Die deutsche Nationalmannschaft hat sich beim überzeugenden Testspiel-Sieg gegen Finnland (4:0) in guter Verfassung gezeigt und steuert mit Rückenwind auf die entscheidenden Tage der WM-Vorbereitung zu.

Torhüter Oliver Baumann, Vertreter des noch angeschlagenen Manuel Neuer, war kaum gefordert. Lennart Karl mischte die finnische Defensive auf. Die Spieler des DFB-Teams in der SPORT1-Einzelkritik.

Lennart Karl überzeugte gegen Finnland
Lennart Karl überzeugte gegen FinnlandLennart Karl überzeugte gegen Finnland© IMAGO/HMB-Media International

Oliver Baumann: An diesem Abend ausnahmsweise wieder die Nummer 1 – mit der Rückennummer 12. War in der ersten Halbzeit Deutschlands berühmtester Arbeitsloser, da Finnland keinen einzigen Schuss aufs DFB-Tor zustande brachte. Nach der Pause ging es in diesem Stil weiter. Eigentlich hätte er sich für seinen Zeitvertreib ein gutes Buch mitnehmen können. SPORT1-Note: 3

Tah präsentiert sich als Anführer

Nathaniel Brown: Bekam auf der linken Abwehrseite den Vorzug vor David Raum. Tat sich dabei allerdings richtig schwer und musste von Pavlovic einige Male zur Ordnung gerufen werden. Die beste Gelegenheit der Finnen im ersten Abschnitt ergab sich aus einem seiner Fehler. Der 22-Jährige blieb aber tapfer und hätte nach 39 Minuten fast das zweite Tor für Deutschland gemacht. Nach der Pause hatte er seine Nerven deutlich besser im Griff. SPORT1-Note: 3

Jonathan Tah: Verlebte im ersten Abschnitt einen ruhigen Abend, weil es in der Defensive eigentlich nur einmal etwas zu tun gab. Trotzdem war zu spüren: In der deutschen Abwehr ist er eindeutig der Anführer. Der 30-Jährige strahlte jederzeit die nötige Ruhe aus und ordnete seine Vorderleute. SPORT1-Note: 2

Nico Schlotterbeck: Sorgte mit einem leichten Ballverlust in der 5. Minute für ein erstes enttäuschtes Raunen auf den Rängen. Hatte ansonsten in der ersten Halbzeit keine großen Probleme mit den wenigen Offensivaktionen der Finnen. Nach dem Seitenwechsel ein ähnliches Bild: Heldentaten musste „Schlotti“ nicht vollbringen, Fehler unterliefen ihm keine. SPORT1-Note: 3

Pavlovic dirigiert Nebenleute

Joshua Kimmich: Spulte sein Programm als rechter Verteidiger ab und war für die weiten Bälle und Eckstöße zuständig – das gelang ihm mal besser, mal schlechter. Seine Flanke auf Undav, der zum 1:0 traf, war dafür aber Extraklasse. Ab und an wirkte er auf seiner Position etwas verloren – all jene, die ihn ohnehin lieber im Zentrum sehen würden, dürften sich hier bestätigt fühlen. SPORT1-Note: 3

Aleksandar Pavlovic: War eindeutig der Chef in der defensiven Zentrale, aber auch ihm gelang es in der ersten Halbzeit nicht, am laufenden Band zündende Ideen zu entwickeln. Dafür hatte er in der Defensivarbeit keine Probleme und war auch mal für das eine oder andere härtere Einsteigen zu haben. Auffällig: Der 22-Jährige war teilweise lautstark unterwegs und dirigierte gern seine Nebenleute. SPORT1-Note: 3

Aleksandar Pavlovic als Dirigent
Aleksandar Pavlovic als DirigentAleksandar Pavlovic als Dirigent© IMAGO/Nordphoto

Felix Nmecha: Übernahm den physischen Teil auf der Doppel-Sechs und verteilte brav seine Bälle. Fehler unterliefen ihm dabei keine, zudem konnte er dank seiner körperlichen Überlegenheit im Zweikampf glänzen. In der 62. Minute fiel er durch eine gute Gelegenheit aus spitzem Winkel auf, Hradecky parierte aber. Wenn Kimmich nach vorne kam, sicherte Nmecha rechts hinten ab. Man darf gespannt sein, wie er gegen deutlich stärkere Teams agieren wird. SPORT1-Note: 3

Lennart Karl: War von Anfang an eine Bereicherung im deutschen Spiel. Der 18-Jährige hatte viele Ballkontakte und bekam nach zehn Minuten für eine sehenswerte Grätsche Szenenapplaus. Zeigte immer wieder seinen ganzen Mut zu netten Tricks – dass hier nicht immer alles klappt, ist klar. Wenn es aber funktioniert, dann sieht es top aus. Bestes Beispiel: sein Assist zum 3:0 durch Undav. In der 73. Minute wurde er ausgewechselt. SPORT1-Note: 2

Wirtz zu kleinteilig

Jamal Musiala: Machte zu Beginn einen guten Eindruck, konnte aber lange nicht wirklich Einfluss auf das Spiel nehmen. Nach 26 Minuten glänzte er aber mit einem tollen Vertikalpass auf Undav, der vergab allerdings. Der Bayern-Star gönnte sich durchaus seine kreativen Minipausen, blieb aber stets ein Faktor im Spiel der DFB-Elf. Höhepunkt: Sein sehenswertes Tor zum 4:0. Ein insgesamt guter Auftritt. SPORT1-Note: 2

Florian Wirtz: Versprühte durchaus Lust am Fußball und versuchte viel. Manchmal verpasste er aber den richtigen Moment fürs Abspiel oder ließ sich allzu leicht vom Ball trennen. Trotzdem wurde es immer gefährlich, wenn er in Ballnähe auftauchte – allerdings wurde es oft arg kleinteilig. Daran änderte auch sein Tor zum 2:0 nichts. Kein perfekter, aber ein verheißungsvoller Auftritt, der nach 72 Minuten beendet war. SPORT1-Note: 2

Deniz Undav: Vergab in der 8. Minute die erste dicke Chance für die DFB-Elf – da war aus kurzer Distanz mehr drin. Tauchte danach für längere Zeit ab, auch weil er kaum richtig bedient wurde. Beim ersten deutschen Treffer schlich er sich clever in die richtige Position und köpfte eiskalt ein. Auch das zweite Tor gehört zu einem Großteil ihm – da wurde er für seinen Fleiß belohnt. Später folgte ein weiterer Treffer. Musste nach einer Stunde angeschlagen ausgewechselt werden. SPORT1-Note: 1

Maximilian Beier: Kam nach einer guten Stunde für Undav in die Partie. Suchte gerne den Weg in die Tiefe und war viel unterwegs. Eine Großchance ergab sich aber nicht. Später rutschte er auf die linke Außenbahn und Woltemade übernahm in der Mitte. SPORT1-Note: 3

Leroy Sané: Kam nach 72 Minuten für Karl ins Spiel. SPORT1-Note: keine Bewertung

Nick Woltemade: Wurde nach 72 Minuten für Wirtz eingewechselt. SPORT1-Note: keine Bewertung

Nadiem Amiri: Wurde in der 83. Minute für Nmecha ins Spiel gebracht und sorgte für Jubel von den Rängen. SPORT1-Note: keine Bewertung