Norwegen machte es gegen den Senegal am Ende noch einmal unfreiwillig so richtig spannend. Doch als die Skandinavier die 3:2-Führung über die Zeit brachten, gab es kein Halten mehr. Erstmals seit 28 Jahren nahm „Landslaget“ wieder an einer WM teil – und gleich steht der vorzeitige Einzug in die K.-o.-Phase zu Buche.
Für Trainer Stale Solbakken war dies natürlich ein besonderer Moment. Solbakken machte sich schnell auf den Weg zur Tribüne und küsste seine Frau Anniken. Eine Szene, die den TV-Kameras zwar entgangen war, aber sowohl von den zahlreichen in der Nähe sitzenden Zuschauern als auch von den Fotografen am Spielfeldrand aufgefangen wurde und in den Sozialen Netzwerken viral ging.
Hinter diesem emotionalen Moment steckt eine Vorgeschichte, die erahnen lässt, warum sich Solbakken schnurstracks auf den Weg zur Tribüne machte, um den großen Triumph mit seiner Frau zu feiern. Die jahrzehntelange Beziehung des norwegischen Trainers mit seiner Frau Anniken war nämlich alles andere als einfach.
2001, als Solbakken noch als Spieler für den FC Kopenhagen aktiv war, erlitt er nach einem Spiel gegen Aalborg einen Herzinfarkt. Der damals 33-Jährige musste von Teamarzt Frank Odgaard wiederbelebt werden.
Der Arzt bezeichnete sein Überleben „als Wunder, weil sein Herz für 12 Minuten stehen geblieben war.“ Erst Tage später kam Solbakken auf einer Intensivstation wieder zu Bewusstsein.
Solbakken: „Meine Mutter begann, meine Beerdigung zu organisieren“
„Zu erst konnte ich nichts sehen, nur völlige Dunkelheit. Dann erschien ein hellblaues … nennen wir es einen Tunnel. Es war ein wunderschönes Licht. Als sie mich weckten, dachte ich: Oh nein, könnte ich noch ein bisschen länger dortbleiben? Ich habe keine Erklärung für das, was ich gesehen habe“ beschrieb Norwegens Trainer die Momente im Krankenhaus.
Für seine Familie und sein Umfeld seien diese Tage unerträglich gewesen. „Meine Mutter begann, meine Beerdigung zu organisieren. Anfangs machte sie sich Sorgen, ob ich überleben würde“, erinnert sich Solbakken.
Für seine Partnerin Anniken, die damals erst Anfang 20 war, seien diese Tage extrem traumatisch gewesen: „Meine Frau kann immer noch nicht darüber sprechen, obwohl so viele Jahre vergangen sind.“
Solbakkens Schicksalsschlag sorgte für Zusammenhalt
Seine Frau habe sich in der Zeit um die beiden Kinder kümmern müssen.
„Ich war erstaunt, wie sie in so jungem Alter eine so schwierige Situation meistern konnte“, blickte Solbakken zurück. Dieser Moment habe sie nochmal enger zusammengebracht.
Nach dem Sieg gegen Senegal erlebte das Paar einen schönen Moment zusammen – und auch beim nächsten Spiel wird Anniken sicher ihrem Mann wieder die Daumen drücken.
Am Freitag treffen die Skandinavier im direkten Duell um den Gruppensieg auf Frankreich (21 Uhr, live im SPORT1-Ticker).