Der Vater wurde von Al-Qaida ermordet, sein Bruder verschleppt, er wollte gar kein Fußballer mehr sein – und doch hielt Aymen Hussein durch. Bei der Weltmeisterschaft, auf der ganz großen Bühne, belohnte sich der 30-Jährige nun selbst. Mit seinem Treffer zum zwischenzeitlichen 1:1 beim 1:4 (1:2) gegen Norwegen stiegt der Angreifer endgültig zum Fußball-Helden des Irak auf.
„Ich bin sehr, sehr froh und stolz auf ihn“, sagte sein Trainer Graham Arnold. Schließlich kennt auch der Australier die tragische Lebensgeschichte von Hussein nur zu gut.
Nach der Invasion der USA 2003 wuchs Hussein im Krieg auf, sein Vater wurde 2008 von Al-Qaida getötet – da war er gerade einmal zwölf Jahre alt. 2014 wurde sein Bruder vom Islamischen Staat entführt, sein Schicksal ist bis heute ungeklärt.
Hussein wollte mit dem Fußball aufhören, um seine Familie zu ernähren. Doch seine Mutter bat ihn, es nicht zu tun. Und der Sohn wurde Profi.
„Was für ein großer Moment für den Irak“
Für Hussein war es ein langer Weg voller Leid zur WM, bei der Einreise mit dem Team in Chicago wurde er ja zudem von den US-Einwanderungsbeamten beiseite genommen und sieben Stunden lang festgehalten.
Doch Hussein kann so leicht nichts mehr erschüttern. „Wir sind Bombenangriffe und Kugeln gewohnt“, sagte er: „Wir haben gelernt, dass ohne Warten und Geduld nichts Gutes geschieht.“
Und in der 39. Minute gegen Norwegen geschah dann etwas Gutes. Hussein schraubte sich nach einer Flanke in die Luft, drei Gegenspieler konnten ihn nicht stoppen – und Hussein köpfte ein zum ersten WM-Tor für den Irak seit 40 Jahren, zum erst zweiten überhaupt.
Grenzenloser Jubel bei den Löwen Mesopotamiens. Dass sie das Spiel am Ende verloren und Hussein noch ein unglückliches Eigentor unterlief? Geschenkt.
Schließlich haben sie es nur ihm zu verdanken, dass der Irak überhaupt bei dieser WM dabei ist. Hussein gelang in der Qualifikation der entscheidende Treffer gegen Bolivien. Jetzt sein Tor gegen Norwegen.
„Was für ein großer Moment für den Irak“, sagte Arnold: „Eine besondere Nacht.“