vor. Beide seien „mehr für die Komik“ zuständig und Müller solle einen Trainerschein machen. Es waren Wirkungstreffer, die Völler da landete.
Mit seiner ganzen Autorität verteilte er genussvoll kleine Watschn. Man darf davon ausgehen, dass Klopp auch wegen dieser Ansage Nagelsmann lieber um Verzeihung bat, als stur zu bleiben. Dafür gebührt ihm ebenfalls Respekt! Auf großer Bühne einen Fehler einzugestehen, ist schließlich nicht leicht. Er hat sich den Mund verbrannt, gesteht sich das ein und riskiert keine Dauerfehde mit dem Bundestrainer. Gut so!
Nagelsmann wird sich vermutlich in aller Ruhe bei Völler bedanken. Der Sportdirektor hat ihm vorerst eine gewisse Immunität gegen überzogene oder unsachliche Kritik verschafft. Das war beeindruckend und dürfte dem sportlichen Erfolg zuträglich sein.