Mühevoller, aber verdienter Sieg für Deutschland: Im letzten Testspiel vor der Bekanntgabe des WM-Kaders für das Turnier im Sommer setzte sich die Mannschaft von Bundestrainer Julian Nagelsmann mit 2:1 (1:0) gegen Ghana durch.

Die Zuschauer in Stuttgart sahen einen dominanten Auftritt der Deutschen. Besonders die Defensive zeigte sich nach dem wilden 4:3 gegen die Schweiz leicht verbessert. Und auch wenn bei Weitem noch nicht alles funktionieren wollte, gab es schlussendlich dank Publikumsliebling und Joker Deniz Undav den zweiten Sieg binnen drei Tagen zu bejubeln. Der ebenfalls eingewechselte Leroy Sané glänzt dabei als Vorlagengeber.

Deniz Undav traf spät zum Sieg der DFB-Elf
Deniz Undav traf spät zum Sieg der DFB-ElfDeniz Undav traf spät zum Sieg der DFB-Elf© IMAGO/Kirchner-Media

Kai Havertz brachte Deutschland vom Elfmeterpunkt in Führung (45.+3). Issahaku Fatawu war für die Gäste aus Ghana erfolgreich (70.). Undav sorgte mit seinem späten Siegtreffer für Ekstase (88.).

Treffer von Wirtz zählt nicht

Deutschland startete stark in die Partie und setzte die Abwehr der Ghanaer immer wieder unter Druck. Zählbares kam zunächst nicht dabei heraus. Ein vermeintlicher Treffer von Florian Wirtz wurde wieder zurückgepfiffen, weil im Vorfeld eine Abseitsposition vorlag. Havertz erzielte mit seinem verwandelten Strafstoß schließlich die Führung.

Hinter dem Elfmeterpfiff für das DFB-Team steckte eine gewisse Brisanz. Wolfsburg-Verteidiger Jonas Adjetey hatte den Ball nach einem Torschuss von Angelo Stiller an den rechten Arm bekommen.

Nach VAR-Eingriff und Ansicht der Bilder entschied Schiedsrichter Stuart Attwell auf Handelfmeter.

Die brisante Vorgeschichte zwischen Attwell und dem DFB-Team

Ausgerechnet Attwell war es, der bei der Heim-EM 2024 im Viertelfinale gegen den späteren Europameister Spanien (1:2 n.V.) eine fragwürdige Entscheidung gegen Deutschland getroffen hatte. Damals hatte ein Handspiel des Spaniers Marc Cucurella im eigenen Strafraum nach einem Torschuss von Jamal Musiala für großen Ärger gesorgt.

Dass Attwell (damals als VAR im Einsatz) bei der Szene nicht eingriff, bezeichnete Nagelsmann als „Wahnsinn“ und polterte: „Dass es dann keinen Elfmeter gibt – das kann ich nicht akzeptieren.“ Der frühere DFB-Kapitän Michael Ballack schimpfte: „Ein klareres Handspiel gibt es nicht mehr im Fußball.“

Am Montagabend entschied Attwell dann zugunsten der Deutschen – die Proteste von Ghanas Adjetey liefen ins Leere. Havertz verwandelte den Strafstoß eiskalt ins rechte untere Eck. Adjetey konnte zudem von Glück sprechen, dass er nach einem Foul als letzter Mann (5.) nur die Gelbe Karte sah und zu diesem Zeitpunkt überhaupt noch auf dem Platz stand.

Tosender Applaus für Undav

Deniz Undav, der zunächst zum Zuschauen verdammt war, wurde mit Wiederanpfiff eingewechselt. Er kam im Rahmen eines Dreifachwechsels für Serge Gnabry in die Partie und wurde unter tosendem Applaus von den Fans in Stuttgart begrüßt. Diese hatten bereits zuvor mit „Undav“-Sprechchören auf sich aufmerksam gemacht.

Außerdem kamen Lennart Karl und Antonio Rüdiger für Jonathan Tah und Torschütze Havertz ins Spiel.

Nach einer guten Stunde brachte Nagelsmann nochmal frisches Personal. David Raum, Chris Führich, Leon Goretzka und Josha Vagnoman kamen aufs Feld. Startelfdebütant Nathaniel Brown, Pascal Groß, Stiller und Wirtz hatten vorzeitig Feierabend.

Trotz drückender Überlegenheit der Deutschen glich der eingewechselte Fatawu für Ghana aus. Der Unioner Derrick Köhn gab die Torvorlage.

Undav sticht als Joker – Sané bereitet vor

Der ehemalige VfB-Profi Woltemade wurde in der Schlussphase ausgewechselt. Für ihn kam Sané in die Partie. Der Wechsel wurde von vereinzelten Pfiffen begleitet.

„Es bringt der deutschen Nationalmannschaft ja überhaupt nichts, wenn gebuht wird. Es macht keinen Sinn, wenn die eigenen Spieler ausgebuht werden“, wurde Experte Bastian Schweinsteiger in der ARD deutlich.

Und es kam, wie es kommen musste: Kurz vor Schluss legte Sané per Kopf für Undav auf, der geschickt einnetzte und damit die Fans in Stuttgart in Ekstase versetzte.

„Ich kenn meine Rolle, aber durch solche Tore kann sich meine Rolle vielleicht verändern. Ich versuche einfach meine Rolle zu akzeptieren, weiterzumachen, Gas zu geben und Tore zu machen für die Mannschaft. Das ist das Wichtigste“, sagte der erleichterte Undav nach Abpfiff.

Am 12. Mai wird Nagelsmann dann den WM-Kader bekanntgeben. Vor dem Turnier testet die DFB-Auswahl noch gegen Finnland (31. Mai) und Gastgeber USA (6. Juni).