ADAM RIESE: Das große Rechnen hat begonnen – Zittern inklusive. Nach dem Abschluss der ersten drei Vorrunden-Gruppen A, B und C stehen Südkorea (3 Punkte/-1 Tor), Bosnien-Herzegowina (4 Punkte/-1) und Schottland (3 Punkte/-3) als Gruppendritte fest – ob sie alle ab Sonntag noch mitspielen dürfen, entscheidet sich endgültig erst am Freitag. Die schottischen Anhänger müssen sich bis dahin überlegen, welche Stadt sie leertrinken.

EDIN DZEKO: Die Bosnier sind sicher noch dabei. Nach dem 3:1 gegen Katar treffen sie in der ersten Runde der K.o.-Phase voraussichtlich auf die USA, die zu ihrem dritten Gruppenspiel gegen die Türkei gar nicht mehr antreten müssten. Edin Dzeko erhält also eine weitere Chance, ein WM-Spiel zu bestreiten. Am Rande bemerkt: Die Amerikaner sind bereits sicher Gruppenerster, ihr Gegner in der deutschen Nacht zum Freitag ist schon raus.

JESSE MARSCH: Kanada muss nicht rechnen, Kanada muss nicht zittern, Kanada schloss trotz des 1:2 im letzten Vorrundenspiel gegen die Schweiz seine Gruppe als Zweiter ab. Das heißt: Von Vancouver, wo die „Roten“ als Gruppensieger ein weiteres Mal gespielt hätten, geht’s Richtung Süden, nach Los Angeles. In das Geburtsland ihres Trainers: Jesse Marsch stammt aus Racine im US-Bundesstaat Wisconsin (der immerhin direkt an Kanada grenzt). Gegner am Sonntag übrigens: Südafrika!

JOHAN MANZAMBI: Die Schweizer dürfen dagegen gleich in Vancouver bleiben, wo sie allerdings erst am Donnerstag der kommenden Woche gegen einen Gruppendritten spielen (2. Juli). Bis dahin könnte auch Johan Manzambi vom SC Freiburg erfasst haben, was er da gerade macht. Bei seinem ersten WM-Einsatz von Beginn erzielte er schon sein drittes Turniertor und wurde erneut zum „Man of the match“ gewählt.

NEYMAR JUNIOR: Endlich, endlich – der Mann, der Brasilien nun über Tage hinweg in Atem gehalten hat, durfte, weil fit, nun auch mitspielen bei dieser WM. Nach den brasilianischen Treffern gegen Schottland (3:0) wurde er lautstark von den Anhängern der Selecao gefordert, Trainer Carlo Ancelotti erhörte die Rufe nach den beiden Toren von Vinícius Júnior sowie Matheus Cunha in der 76. Minute. Als Gerade-so-Gruppenerster vor den punktgleichen Marokkanern (nur drei Treffer Differenz) spielt Brasilien am Montag in Houston gegen eine Mannschaft aus der Gruppe F mit den Niederlanden, Japan und Schweden.

ISMAEL SAIBARI: Was soll man noch sagen, der FC Bayern scheint sich für die kommende Saison einen Spieler unter den Nagel zu reißen, den er vielleicht schon in der vergangenen Saison gut hätte gebrauchen können. Beim 4:2 gegen Haiti, das gleich zweimal in Führung lag, erzielte er jedenfalls schon seinen dritten Turniertreffer. Und mit dem 2:2 nicht mal einen unwichtigen. Die Nordafrikaner, Vierter bei der WM 2022 (was man gar nicht oft genug hervorheben kann), spielen am Dienstag in Monterrey gegen den Ersten der Gruppe F (siehe oben).

THAPELO MASEKO: Der junge Mann von den Mamelodi Sundowns aus der südafrikanischen Hauptstadt Pretoria wird womöglich in den Stand eines Volkshelden erhoben werden. Denn: In der 63. Minute des finalen Vorrundenspiels in der Gruppe A gegen Südkorea erzielte er den einzigen Treffer. Thapelo Maseko schoss „Bafana Bafana“ damit im vierten Anlauf erstmals in die K.o.-Runde, noch dazu direkt als Gruppenzweiter. Südkorea? Könnte Gegner der Deutschen im Sechzehntelfinale sein – falls drei Punkte (-1 Tor) für einem Platz unter den acht besten Dritten reichen.

PATRIK SCHICK: Tschechien brauchte Tore, Tschechien hätte am Ende einen Sieg gegen Mexiko benötigt – doch Patrik Schick konnte nicht helfen. Als er nach 64 Minuten endlich eingewechselt wurde, stand es im Gruppenfinale gegen Mexiko bereits 0:2. Schicks Bilanz bis zum Spielend: vier Pässe, ein Foul, kein Torschuss, Endstand 0:3. In der 78. Minute konnte es sich Mexikos Trainer Miguel Herrera sogar erlauben, den 40 Jahre alten Kult-Torhüter Guillermo Ochoa einzuwechseln. Was die Mexikaner, die mit drei Siegen in die K.o.-Runde einziehen, endgültig in Ekstase versetzte.