„Mats Hummels, wen hast du gemeint?“, fragte Laura Wontorra am späten Dienstagabend bei MagentaTV und spielte dabei auf Mats Hummels‘ Brandrede nach dem WM-Aus der deutschen Nationalmannschaft gegen Paraguay an, in der er personelle Konsequenzen und die Rücktritte von namentlich nicht genannten Spielern forderte.
„Ich habe es schon bewusst so formuliert, dass ich eben nicht die Namen nenne. Das einzige, was ich gemacht habe, war die Position des Bundestrainers natürlich zu hinterfragen“, sagte Hummels zunächst.
Nagelsmann? „Schmallippig, manchmal bisschen patzig“
„Ich glaube, dass er im ersten Moment für sich sein wollte, sich zurückgezogen hat. Das ist menschlich absolut nachvollziehbar. In der Rolle muss man wahrscheinlich trotzdem direkt zur Mannschaft gehen, Präsenz zeigen und – so doof es klingt – auch auf den Bildern vom Ausscheiden zu sehen sein. So richtig mit der Mannschaft und nicht so für sich sein“, meinte Hummels in Anbetracht von Nagelsmanns Auftreten nach dem Desaster von Foxborough.
Der Bundestrainer hatte nach der empfindlichen Pleite zunächst einige Minuten fassungslos auf der Trainerbank gesessen, mit leerem Blick an seinem Ehering gedreht. „Du kannst im Moment des Ausscheidens fast nichts richtig machen. Dann wird dir alles negativ ausgelegt. Ich fand auch, dass es zu schmallippig war, manchmal ein bisschen patzig rüberkam. Das ist so. Das lässt sich nicht von der Hand weisen“, wurde Hummels deutlich.
Nagelsmann müsse sein Auftreten verbessern. „Eine große Baustelle“, befand Hummels: „Es gibt viele Dinge, die er falsch gemacht hat, aber in der Niederlage verhält sich fast niemand immer perfekt. Deswegen würde ich den Teil zumindest nicht zu hoch hängen.“
Was Hummels an Nagelsmann besonders enttäuscht
Und als Wontorra Hummels schließlich fragte, ob Nagelsmann noch „der Richtige“ für den Posten des Nationaltrainers sei, platzte es plötzlich aus ihm heraus. „Ich bin natürlich auch ein bisschen…“, stammelte Hummels: „Das ist nicht ganz einfach. Ich bin natürlich von der Geschichte um die Heim-EM 2024…“
Wontorra merkte an, dass Nagelsmann beim großen Turnier zwei Jahre zuvor trotz starker Leistungen beim BVB auf Hummels verzichtet hatte. „Genau. Da ist nicht alles sehr fair und ehrlich mit mir gelaufen. Das müssen wir irgendwann in einem privaten Gespräch nochmal aufräumen. Das ist bisher nicht passiert“, offenbarte Hummels.
Worte, die tief blicken ließen und gewissermaßen auch die Spannungen in den entsprechenden Interviews mit Nagelsmann erklärten. „Deswegen bin ich logischerweise da auch ein bisschen emotional in eine Richtung gedrängt. Aber wenn man jetzt gerade die ganze Faktenlage so sieht, würde ich sagen: Es muss sich auf der Trainerposition was ändern“, untermauerte Hummels.
Und welche Spieler seiner Meinung nach nun zurücktreten sollten? „Ich habe auf jeden Fall von Spielern gesprochen, die eben diese Chancen hatten. Ich möchte aber auch betonen, weil es mir auch so ausgelegt wurde, dass Joshua Kimmich nicht gemeint ist. (…) Ihn habe ich definitiv nicht angesprochen“, erklärte Hummels. Weitere Namen nannte er nicht. Doch am Dienstagabend wurde schnell klar, dass ihn die Causa Nagelsmann um einiges mehr beschäftigt als einzelne Spieler im DFB-Team.