Während alle anderen die Wahrheit nicht aussprechen und lieber Hoffnung verbreiten wollten, hatte Serge Gnabry offenkundig das Bedürfnis, reinen Tisch zu machen: Am Mittwoch verkündete der Bayern-Star via Social Media, dass er nicht an der anstehenden Weltmeisterschaft teilnehmen kann. Der Grund: Ein Adduktorenabriss, den er sich beim Elfmeterschießen im Bayern-Training zugezogen hatte.

„Was den Traum mit dem DFB-Team angeht, das ist leider für mich vorbei. Wie der Rest des Landes werde ich die Jungs von zu Hause aus anfeuern“, schrieb Gnabry auf Instagram und beendete damit sämtliche Spekulationen darüber, er könne in die USA mitreisen und dann eventuell ab dem WM-Achtelfinale mit von der Partie sein. Aus und vorbei.

Serge Gnabry wird die WM 2026 verpassen
Serge Gnabry wird die WM 2026 verpassenSerge Gnabry wird die WM 2026 verpassen© IMAGO/Ardan Fuessmann

Gnabry musste schon bei der WM 2018 passen

Besonders bitter: Für ihn ist es bereits die zweite WM, die er verletzungsbedingt verpasst. Schon 2018 musste er auf die Reise nach Russland verzichten, weil er sich einen Muskelbündelriss zugezogen hatte. So entging der Offensivspieler der dortigen deutschen Schmach.

Doch 2022 in Katar war er Teil jenes Kaders, der ebenfalls bereits in der Gruppenphase ausschied. Eine WM und Gnabry – das scheint einfach nicht zu passen.

Ein Stück weit galt er immer als eine Art Sinnbild für die hochtalentierte und hochambitionierte 1995er-Generation, der man große Titel mit der DFB-Elf zutrauen durfte. Joshua Kimmich, Leon Goretzka, Niklas Süle und eben Gnabry hinkten den Ansprüchen und Zielen bislang aber hinterher – zumindest in Bezug auf die Nationalmannschaft. Viele Beobachter zählen auch den 1996 geborenen Leroy Sané dazu.

Das anstehende Turnier gilt als quasi letzte Möglichkeit für diese Spieler, den WM-Titel zu holen. „Allzu viele Weltmeisterschaften werden sie nicht mehr spielen“, sagte Mats Hummels kürzlich zu SPORT1. Die Botschaft des Weltmeisters von 2014 war klar: Kaum jemand rechnet damit, dass Gnabry & Co. 2030 noch eine große Rolle in der Nationalmannschaft spielen werden.

Fakt ist also: In Sachen Weltmeisterschaften wars das für den Bayern-Star. Es ist die besonders bittere Erkenntnis hinter seiner Verletzung.

Viele Fragezeichen hinter der DFB-Offensive

Doch auch Julian Nagelsmann bekommt Probleme: Angesichts der langen und komplizierten Verletzung von Jamal Musiala vor einem dreiviertel Jahr galt Gnabry als der natürliche Nachfolger. Aufgrund seiner guten Leistungen in der laufenden Saison war die Zehnerposition für ihn reserviert.

Der Bundestrainer wird also aller Voraussicht nach mit zahlreichen Offensivleuten zur WM reisen, die aus verschiedenen Gründen Probleme haben. Kai Havertz, Nick Woltemade und Musiala sind sichtlich noch nicht in WM-Form, allein Florian Wirtz macht den deutschen Fans echte Hoffnung.

Für Gnabry wird sich derweil frühestens zur EM im Jahr 2028 wieder die Chance auf einen Titel mit der Nationalmannschaft ergeben.