Spätestens seit dem deutschen Auftaktsieg kennt ihn jeder: Als „Der Zug hat keine Bremse“ im Stadion von Houston aus den Lautsprechern schallte und Torhüter Manuel Neuer sogar ein kleines Tänzchen hinlegte, war klar: Dieser Song ist mehr als nur ein Partyschlager.

Auch andere DFB-Stars freuten sich sichtbar mit. Bundestrainer Julian Nagelsmann musste auf der anschließenden Pressekonferenz einem englischen Reporter erklären, was hinter dem Hit steckt, und erklärte den Titel kurzerhand zum Motto der DFB-Elf für das Turnier.

Mia Julia lieferte den Soundtrack zu den DFB-Spielen
Mia Julia lieferte den Soundtrack zu den DFB-SpielenMia Julia lieferte den Soundtrack zu den DFB-Spielen © IMAGO/BOBO

Ob bei der Biathlon-WM, der Handball-WM oder zuletzt bei der Frauen-EM: Die Ballermann-Version von Mia Julia, Lorenz Büffel und der Band Malle Anja hat sich längst als Soundtrack deutscher Sportmomente etabliert und reißt Fans wie Athletinnen gleichermaßen mit.

Nagelsmann-PK: „Ich bin völlig ausgeflippt“

Im Interview mit SPORT1 spricht Mia Julia jetzt über den aktuellen Hype, eine mögliche neue Version des Songs und darüber, ab welcher Turnierrunde sie der DFB-Elf in den USA einen Besuch abstatten würde. Ob ein Nationalspieler sie schon kontaktiert hat?

SPORT1: Mia, Hand aufs Herz: Wann hast du zum ersten Mal mitbekommen, dass „Der Zug hat keine Bremse“ plötzlich bei der WM läuft, und was war dein erster Gedanke?

Mia Julia: Direkt nach dem 7:1 gegen Curacao. Als Julian Nagelsmann auf der Pressekonferenz über unseren Song gesprochen und den Liedtitel zum Motto ausgerufen hat. Ich bin völlig ausgeflippt und habe sofort die zwei anderen, also Malle Anja und Lorenz Büffel, kontaktiert. Für uns ist das einfach nur krass.

SPORT1: Wie sehr verfolgst du denn überhaupt die deutsche Nationalmannschaft und die WM?

Mia Julia: Jetzt auf jeden Fall deutlich intensiver. Ich will nicht lügen: Mein Mann Peter ist riesiger Fußballfan, guckt viele Spiele und kennt sich bestens aus. Ich bin eher für die gute Laune zuständig. Und das ist uns mit diesem Song doch mehr als geglückt (lacht).

SPORT1: Du spielst auf Festivals, trittst am Ballermann vor Tausenden Menschen auf – und jetzt ist euer Song plötzlich so etwas wie die Feierhymne der deutschen Nationalmannschaft bei der WM. Wo ordnest du das persönlich ein? Ist das noch mal eine ganz andere Dimension für dich?

Mia Julia: „Was passiert hier gerade?“

Mia Julia: Es fühlt sich einfach völlig surreal an. Die ganzen Videos, die wir von vor Ort geschickt bekommen, sind der Wahnsinn. Und wenn der Song dann noch durchs Stadion knallt und Spieler wie Manuel Neuer auf dem Platz dazu abzappeln oder Julian Nagelsmann und Nadiem Amiri darüber sprechen, kann man das gar nicht richtig greifen. Wir fragen uns gerade eher: Was passiert hier gerade?

SPORT1: Merkst du das bei deinen Auftritten gerade, dass die Leute bei diesem Song noch mehr abgehen als sonst?

Mia Julia: Die gehen sowieso immer ab (lacht). Aber ernsthaft: Wenn ich den Song anmoderiere und dann ein paar Worte darüber verliere, merke ich schon immer, wie sehr die Leute darauf gerade ausrasten. Ich glaube, viele freuen sich einfach, dass es unser Ballermann-/Feiersong zur WM geschafft hat. Das macht unsere Szene stolz.

SPORT1: Das Lied ist ja schon ein paar Jahre alt. Ihr habt das 2022 rausgebracht. Wieso geht das ausgerechnet jetzt so durch die Decke? Kann man das erklären?

Mia Julia: Ich bin der Überzeugung, dass man einen richtigen WM-Song, den die Leute dann feiern, gar nicht geplant schreiben kann. Die Leute entscheiden das – und das muss dann nicht ausschließlich ein Fußball-Song sein, der bestens auf die Mannschaft ausgelegt ist.

Es kommt darauf an, was die Leute in dieser Situation hören wollen. Das kann alles sein. In den letzten zwei Jahren ist unser Song eben sehr viel gespielt worden, beispielsweise auch bei der Frauen-EM im letzten Jahr. Da haben ihn unsere Mädels auch häufig nach Spielen gehört und sind richtig darauf abgegangen. Allen voran übrigens Giulia Gwinn. Die würde ich sofort mit auf die Bühne nehmen (lacht). Verrückt, dass die Männer jetzt auch nachgezogen sind. Auch wenn wir uns das nicht mal in unseren kühnsten Träumen vorstellen konnten.

SPORT1: Das Motto, das Bundestrainer Julian Nagelsmann ausgegeben hat, lautet „The Train has no Brakes“. T-Shirts mit dem Aufdruck gibt es bereits schon. Wann kommt die englische Version dazu?

Mia Julia: Dazu bekommen wir wirklich viele Nachrichten. Wahrscheinlich würde es sogar funktionieren. Ich bin mir aber nicht sicher, ob man sich damit einen Gefallen tut. Die Leute feiern ihn jetzt so, wie er ist. Ausschließen, dass wir vielleicht doch noch eine englische Version dazu raushauen, will ich aber nicht.

Mia Julia über die DFB-Stars

SPORT1: Es gibt aktuell zur WM auch viele KI-Songs, die im Umlauf sind. Stört euch das als Künstlerinnen?

Mia Julia: Ich will KI nicht verteufeln. Sie hilft uns mit Sicherheit in vielen Situationen weiter. Bei der Musik muss ich aber sagen: Ich bevorzuge echte Menschen, echte Künstlerinnen, echte Produzentinnen. Ich glaube, dass das gewisse Etwas, das die menschliche Seele mitbringt, nie von der KI ersetzt werden kann.

SPORT1: Der Großteil der Nationalmannschaft feiert den Song. Welcher DFB-Star hat dich denn schon kontaktiert?

Mia Julia: Das würde und werde ich nie verraten (lacht). Mit mir könnten sie auch einen trinken gehen – das würde auch niemand mitbekommen.

SPORT1: Welcher Nationalspieler würde denn am Ballermann eine gute Figur machen?

Mia Julia: Von den ehemaligen würde ich sofort Thomas Müller sagen. Der hat einfach einen unfassbar positiven Stempel, ich glaube, der ist eine Partyrakete. Dazu würde ich Manuel Neuer gerne beim Feiern sehen. Und ich glaube auch, dass Aleksandar Pavlovic jemand ist, der auf die Kacke hauen kann.

Aber generell: Die sind zwar alle Fußballprofis, stehen unter einem gewaltigen Druck und trotzdem sind sie im Herzen irgendwo Jungs vom Bolzplatz. Da ging für die meisten nämlich alles los. Und ich glaube, deshalb kann man mit allen eine gute Zeit haben.

SPORT1: Ab welcher K.-o.-Runde würdest du dich in den Flieger setzen und live performen?

Mia Julia: Diese Entscheidung liegt nicht bei mir. Ruft uns an, wir kommen. Der nächste Flieger gehört uns (lacht). Aber jetzt mal ohne Witz: Wir wären sofort dabei. Selbst bei einem Empfang in Deutschland – hoffentlich erst am 20. Juli mit dem Pokal in der Hand.

SPORT1: Du hältst im WM-Endspiel die Kabinenansprache. Was gibst du den Jungs mit?

Mia Julia: Geht da raus, haut sie weg und holt das Ding nach Hause. Der Zug hat keine Bremse.