Auch am Samstagabend wurde nicht klar, ob Manuel Neuer in den DFB-Kader für die Weltmeisterschaft berufen wird oder nicht. Spätestens nach der dritten Nicht-Antwort von Julian Nagelsmann dürften sich so einige Sportstudio-Zuschauer Richtung „Eurovision Song Contest“ verabschiedet haben. Allerhöchstens dort ist der Faktor an Drama, Emotionen und übermäßiger Show noch größer als in der aktuellen Diskussion um den Platz zwischen den deutschen Pfosten.
Man muss dem Bundestrainer bei all dem entstandenen Chaos zugutehalten, dass seinem Auftritt zwei Probleme vorangingen: Erstens war ursprünglich geplant, dass zum Zeitpunkt der Sendung der Kader schon verkündet ist. Zweitens kam mit der Blessur, die sich Neuer am Samstagnachmittag gegen Köln zugezogen hatte, ein weiterer Unsicherheitsfaktor hinzu. Nagelsmann konnte also gar nicht so richtig für Klarheit sorgen.
Neuer und Baumann: Nagelsmann waren am Samstag die Hände gebunden
Dass ein Mann seiner Strahlkraft aber ein Fernsehstudio besucht und dann wenig bis gar nichts sagt, ist bemerkenswert. Bislang konnte der Bundestrainer in großen Interviews mit Klartext überzeugen, diesmal waren ihm die Hände gebunden. Und so bleiben einige Fragezeichen. Zu viele Fragezeichen.
Denn das ganze Dilemma um die deutschen Torhüter erreichte nicht nur durch eine entsprechende Medien-Meldung am Samstag die aktuelle Größe, sondern auch durch die Tatsache, dass der Bundestrainer die Diskussion in den vergangenen Monaten nie so richtig und endgültig beendet hat. Er ließ sie einfach laufen. Hinzu kommt, dass sich einige Protagonisten mittlerweile öffentlich widersprechen.
Mittlerweile gibt es Widersprüche
Wenn Nagelsmann im ZDF erklärt, dass „immer zuerst der Spieler kontaktiert“ werde, aber das noch nicht passiert sei, ist durchaus die Frage erlaubt, wie Oliver Baumann dann wenige Stunden zuvor in der Sportschau verkünden kann, dass er der DFB-Stammkeeper sei. „Er hat mir das Vertrauen ausgesprochen. Punkt“, hatte der 35-Jährige gesagt. Sein Stand sei, dass er die Nummer 1 ist.
Bezieht und verlässt sich Baumann hier auf ein Gespräch, das sehr lange zurückliegt und keine Gültigkeit mehr hat? Hat er den Bundestrainer missverstanden? Oder hielt er den Austausch mit Nagelsmann für eine finale Unterredung, während der Coach die erst noch führen will?
Bei Neuer muss Kompany schmunzeln
Vor der WM gibt es Fragen über Fragen, die für Hektik sorgen
Fragen über Fragen, die für Hektik sorgen – und zwar nicht nur bei Fans und Medien, sondern auch in der Branche. Bereits jetzt ist hinter den Kulissen ein Rumoren zu vernehmen, denn von einer ruhigen Vorbereitung auf die WM kann keine Rede mehr sein.
Am Donnerstag wird sich entscheiden, wer nachhaltig beschädigt aus dieser Seifenoper hervorgeht. Nur eines ist klar: Manuel Neuer wird es nicht sein. Er wird entweder als neuer alter Hoffnungsträger gefeiert werden oder kann es sich im Sommer vor dem Fernseher gemütlich machen. Mit dem guten Gefühl, dass ihn die Mehrheit in Fußball-Deutschland noch immer für den Besten hält.