Bei der Weltmeisterschaft sollen neue Regeln Anwendung finden. Bereits im Februar tagte das IFAB (International Football Association Board), um die Weichen für die neue Fußballsaison zu stellen. Im Fokus stand dabei mehr Attraktivität durch weniger Zeitspiel und besseren Spielfluss.

Experte und Ex-Schiedsrichter Patrick Ittrich erläuterte die Anpassungen in einer Medienrunde, in der auch SPORT1 vertreten war: Im Sinne des Sports befürworte er die Entscheidungen zwar, er verwies aber auch auf neue Herausforderungen.

Deniz Undav musste nach einer Behandlung den Platz verlassen
Deniz Undav musste nach einer Behandlung den Platz verlassenDeniz Undav musste nach einer Behandlung den Platz verlassen© IMAGO/Jan Huebner

SPORT1 hat die wichtigsten Regeländerungen zusammengefasst.

Weniger Zeitspiel

Schnellere Auswechslungen: Sobald eine Auswechslung vom Schiedsrichter bzw. seinem Assistenten angezeigt wurde, hat der Ausgewechselte zehn Sekunden Zeit, das Spielfeld zu verlassen. Braucht er länger, muss der Eingewechselte eine Minute warten, ehe er bei der nächsten Unterbrechung aufs Feld darf. Bei möglichen Verzögerungen durch Verletzungen oder Ähnlichem bleibt den Schiedsrichtern aber auch Raum für Fingerspitzengefühl.

Behandlungspausen: Benötigt ein Spieler auf dem Feld eine verletzungsbedingte Behandlung, muss er danach eine Minute warten, bis er wieder ins Spiel zurückkehren darf. Das soll zum einen Zeitspiel verhindern und zum anderen dem medizinischen Personal mehr Zeit geben. Bei Behandlungen für den Torwart gilt diese Regel nicht. Man sei sich der daraus womöglich entstehenden Probleme bewusst, so Ittrich, „spruchreife Lösungen“ gebe es dazu jedoch noch nicht.

Acht-Sekunden-Regel: Was seit letztem Jahr schon bei Abschlägen aus dem Spiel heraus gilt, wird jetzt auch bei Abstößen und Einwürfen zum Standard. Acht Sekunden bleiben hierbei für die Ausführung, die letzten fünf Sekunden werden, wie mittlerweile üblich, vom Schiedsrichter per Hand-Countdown angezeigt. Dauert die Ausführung des Einwurfs zu lange, geht der Ball an die andere Mannschaft. Bei Abstößen folgt sogar eine Ecke für den Gegner.

Generell solle bei den Entscheidungen der Ermessensspielraum der Schiedsrichter im Vordergrund stehen. Hat er das Gefühl, eine Mannschaft schindet bewusst Zeit, kündigt er den Countdown mit einem Pfiff an. „Alle denken, sobald der Einwurf ausgeführt werden soll, tritt sofort immer diese Fünf-Sekunden-Zeitregel ein. Das ist natürlich nicht der Fall. Alles, was in den Regeln steht, wird immer nach Sinn und Geist ausgeführt“, führte Ittrich aus.

Mehr Rechte für den VAR

Gelb-Rote Karten: Der Videoassistent darf sich künftig auch bei Gelb-Roten Karten sowie Eckbällen einschalten. Im Falle eines Platzverweises darf die zweite gelbe Karte künftig vom VAR kontrolliert werden. Das gilt allerdings nicht für erste Karten bzw. nicht geahndete Vergehen. In der Vergangenheit hatte auch Bundesliga-Schiedsrichter Sven Jablonski öffentlich für eine Änderung der bestehenden Regel plädiert. Außerdem dürfen in Zukunft auch Karten einkassiert werden, wenn der Schiedsrichter nicht nur den falschen Spieler, sondern sogar einen Spieler des falschen Teams verwarnt hatte.

Eckbälle: Wenn dadurch keine Spielverzögerung entsteht, können zukünftig auch zu Unrecht gegebene Eckbälle korrigiert werden. Wie Ittrich meint, gelte das allerdings wohl nicht, wenn auf Abstoß entschieden wurde: „Ob die Überprüfung auch den umgekehrten Fall – einen irrtümlich gegebenen Abstoß statt Eckstoß – umfasst, lässt sich aus der veröffentlichten Formulierung derzeit nicht eindeutig ableiten, ist aber unwahrscheinlich.“

Patrick Ittrich beendete im Sommer seine Karriere in der Bundesliga
Patrick Ittrich beendete im Sommer seine Karriere in der BundesligaPatrick Ittrich beendete im Sommer seine Karriere in der Bundesliga© IMAGO/Brauer-Fotoagentur

Falsch ausgeführte Standards: Führt ein Spieler eine Standardsituation falsch aus (bspw. falscher Einwurf) und der Ball landet dabei beim Gegner, kann der Schiedsrichter das Spiel weiterlaufen lassen. Vorausgesetzt, es ergibt sich ein klarer Vorteil wie etwa eine Torchance.

Trinkpausen: Keine klassische Regeländerung, aber ein Programmpunkt, auf den sich Fans bei der WM einstellen müssen. Unabhängig vom Wetter sollen bei jedem Spiel etwa in der Mitte einer Halbzeit Trinkpausen stattfinden.

All das führt folglich auch zu mehr Verantwortung für die Schiedsrichter. Darauf sei die FIFA jedoch vorbereitet und stellt den Hauptschiedsrichtern deutlich mehr Unterstützung an die Seite: „Bei großen Turnieren sind immer mehr da. Du hast noch einen Supervisor dahinter, du hast zwei verschiedene Video-Assistenten, einer macht nur Abseits, einer hilft nur dem Schiedsrichter, du hast einen Haupt-VAR. […] Du hast bei großen Turnieren vielmehr Leute dahinter als in der Bundesliga.“

Demnach werde nicht nur für die Spieler, sondern auch für die Schiedsrichter die Belastung immer höher, erklärt Ittrich. Einen Leistungseinbruch fürchtet er dennoch nicht.