Bei den Interviews nach seiner historischen Dreierpack-Gala verzog Ousmane Dembélé keine Miene. Ja, ein „einzigartiger und wichtiger Moment“ sei es für ihn, meinte Frankreichs Weltfußballer und gab sich nach seiner WM-Explosion doch seltsam unbeeindruckt: „Mir haben meine Leistungen gegen Senegal oder Irak besser gefallen.“

Der Offensivstar vom Champions-League-Sieger Paris Saint-Germain trat nach dem 4:1 (3:1) gegen Norwegens B-Elf wenig auskunftsfreudig auf, das mögliche Achtelfinale gegen Deutschland spielte noch keine Rolle: „Das Wichtigste ist: Wir konzentrieren uns auf das, was direkt vor uns liegt.“

Ousmane Dembélé zeigte es gegen Norwegen seinen Kritikern
Ousmane Dembélé zeigte es gegen Norwegen seinen KritikernOusmane Dembélé zeigte es gegen Norwegen seinen Kritikern© IMAGO/Ulmer/Teamfoto

WM: Dembélé lässt den Knoten gegen Norwegen platzen

Hinter Dembélé aber liegen Debatten um seine Person. Schon vor dem Turnier waren in der Heimat Zweifel laut geworden, ob sich der begnadete Ex-Dortmunder in diesen Monster-Angriff mit Kylian Mbappé und Michael Olise einfügen könne. Sein erstes Tor bei einem großen Turnier sowie eine Vorlage im zweiten Spiel gegen den Irak (3:0) lösten den Knoten, in Foxborough platzte er endgültig.

Dembélé sicherte nicht nur den Gruppensieg, er wirbelte sich mit seinen schönen Treffern (7./20./32.) – einmal mit rechts, zweimal mit links – in die Geschichtsbücher. Ihm gelang der zweitfrüheste Dreierpack der WM-Historie nach dem Österreicher Ernst Probst 1954 (24 Minuten). Als erst dritter Franzose erzielte er drei Tore in einem WM-Spiel nach Just Fontaine (2x) und Mbappé.

Und die französische Presse verneigte sich. Der „atemberaubende“ Fußball-Künstler sei „einem exklusiven Zirkel französischer Legenden beigetreten“, schwärmte Le Figaro. Nach „einem Dreierpack, der endgültig alle Zweifel vertreibt“ (AFP) ist die Hoffnung groß, dass Dembélé seine magere Bilanz von elf Toren in 62 Länderspielen auf der Jagd nach dem dritten Stern weiter aufpoliert.

Gutes Omen für Frankreich bei der WM 2026?

Frankreich, so die Botschaft dieses Spiels, muss sich nicht nur auf Mbappé verlassen. Wie der Starstürmer von Real Madrid, der diesmal als zweimaliger Vorbereiter glänzte, steht Dembélé im Rennen um den Goldenen Schuh als WM-Torschützenkönig bei vier Treffern. Im Sechzehntelfinale bekommen es die Vize-Weltmeister nun am Dienstag (23.00 Uhr im LIVETICKER) in East Rutherford mit Schweden zu tun.

Dann wird Didier Deschamps wieder an der Seitenlinie stehen. Am Samstag, einen Tag nach der Beerdigung seiner Mutter, wird der Nationaltrainer beim Team zurückerwartet. Mit seinem Assistenten Guy Stéphan gilt es auch über die Verwundbarkeit der Abwehr gegen Norwegen zu sprechen. „Es gab einige Phasen, in denen wir weniger gut waren, und das“, forderte Stéphan, „müssen wir abstellen.“

Doch nach Dembéles Gala wächst die Zuversicht. Wie zuvor nur 1998 gelang Les Bleus eine makellose Gruppenphase – ein gutes Omen? Vor 28 Jahren holten Deschamps, Zinedine Zidane und Co. schließlich im eigenen Land den ersten WM-Titel für Frankreich.