Abgesehen von den fehlenden Toren hatte das Remis von Belgien und dem Iran einiges zu bieten. Belgischer Chancenwucher, eine unnötige Rote Karte – sowie zwei Regelneuerungen, die Anwendung fanden und für Verwirrung sorgten.

Den Anfang machte eine Szene in der 49. Minute. Irans Alireza Jahanbakhsh traf Leandro Trossard mit den Stollen hart an der Wade. Der flinke Offensivmann des FC Arsenal sank mit schmerzverzerrtem Gesicht zu Boden und blieb dort auch erstmal länger liegen. Für rund zwei Minuten war das Spiel unterbrochen.

Schiedsrichter Dario Herrera wendete im Duell zwischen Belgien und dem Iran gleich zwei Regeländerungen an
Schiedsrichter Dario Herrera wendete im Duell zwischen Belgien und dem Iran gleich zwei Regeländerungen anSchiedsrichter Dario Herrera wendete im Duell zwischen Belgien und dem Iran gleich zwei Regeländerungen an© IMAGO/Sports Press Photo

Erstmal keine ungewöhnliche Szene. Das Überraschende dabei war, dass sich schnell nach dem überharten Einsteigen des Iraners ein medizinisches Betreuerteam bereitmachte und nahe der Eckfahne auf seinen Einsatz wartete. Doch die Akteure auf dem Feld wollten das medizinische Personal nicht auf den Rasen lassen.

Belgier bleibt mit Schmerzen auf dem Platz

Gerade Kevin De Bruyne winkte ab und machte gestikulierend deutlich, dass Trossard nicht medizinisch behandelt werden sollte.

Grund dafür ist eine Regeländerung der FIFA. Hätte Trossard sich behandeln lassen, hätte er anschließend eine Minute abseits des Feldes verweilen müssen, bevor der Eingriff ins Spielgeschehen wieder möglich gewesen wäre.

Die folgende Standardsituation hätte Trossard also verpasst, wenn er sich einer Behandlung unterzogen hätte. So ließ der Offensivakteur die Schmerzen auf dem Platz ausklingen – und Belgien konnte das Spiel in voller Mannstärke zwei Minuten später fortsetzen.

Kurios: Hätte Jahanbakhsh für das Vergehen an Trossard Gelb oder Rot gesehen, was die Belgier auch lautstark forderten, hätte die neue Regel nicht gegriffen. Denn sie besagt, dass Spieler, die durch ein Foul verletzt wurden, das mit einer Karte geahndet wird, sofort nach der Behandlung wieder am Spielgeschehen teilnehmen dürfen. Torhüter sind von der Regelung übrigens grundsätzlich ausgenommen.

Eingeführt wurde die Regel eigentlich, um Zeitspiel zu verhindern. Im Fall von Trossard führte sie dazu, dass ein Spieler trotz Schmerzen auf medizinische Hilfe verzichten musste.

Regeländerung bei der WM: Iran verliert kurzzeitig Spieler

So gut wie die Belgier hatten die Iraner die neuen Regeln offenbar nicht verinnerlicht. Schließlich trottete Saeid Ezatolahi in der 85. Minute bei seiner Auswechslung langsam vom Feld – zu langsam für Schiedsrichter Dario Herrera, der penibel darauf achtete, eine weitere Regelanpassung durchzusetzen.

Der bereitstehende Amirhossein Hosseinzadeh musste die Strafe verbüßen und über eine Minute warten, bis er das Feld betreten durfte. In dieser Zeit war der Iran nur zu zehnt – ebenso wie die Belgier, die nach grobem Schnitzer samt Notbremse von Nathan Ngoy ab der 67. Minute in Unterzahl agieren mussten.

Nach der neuen Regel hat nämlich der Spieler bei der Auswechslung nur zehn Sekunden Zeit, das Feld zu verlassen. Passiert das nicht innerhalb der vorgegebenen Zeit, darf der Ersatzmann das Feld erst wieder betreten, sobald nach einer Minute die nächste Spielunterbrechung auftritt.