Eine Rückkehr auf die Sechserposition dürfte für Joshua Kimmich ein für alle Mal keine Option mehr sein. Und sie muss es auch gar nicht mehr sein.

Denn der 4:0-Sieg der DFB-Elf gegen schwache Finnen machte eines deutlich: Bundestrainer Julian Nagelsmann dürfte zwei Wochen vor dem ersten WM-Spiel der deutschen Nationalmannschaft das Traumduo für die Schlüsselposition auf der Sechs gefunden haben. Auch Kimmich zeigte sich von der Kombination begeistert.

Das neue Traumduo des DFB-Teams: Aleksandar Pavlovic (l.) und Felix Nmecha
Das neue Traumduo des DFB-Teams: Aleksandar Pavlovic (l.) und Felix NmechaDas neue Traumduo des DFB-Teams: Aleksandar Pavlovic (l.) und Felix Nmecha© IMAGO/MIS

Dass Aleksandar Pavlovic auf der Sechs gesetzt ist, war eigentlich schon lange zuvor klar. Der Münchner ist aus der ersten Elf von Julian Nagelsmann nicht mehr wegzudenken. Gegen Finnland nahm BVB-Star Felix Nmecha die Rolle auf der Doppelsechs neben ihm ein und überzeugte auf ganzer Linie. Vor allem seine physische Präsenz und Dynamik, gerade in Umschaltsituationen, sind beeindruckend.

Kimmich adelt BVB-Star: „Der ist schon ein Tier“

„Beide haben ein sehr gutes Spiel gemacht. Felix spielte natürlich ein bisschen höher als Pavlo. Weil ich dann eher in einer Dreierkette spiele und der Felix dann ein bisschen höherschiebt“, erklärte DFB-Kapitän Kimmich auf SPORT1-Nachfrage und ging genauer auf die Rollenverteilung des neuen Traumduos ein: „Pavlo ist generell sehr, sehr ballsicher. Er hat absolut seine Stärken im Verteilen der Bälle, im Verlagern und zwischen die Ketten spielen“, lobte er erst seinen Bayern-Mitspieler.

Auch bei Nmecha geriet der 31-Jährige ins Schwärmen: „Der Felix ist für uns ein sehr dynamischer Spieler, […] der technisch herausragend ist und physisch bisschen was mitbringt, muss man sagen. Der ist schon ein Tier, der Bursche, wenn er mal losläuft mit dem Ball, dann macht er wirklich ein paar Meter.“

Wie wertvoll er für das deutsche Spiel sein kann, zeigte Nmecha auch vor dem 3:0, als er den Ball eroberte, gedankenschnell umschaltete und Lennart Karl bediente. Sekunden später erhöhte Deniz Undav auf 3:0.

Es sind Aktionen wie diese, weshalb Nagelsmann ein so großer Fan des Dortmunders ist. Nmecha sei ein „Weltklasse-Spieler“, der „alles mitbringt“, betonte der Bundestrainer bereits vor einigen Wochen und sprach ihm selbst dann das Vertrauen aus, als es große Zweifel an dem 25-Jährigen gab.

Nmecha? Nagelsmann legt sich noch nicht fest

Denn wer den Platz auf der Sechs neben Pavlovic einnehmen würde, war lange Zeit unklar. Leon Goretzka galt als aussichtsreichster Kandidat, Angelo Stiller und Pascal Groß als Backups.

Festlegen will sich der Bundestrainer aber noch nicht. Er lobte das gerade eingesetzte Duo, verwies aber auch auf die Alternativen.

„Pavlo ist sehr fleißig und viel unterwegs, auch Felix, der bei uns ein bisschen höher steht als in Dortmund. Ich war zufrieden mit den beiden, sie haben es sehr gut zusammen gemacht“, erklärte Nagelsmann auf die Frage, ob das WM-Duo schon gefunden sei: „Aber wir haben auch Ange (Angelo Stiller; Anm. d. Red.), der hat eine sehr gute Saison gespielt. Wir haben Pascal (Groß; Anm.), der ein bisschen offensiver ist und in Brighton im Aufschwung war. Und da ist Leon (Goretzka; Anm. d. Red.), der sehr gut trainiert hat.“

Dass das Rennen um die Plätze im Zentrum bisher so offen war, hing auch mit der Verletzung von Nmecha zusammen.

Nmecha schuftete hart fürs Comeback

Im März riss sich der Mittelfeldmotor das Außenband im Knie und fiel mehrere Wochen aus. Ohne ihn verlor der BVB drei von fünf Spielen. Auch das zeigte seine immense Bedeutung für das Spiel seiner Mannschaft.

Es war nicht gewiss, ob Nmecha rechtzeitig für die WM fit werden würde. Doch er schuftete hart an seinem Comeback und kehrte für die abschließenden beiden Ligaspiele auf den Platz zurück. Gegen Werder Bremen (2:0) stand er sogar wieder von Beginn an auf dem Feld und absolvierte die vollen 90 Minuten.

Und auch nach der Saison gönnte Nmecha sich keine Zeit zum Durchschnaufen. An der Algarve (Portugal) trainierte er weiterhin individuell, um genau jene Rolle in der DFB-Elf einnehmen zu können, die er gegen Finnland eindrucksvoll ausfüllte.

Schon jetzt ist klar: Nagelsmanns Vertrauen und Geduld sowie auch Nmechas Mühen haben sich gelohnt.