Yoane Wissa führte mit seinen Mitspielern einen wilden Jubeltanz auf, der gesamte Kader der Demokratischen Republik Kongo hüpfte im Takt und machte rhythmische Bewegungen mit den Armen. „Wir haben Tanzen auf dem Trainingsplatz trainiert. Wir sind immer am Tanzen“, sagte Wissa glückselig.

Mit seinem Treffer zum 1:1 (1:1) gegen Portugal bescherte der Vereinskollege von Nick Woltemade und Malick Thiaw seinem vom Ebola-Ausbruch erfassten Land sensationell den ersten WM-Punkt überhaupt. Während sein glückloser Offensivkollege bei Portugal einen gebrauchten Tag erwischte, ist Wissa der umjubelte Held des Spiels.

Yoane Wissa nach dem Tor gegen Portugal
Yoane Wissa nach dem Tor gegen PortugalYoane Wissa nach dem Tor gegen Portugal© IMAGO / Agencia EFE

Dabei wäre seine Karriere vor fünf Jahren fast auf dramatischste Art und Weise geendet – 2021 überlebte Wissa einen brutalen Angriff. Als er für den französischen Klub FC Lorient spielte, drang eine wohl unter Wahnvorstellungen leidende Frau in sein Haus ein und attackierte ihn mit Säure. Offenbar wollte sie die Tochter des Stürmers entführen.

Wissa wurde bei dem Überfall schwer im Gesicht verletzt, er musste an den Augen notoperiert werden.

WM-Star: Ärzte konnten einst Wissas Sehkraft retten

Zwischenzeitlich soll sogar die Gefahr bestanden haben, dass er sein Augenlicht verliert. Doch die Ärzte konnten die Sehkraft retten und Wissa seine Karriere fortsetzen.

Diese nahm fortan so richtig Fahrt auf. Nach starken Jahren beim FC Brentford ließ sich Newcastle United den bulligen Angreifer mehr als 60 Millionen Euro kosten, trotz Verletzungsproblemen zu Beginn der abgelaufenen Saison lief er Woltemade im vergangenen Halbjahr als Stammspieler den Rang ab.

Auch sein Weg in die Nationalmannschaft der Demokratischen Republik Kongo verlief nicht geradlinig. Wissa wurde im französischen Villeneuve-Saint-Georges geboren.

„Die Wahrheit ist, ich bin nicht der talentierteste Spieler“

Da er kongolesische Eltern hatte, schickte er als 16-Jähriger über das Soziale Netzwerk Facebook ein Anschreiben an den kongolesischen Fußballverband. Verbunden mit der damals noch sehr vagen Hoffnung, eines Tages für die Nationalmannschaft des schon seit Jahrzehnten krisengeplagten Landes spielen zu Können.

Doch „Kovo“ (Glatzkopf), wie sie ihn in der Demokratischen Republik Kongo liebevoll nennen, blieb hartnäckig.

„Die Wahrheit ist, ich bin nicht der talentierteste Spieler“, gab er einmal zu: „Was mich antreibt, ist, dass ich es liebe, hart zu arbeiten – und ich denke, ich mache meine Sache gar nicht so schlecht.“

Dem wird nach dem WM-Auftakt sicher niemand widersprechen.