Ex-DFB-Star Thomas Hitzlsperger sieht in Julian Nagelsmann noch keinen fertigen Trainer. Der 44-Jährige hält dem aktuellen Bundestrainer Eitelkeit und fehlende Souveränität vor.

„Er ist ein toller Trainer, aber er hat wenig Lebenserfahrung. Es gab viele Punkte, in denen er nicht gut aussah, die die Lebenserfahrung betreffen. In der Außendarstellung hat er noch Nachholbedarf“, sagte Hitzlsperger am Dienstag in seiner Funktion als ARD-Experte.

Thomas Hitzlsperger kritisiert die Arbeit von Julian Nagelsmann
Thomas Hitzlsperger kritisiert die Arbeit von Julian NagelsmannThomas Hitzlsperger kritisiert die Arbeit von Julian Nagelsmann© IMAGO/Ulmer/Teamfoto

Der frühere Bundesliga-Profi (VfB Stuttgart und VfL Wolfsburg) wünscht Nagelsmann nach dem blamablen WM-Aus, „dass er reflektiert genug ist: Da und da habe ich einen Fehler gemacht. Er wirkt mir immer noch sehr selbstbewusst. Einige seiner Aussagen erwecken nicht den Anschein, als hätte er verstanden, was da gerade passiert ist. Dass er einfach sagt: ‚Ich habe einen Vertrag, ich bin bereit weiterzumachen.‘ Da war er zu forsch im Ton.“

Nagelsmann? „Viele Baustellen aufgemacht“

Hitzlspergers Schlussfolgerung: „Es ist unbestritten, dass er ein Fachmann ist, dass er sein Handwerk versteht, aber dieses Amt heißt auch: Souveränität auszustrahlen. Das hat er nicht. Er hat vor der WM viele Baustellen aufgemacht, die unnötig waren – kommunikativ.“

Als Erstes komme ihm der Fall Deniz Undav in den Sinn: „Da wirkt er (Nagelsmann; Anm. d. Red.) fast schon eitel. Da hast du den besten deutschen Stürmer in der Bundesliga – und dann sagt er ihm: Der hätte nicht getroffen, wenn er nicht von Beginn an gespielt hätte. Das ist unnötig. Dann hat er ein ewig langes Interview im kicker gegeben, um Dinge vorzubereiten. Und man fragt sich: Warum macht er das eigentlich?“

DFB-Bosse lassen Nagelsmanns Zukunft offen

Selbiges gelte für Nagelsmanns Sportstudio-Auftritt: „Man denkt: Eigentlich will er gar nicht da sein. Er hat nichts zu sagen. Und dann noch die Nominierung von Manuel Neuer …“

Die deutsche Nationalmannschaft war am Montag im WM-Sechzehntelfinale an Paraguay gescheitert. Sowohl DFB-Sportdirektor Rudi Völler als auch DFB-Präsident Bernd Neuendorf ließen seitdem Nagelsmanns Zukunft offen.

Der Vertrag des früheren Bayern-Trainers endet im Sommer 2028.