Viel war vor Portugals WM-Auftakt über Cristiano Ronaldo gesprochen worden: zu alt, zu wenig Laufbereitschaft, zu egoistisch. Gegenargumente konnte CR7 beim enttäuschenden Auftritt gegen die Demokratische Republik Kongo nicht wirklich liefern. Kritik gab es deshalb auch von Experte und Ex-Weltmeister Thierry Henry.

„Die Mannschaft braucht ein Tor, nicht du“, war das klare Urteil des Franzosen, der während der WM als Experte für den US-Sender Fox im Einsatz ist. Auslöser war ein fast schon exemplarischer Lauf des Stürmers von Al-Nassr.

Cristiano Ronaldo und Portugal enttäuschten ´zum WM-Auftakt
Cristiano Ronaldo und Portugal enttäuschten ´zum WM-AuftaktCristiano Ronaldo und Portugal enttäuschten ´zum WM-Auftakt© IMAGO/Kirchner-Media

Ronaldo: Henry hat eine klare Meinung

Es lief die 68. Minute. Francisco Conceicao brachte den Ball von der rechten Seite in den Strafraum, den Abschluss verzog Ronaldo in der Mitte recht deutlich. Der hinter ihm deutlich besser postierte Bruno Fernandes sank anschließend verzweifelt auf die Knie. Eine bezeichnende Szene.

Fand auch Thierry Henry. Er kritisierte, Ronaldo hätte stattdessen mit einem Lauf auf den zweiten Pfosten den Raum in der Mitte öffnen sollen. Er selbst wäre dann wahrscheinlich nicht an den Ball gekommen, Bruno Fernandes hätte aber mit deutlich mehr Platz nur noch einschieben müssen, so der Weltmeister von 1998.

„Weil er ein Tor erzielen will, nimmt er sich diesen Pass. Der Verteidiger hat so beide Gegenspieler im Blick und es ist für ihn deutlich einfacher zu verteidigen. Darum geht es: Die Mannschaft muss ein Tor erzielen, nicht du. Sie haben die Reaktion von Bruno Fernandes gesehen“, analysierte Henry. Der Franzose stand selbst in 16 WM-Spielen auf dem Platz und erzielte dabei sechs Tore.

Titelfavorit Portugal enttäuscht

Die Seleção galt im Vorfeld längst nicht nur in Expertenkreisen als Mitfavorit auf den Titel. Immerhin ist die portugiesische Mannschaft so stark besetzt wie selten: Manchester Uniteds Kapitän Bruno Fernandes, die Pariser-Champions-League-Sieger um Vitinha und João Neves – und eben der 41 Jahre alte Cristiano Ronaldo.

Der war aber längst nicht allein verantwortlich für das überraschende 1:1 gegen Kongo. Gerade die mit Stars gespickte Offensive wirkte lange ideenlos gegen einen mutigen Gegner. Nach gutem Beginn und dem Führungstreffer in der sechsten Minute mussten die Iberer kurz vor der Pause den Ausgleich hinnehmen.

Für Ronaldo ist der WM-Titel der einzige große Pokal, der dem fünfmaligen Weltfußballer noch fehlt. Sein ewiger Widersacher Lionel Messi konnte sich diesen Traum 2022 erfüllen. Und ist obendrein direkt mit einem Dreierpack ins Turnier gestartet.