Als Joshua Kimmich am Dienstagmittag in Herzogenaurach auf der Pressekonferenz sprach, wirkte er zeitweise sehr präsidial – fast wie ein erfahrener Bundestrainer in den besten Jahren. Doch noch muss sich der 31-Jährige mit den Problemen eines Spielers auseinandersetzen – schließlich geht es in weniger als 80 Tagen um den WM-Titel.

Kimmich steht dabei symbolisch für eine ganze Generation hochtalentierter Spieler, denen man einen großen Titel eigentlich zutrauen durfte – zu ihr zählen unter anderem auch Serge Gnabry, Leon Goretzka und Leroy Sané. Doch nach großen Titeln mit der Nationalmannschaft sucht man bei ihnen vergebens. Lediglich der Confed-Cup-Gewinn 2017 steht zu Buche – das reicht natürlich nicht als Trostpflaster.

Für DFB-Kapitän Josua Kimmich könnte das anstehende Turnier 2026 die letzte Chance für ein WM-Tite sein
Für DFB-Kapitän Josua Kimmich könnte das anstehende Turnier 2026 die letzte Chance für ein WM-Tite seinFür DFB-Kapitän Josua Kimmich könnte das anstehende Turnier 2026 die letzte Chance für ein WM-Titel sein© IMAGO/MIS

Fakt ist: Die Generation der Jahre 1995 und 1996 ist in der Nationalmannschaft vieles schuldig geblieben – gerade bei Weltmeisterschaften. Die vergangenen beiden Male musste man bereits nach der Vorrunde die Koffer packen. Ein Umstand, der Kimmich durchaus Nerven kostete. Nach der WM in Katar 2022 sagte er: „Ich habe ein bisschen Angst davor, in ein Loch zu fallen. Für mich ist heute der schwierigste Tag meiner Karriere.“

Welches Vermächtnis hat diese Generation?

Heute geht er entspannter damit um, ist reifer geworden. „Natürlich wächst man über die Jahre in eine andere Rolle. Als Kapitän habe ich eine andere Rolle als vor vier oder acht Jahren. Die Bilanz ist nicht gut, aber sie ändert nichts an der Herangehensweise“, erklärte Kimmich jetzt.

Wenn das erste Spiele laufe, interessiere niemanden mehr die Vergangenheit. Das wirkt gelassen, doch Fakt ist natürlich, dass gerade ein ehrgeiziger Typ wie der DFB-Kapitän nicht erneut früh ausscheiden will. Es geht fast schon um das Vermächtnis seiner Generation.

„Ich glaube, den Druck machen sie sich selbst und sie wollen unbedingt selbst etwas holen. Die EM 2024 war alles in allem in Ordnung, aber auch kein Riesenerfolg. Die drei Turniere davor – bei denen ich ja auch zweimal noch dabei war – waren schon Enttäuschungen“, sagte Mats Hummels Anfang der Woche auf Nachfrage von SPORT1.

Der Weltmeister von 2014 wäre ohne den Triumph in Brasilien beinahe selbst Teil einer „verlorenen Generation“ geworden und spricht das Thema daher deutlich an: „Die Qualität haben sie, dass es erfolgreich wird. Und ich drücke ihnen alle Daumen, aber viele Weltmeisterschaften hat diese Generation nicht mehr.“

Die DFB-Auswahl ist bei der WM 2022 bereits nach der Gruppenphase enttäuschend ausgeschieden
Die DFB-Auswahl ist bei der WM 2022 bereits nach der Gruppenphase enttäuschend ausgeschiedenDie DFB-Auswahl ist bei der WM 2022 bereits nach der Gruppenphase enttäuschend ausgeschieden© IMAGO/Matthias Koch

Müller: „Manche lieben den Druck sogar“

In der Tat: Die Zeit wird knapp. Bei der Mega-Weltmeisterschaft im Jahr 2030 wäre Kimmich 35 Jahre alt, ihm ist bis ins hohe Fußballeralter eine Top-Leistung zuzutrauen – aber ist das bei seinen Altersgenossen auch so?

Das anstehende Turnier in den USA, Kanada und Mexiko ist für viele vermutlich die letzte Chance auf den Weltmeistertitel. Immerhin macht sich Thomas Müller keine Sorgen um die DFB-Stars. „Der Druck, Leistung und vor allem Ergebnisse liefern zu müssen, zu wollen, zu können – den sind die Spieler gewöhnt. Den müssen sie aushalten und das tun sie auch. Manche lieben den Druck sogar“, sagte der 36-Jährige auf SPORT1-Frage.

Und weiter: „Es ist manchmal das Schönste, aber manchmal auch das Schwierigste, für Deutschland zu spielen.“ Wie das die aktuellen Spieler sehen, werden sie vermutlich erst im Juli sagen können.