Didier Deschamps hat im Gespräch mit The Guardian über Kylian Mbappé, den Favoritenstatus Frankreichs und seine eigene Arbeit als Nationaltrainer gesprochen.
Dabei macht er aus der Erwartungshaltung vor der WM keinen Hehl: „Wir gehören zu den Favoriten. Das ist für mich kein Tabuwort.“ Dass er trotz Kritik in der Heimat weiter im Amt ist, begründet er nüchtern mit den Resultaten – und mit einem Blick auf die internationale Wahrnehmung: Im Ausland gebe es „vielleicht mehr Anerkennung“ als in Frankreich.
Deschamps guckt nur nach vorne
Den immer wieder erhobenen Vorwurf, „Les Bleus“ spiele zu defensiv, konterte Deschamps mit einem Ergebnis-Argument und betonte, dass sein Blick nur nach vorn gehe: „Das Wichtigste ist heute und morgen – und morgen ist die WM.“
Sein Erfolgsrezept beschreibt er als ständige Anpassung, auch weil sich die Spielergeneration seit seinem Start 2012 stark verändert habe und nach dem WM-Finale 2022 mehrere Führungsspieler nicht mehr dabei sind.
Deschamps verteidigt Mbappé-Entscheidung
Besonders deutlich wird Deschamps bei Mbappé. Der Stürmer, „heute unser Kapitän“, habe einen anderen Führungsstil als Hugo Lloris, übernehme Verantwortung sowohl „außerhalb des Platzes“ als auch auf dem Feld – und wisse, dass er „im Namen aller Spieler“ spreche.
Auch seine Entscheidung, Mbappé im Zentrum einzusetzen, verteidigte der Coach mit Spott: „Ich muss ein Idiot sein – und es hat sicher viele unfähige Trainer gegeben, die Mbappé im Zentrum spielen ließen.“
Um die Positionierung von Mbappé gibt es immer wieder mal Diskussionen. Dennoch steht der Angreifer unmittelbar vor dem französischen Torrekord von Olivier Giroud (57).
Seine Konkurrenz im französischen Angriff ist aber brutal: In Deschamps‘ WM-Aufgebot stehen vorne unter anderem Michael Olise, Ousmane Dembélé, Rayan Cherki, Desiré Doué, Bradley Barcola, Marcus Thuram, Jean-Philippe Mateta und Maghnes Akliouche zur Verfügung – eine Gemengelage, in der Deschamps vor allem „Frust“ managen muss: Konkurrenz sei „Teil des Lebens“, aber „wenn es einen direkt betrifft, ist es komplizierter“.