Christoph Kramer hat sich am Freitagabend kurz in Rage geredet und die „Missgunst“ einiger Fans und Beobachter gegenüber der deutschen Nationalmannschaft kritisiert. „Was wir teilweise in den deutschen Medien machen, ist ja wahnwitzig! Wir zerstören Leroy Sané zwei Wochen lang – und jetzt ist er der einzige Gewinner von gestern. Das kannst du keinem erzählen“, sagte der 35-Jährige im ZDF.
Nach dem 4:1 Frankreichs gegen Norwegen nahm Kramer als WM-Experte gemeinsam mit Per Mertesacker und Bundesliga-Trainerin Friederike „Fritzy“ Kromp bei Moderatorin Katrin Müller-Hohenstein im Studio Platz. Im Mittelpunkt stand später auch die deutsche Nationalmannschaft. Kramer griff die Diskussionen nach der 1:2-Pleite gegen Ecuador auf und äußerte sich zur Kritik, die Bundestrainer Julian Nagelsmann und sein Team nach dem Auftritt einstecken mussten.
Rundumschlag von Kramer: „Jeder kann sich an eigene Nase packen“
„Ich habe irgendwie das Gefühl, dass wir wollen, dass unser Nationalhüter Manuel Neuer mal patzt, damit wir eine hitzige Torwart-Debatte anregen können. Ich bleibe dabei: Ich finde es nicht gut, wie kritisch, wie schlecht und gut und nur in Superlativen wir eine Mannschaft sehen“, betonte der Weltmeister von 2014.
Kramer fügte an: „Es wäre deutlich gesünder für uns alle und vor allem für alle in der Nationalmannschaft, wenn wir da mal ein bisschen realistisch rangehen. Jeder kann sich nur an die eigene Nase packen. Ich habe das Gefühl, dass wir was Missgünstiges haben, und das nervt mich.“
WM: Mertesacker kontert Kramer
Kramers Wortmeldung wurde im Studio mit Applaus aufgenommen. Mertesacker hielt zunächst dagegen: „Es gibt aber Anregungen, Verbesserungen. Das ist natürlich sehr, sehr wichtig, dass man sich selbstkritisch hinterfragt.“ Kramer widersprach dem Grundgedanken seines Weltmeister-Kollegen nicht – legte anschließend aber noch einmal nach: „Wir tun so, als wäre das eine Kindermannschaft! Das sind Weltklasse-Spieler, die spielen bei den absoluten Top-Vereinen.“
„Das ist ja nicht so, dass die aus der Bahn geworfen werden, nur weil die mal ein Spiel verloren haben. Und klar war nicht alles gut gestern. Sogar vieles schlecht. Da müssen wir gar nicht drum herumreden. Mir wird das aber trotzdem so ein bisschen … das ist zu viel und zu doll und zu extrem immer“, fügte Kramer hinzu.
Trotz der Pleite gegen Ecuador hat die deutsche Mannschaft die Gruppe E dank der Siege gegen Curaçao (7:1) und die Elfenbeinküste (2:1) als Tabellenerster abgeschlossen. Am Montag geht es für Deutschland im Sechzehntelfinale gegen Paraguay weiter (ab 22:30 Uhr im LIVETICKER).