Die WM hat ihre erste Sensation! Superstar Lamine Yamal und Europameister Spanien haben einen Fehlstart in ihre Titelmission hingelegt. Gegen den krassen Außenseiter und Turnierneuling Kap Verde blamierte sich das viel zu harmlose Team in seinem Auftaktspiel am Montag in Atlanta mit einem 0:0.

Während die „Blauen Haie“ gleich beim Debüt ihren historischen ersten Punkt bei einer Endrunde feierten, müssen sich die Spanier für ihren zweiten WM-Triumph nach 2010 erheblich steigern. „Das ist eine der größten Sensationen, die es je bei Fußball-Weltmeisterschaften gab“, bewertete ARD-Kommentator Tom Bartels gleich nach Abpfiff.

Spanien kam zum WM-Auftakt gegen Kap Verde nicht über ein 0:0 hinaus
Spanien kam zum WM-Auftakt gegen Kap Verde nicht über ein 0:0 hinausSpanien kam zum WM-Auftakt gegen Kap Verde nicht über ein 0:0 hinaus© IMAGO/EPA

Schweinsteiger: „Da ist jetzt schon ein bisschen Druck drauf“

„Die FIFA wurde sehr viel kritisiert, dass man so viele Mannschaften zugelassen hat. Aber man sieht jetzt an diesen Beispielen, dass Kap Verde wettbewerbsfähig ist. Dann ist es doch etwas Wunderschönes, dass in so einem Land sowas entstehen kann“, freute sich Bastian Schweinsteiger in der ARD für den Inselstaat.

Er fügte hinzu: „Das Schwierige für die Spanier ist: Die spielen jetzt gegen Saudi-Arabien. Und wenn wir uns jetzt an die letzte WM erinnern: Wen hat Saudi-Arabien geschlagen? Die Argentinier. Da ist jetzt schon ein bisschen Druck drauf. Sie brauchen auf jeden Fall Yamal und Williams von Anfang an. Jetzt müssen sie abliefern, sonst wird es eng.”

Andrich lobt Kap Verdes Kampf

„Spanien hat nicht gut gespielt, aber wie Kap Verde verteidigt hat und wirklich richtig gut verteidigt hat… Wenn man sieht, wie die Leute sich darüber freuen, dafür lieben wir doch den Fußball, dass sie den ersten Punkt geholt haben“, reagierte MagentaTV-Experte Robert Andrich auf die Sensation und verwies darauf: „Deswegen kann man unser 7:1 nicht zu hoch hängen. Curacao ist eigentlich qualitativ über Kap Verde.“

Gleichzeitig lobte er den unerbittlichen Kampf des Underdogs: „Es ist immer das schwierigste, wenn du eine kleine Nation bist: Wie klein machst du dich?. Man hat bei Kap Verde gut gesehen, dass sie natürlich am Anfang Respekt hatten und vielleicht ein bisschen Angst, aber irgendwann haben sie einfach gemacht und man hat ihnen von Minute zu Minute angesehen, dass sie daran glauben, etwas zu holen.“

Wie unruhig wird es jetzt in Spanien?

Andrich meinte, dass Spanien zwar keine gute zweite Halbzeit gespielt habe, dies aber auch an Kap Verde gelegen hätte: „Dementsprechend haben sie jetzt das Gefühl, dass sie vielleicht sogar eine Runde weiterkommen können und das ist doch geil.“

Der Kapitän von Bayer Leverkusen wollte aber nicht auf die spanische Mannschaft draufhauen: „Sie werden kritischer draufgehen, als sie es vermutlich normalerweise machen würden. Aber ich glaube nicht, dass sie komplett unruhig werden.“

„Die spanischen Medien haben hohe Erwartungen“

Seiner Meinung nach wollte auch einfach nicht viel gelingen. Kap Verde hätte dem Europameister von 2024 das Leben auch sehr schwer gemacht: „Es wollte bei Spanien nicht alles gelingen und es fehlte auch ein bisschen das Glück. Das hat sich Kap Verde erarbeitet. Das ist dann von außen betrachtet auch nicht immer so einfach, wie man denkt.“

Zugleich ist sich Andrich sicher, dass es aber viel Gegenwind in der Heimat geben wird: „Die spanischen Medien haben hohe Erwartungen und da wird es Kritik geben. Aber ich gehe davon aus, dass sie intern alles ruhig und sachlich analysieren.“

Kap Verdes größter Erfolg seiner Fußballgeschichte

So ideenlos wie die Spanier, bei denen Nationaltrainer Luis de la Fuente 71 Minuten lang auf den zuletzt angeschlagenen Yamal verzichtet hatte, jedoch über weite Strecken aufgetreten sind, könnte es bereits im zweiten Vorrundenspiel am Sonntag gegen Saudi-Arabien schwer werden. Letzter Gegner in der Gruppe H ist Uruguay.

Für Kap Verde, mit 500.000 Einwohnern drittkleinster WM-Teilnehmer, ist der Punktgewinn im Duell der Nummer 3 gegen die Nummer 64 der Weltrangliste schon jetzt der größte Erfolg der Fußballgeschichte.

„Wir haben immer weiter probiert, ein Tor zu erzielen. Das sind solche Spiele, in denen man alles probiert, aber ein Tor will nicht fallen. Die Mannschaft von Kap Verde ist gut organisiert und hat sehr gut verteidigt. Wir haben versucht, Räume zu schaffen, aber uns hat ein bisschen die Zirkulation gefehlt. Der Ball wollte einfach nicht hereingehen“, sagte Spaniens Nationaltrainer Luis de la Fuente nach der Partie.

WM: Spanien als großer Favorit gehandelt

Die Spanier waren vor dem Turnier in den USA, Mexiko und Kanada neben Frankreich als vielleicht größter Anwärter auf den Goldpokal gehandelt worden. Erst einmal müssen sie jedoch ihr jüngstes WM-Trauma bewältigen. Seit dem Triumph in Südafrika vor 16 Jahren hat Spanien nicht mehr das Viertelfinale erreicht. 2014 flog der Titelverteidiger sensationell in der Vorrunde raus, 2018 (gegen Russland) und 2022 (gegen Marokko) war jeweils im Achtelfinale Schluss.

Vor der Partie hatte de la Fuente davor gewarnt, den Underdog zu unterschätzen, parallel gab sich Kap Verdes Nationaltrainer angriffslustig. „Wir wollen ohne Angst spielen. „Wir sind nicht hierher gekommen, um nur dabei zu sein, wir sind hierher gekommen, um uns zu messen“, sagte Pedro Leitao Brito. Und tatsächlich taten sich die Spanier schwer.

Zwar kontrollierten sie vom Start weg den Ball, in Abwesenheit der Starspieler Yamal und Nico Williams, die de la Fuente nach ihren Verletzungen zunächst auf die Bank setzte, fehlte jedoch die Kreativität und das Tempo. Folglich hatte Kap Verde kaum Mühe, die spanischen Bemühungen wegzuverteidigen. Das Offensivtrio Ferran Torres, Mikel Oyarzabal und Gavi war in der ersten halben Stunde nahezu völlig abgemeldet.

Yamal zunächst nur auf der Bank

Es war ersichtlich, dass Spanien Yamals Genie vermisste, der nach seiner im April erlittenen Oberschenkelblessur noch nicht fit für 90 Minuten war. Seine Vertreter drehten erst kurz vor der Halbzeit etwas auf. Nach einem Zuspiel von Rodri legte Marc Cucurella per Kopf auf Torres (39.) ab, jener traf nur die Latte, den folgenden Kopfball von Oyarzabal lenkte Kap Verdes Torwart Vozinha drüber. Unmittelbar vor der Pause parierte der 40 Jahre alte Keeper erneut stark gegen Torres (45.) und Aymeric Laporte (45.+3).

Nach der Halbzeit bot sich ein ähnliches Bild wie im ersten Durchgang. Spanien besaß ein optisches Übergewicht, aber die Afrikaner schlugen sich weiter wacker, ohne selbst offensiv in Erscheinung zu treten. Vozinha war weiterhin stark und gegen Fabián Ruiz (56.) auf dem Posten. In der 71. Minute hatte de la Fuente genug gesehen und brachte Yamal für Gavi ins Spiel, wenig später auch Williams. Doch auch mit den Ballkünstlern klappte es nicht mit dem erlösenden Siegtreffer.

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—– Mit Sport-Informations-Dienst (SID)