Als die Blamage perfekt war, wollte Cristiano Ronaldo nur noch weg. Mit gesenktem Kopf eilte der Superstar in Richtung Kabine, der Auftakt in seine sechste WM war aus Sicht des Portugiesen ganz und gar nicht nach Plan verlaufen.
Beim mickrigen 1:1 (1:1) gegen den krassen Außenseiter Demokratische Republik Kongo enttäuschte Portugal auf ganzer Linie – die Kritik am schwachen Ronaldo dürfte noch anwachsen. Der Gegensatz zur Drei-Tore-Gala seines ewigen Rivalen Lionel Messi am Tag zuvor war augenfällig.
Ronaldo lässt Fernandes „verzweifelt zurück“
Damit ist Ronaldo seit zehn Spielen bei großen Turnieren für Portugal (FIFA-Weltmeisterschaft und Europameisterschaft) torlos. Sinnbild für seinen enttäuschenden Auftritt am Mittwochabend: Sogar Portugals Torwart Diogo Costa hatte mehr Ballkontakte (37) als der Superstar (25).
Ronaldo hatte erst in der 68. Minute seinen ersten Torschuss und das 2:1 auf dem Fuß. „Aber aufgrund seiner schlechten Position schoss er daneben und ließ Bruno Fernandes verzweifelt mit ausgebreiteten Armen zurück“, schrieb die portugiesische Sportzeitung A Bola.
Und tatsächlich: Fernandes war nach der ausgelassenen Großchance von Ronaldo fassungslos. Fünf Minuten tauchte Ronaldo erneut frei vor dem Tor auf, scheiterte aber knapp.
Müller: „Da will ich nicht mit Ronaldo tauschen“
Thomas Müller zeigte indes Mitgefühl mit dem glücklosen Ronaldo. „Als alleiniger Stürmer macht es einfach keinen Spaß, du hast keinen Platz, du hast keinen Raum. Da will ich nicht mit Ronaldo tauschen“, sagte Müller bei MagentaTV.
In der heimischen Presse wurde CR7 jedoch zum Sinnbild für den Auftritt der Portugiesen. „Cristiano Ronaldo vergibt Chancen und Portugal patzt im Auftaktspiel“, titelte A Bola und schrieb weiter: „So wird der Traum von der Weltmeisterschaft schwer zu verwirklichen sein.“ Das Sportblatt Record schrieb: „Enttäuschung in Houston.“
WM 2026: Ronaldos Portugal enttäuscht zum Auftakt
Drei Tage nach dem furiosen deutschen Auftakt gegen Curacao (7:1) drehte sich in der texanischen Astronautenstadt alles um „CR7“. Mit 41 Jahren und 132 Tagen stand der Kapitän zum Start seiner sechsten WM (Rekord) trotz anhaltender Diskussionen um seine Rolle in der Anfangsformation – und stieg damit zum viertältesten Spieler der WM-Geschichte auf.
Ebenso wie das DFB-Team am Sonntag gingen die Portugiesen gleich nach sechs Minuten in Führung. Neves von Champions-League-Sieger Paris Saint-Germain verwertete eine Flanke per Kopf und streckte anschließend beide Zeigefinger symbolisch gen Himmel. Auf der Tribüne jubelten die Eltern des tödlich verunglückten Diogo Jota mit.
Das Houston Stadium war nahezu komplett in Rot gefärbt, nur ein paar wenige Fans der DR Kongo konnten trotz Einreiseverbot wegen des Ebola-Ausbruchs bei der erst zweiten WM-Teilnahme nach 1974 (damals noch als Zaire) vor Ort dabei sein. Die „Léopards“, die sich im Vorfeld statt in einem Trainingslagers in einer 21-tägigen Isolation in Belgien vorbereiten mussten, hatten durch Yoane Wissa (11.), Newcastle-Kollege von Nick Woltemade und Malik Thiaw, die erste gute Gelegenheit.
WM 2026: Harmlose Portugiesen geschockt
Der amtierende Nations-League-Sieger blieb nach der Führung in der Offensive viel zu harmlos und bekam Ronaldo überhaupt nicht in Szene. Und so kamen die Zentralafrikaner kurz vor dem Pausenpfiff zum Ausgleich durch Wissa, ebenfalls per Kopf. Wissa und seine Teamkollegen tanzten anschließend ausgelassen vor der Trainerbank.
„Unglaublich“: Dieses Tor geht in die Historie ein
Portugals Nationalcoach Roberto Martínez, der nach der WM aufhören wird, reagierte schon zur Pause. Für den schwachen Bernardo Silva, dessen Wechsel zu Real Madrid wenige Stunden zuvor bekannt geworden war, brachte er Francisco Conceicao. Portugal traf wenig später, Joao Cancelo stand vor seinem Fallrückzieher aber deutlich im Abseits (55.).
Neves: „Müssen weiter an uns glauben“
Auf der Gegenseite scheiterte Cedric Bakambu am Pfosten (57.). Anschließend vergab Ronaldo bekanntlich gleich zwei aussichtsreiche Gelegenheiten. So blieb es beim 1:1.
„Wir haben gut gespielt, aber die drei Punkte, die wir haben wollten, nicht geholt. Wir müssen weiter an uns glauben“, sagte Portugals Torschütze Neves nach der Partie.
In der heimischen Presse ist vom Glauben schon nicht mehr viel zu spüren: „So wird der Traum von der Weltmeisterschaft schwer zu verwirklichen sein“, schrieb A Bola.
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Mit Sport-Informations-Dienst (SID)