Als Leon Goretzka 2018 vom FC Schalke 04 zum FC Bayern gewechselt ist, trauten dem Mittelfeldspieler einige Experten den Durchbruch nicht zu. Zu den Zweiflern zählte auch Mario Basler, der Goretzka im SPORT1 Doppelpass das Potenzial zum Bayern-Stammspieler absprach. Peter Neururer, Förderer und ehemaliger Trainer von Goretzka, hielt dagegen und wettete mit Basler, dass er eben kein Transferflop wird.
Im Interview mit der AZ machte der Kulttrainer aber klar, dass er den Wetteinsatz von Basler gar nicht einstreichen wollte: „Die Wette ist richtig, aber wir müssen hier mal klarstellen: Ein Peter Neururer, der für alle Dinge gut ist, wird niemals als Einsatz zehn Kästen Bier setzen. Ich trinke überhaupt kein Bier.“
So ganz war ohnehin nie klar, worum gewettet wurde. Neururer habe „alles dagegengesetzt, was ich hatte. Und zu der Zeit hatte ich noch relativ viel. Ich war mir einfach sicher, dass Goretzka beim FC Bayern ein Leistungsträger wird.“
Goretzka-Wette: Neururer hat Bier nie bekommen
Auch wenn angesprochene Bayern-Star in den vergangenen Saisons häufiger als Rotationsspieler herhalten musste und in den entscheidenden Spielen meist hinter Pavlovic die zweite Wahl war, behielt der 71-Jährige mit seiner Wett-Ansage recht.
Die Zahlen sprechen da eine eindeutige Sprache. Sechs Jahre war der Box-to-Box-Spieler beim FC Bayern und wurde in der Zeit ganze 310-mal eingesetzt. Nur in einer Saison absolvierte er weniger als 20 Einsätze (19, 2020/21).
Die Wette hat Neururer gegen Basler – der sich jüngst im Dopa übrigens bei Goretzka entschuldigte – somit gewonnen: „Aber das Bier habe ich trotzdem nie bekommen.“
Die Gründe dafür liegen für Neururer, der Goretzka 2012/13 beim VfL Bochum trainierte, auf der Hand. „Er ist ein talentierter, intelligenter, aber auch sensibler Junge. Leon war mit seinen 18 Jahren Leistungsträger im Abstiegskampf beim VfL Bochum und hat nebenbei sein Abitur gemacht. Er ist ein kreativer und torgefährlicher Spieler.“
Neururer beeindruckt von Goretzkas Charakter
Nicht nur die sportlichen Qualitäten seien laut Neururer ausschlaggebend für Goretzkas Erfolg beim FC Bayern gewesen. In schwierigen Phasen kam es auf andere Dinge an: „Er hat nie lamentiert, wenn es nicht lief, obwohl er ein Geradeaus-Typ ist. Das macht ihn besonders. Er wusste, dass ihn Bayern gleich mehrfach loswerden wollte, aber er hat sein Ding durchgezogen.“
So kam der Mittelfeldmann immer auf seine Einsätze beim deutschen Rekordmeister. Für seine vorbildliche Einstellung adelte ihn Neururer und meinte, er „kenne keine fünf Spieler auf dieser Welt mit dieser Qualität“.
Karriereende beim VfL Bochum? „Der Traum“
Bei den zahlreichen warmen Worten, die Neururer für den Nationalspieler übrig hatte, ist es nicht verwunderlich, dass der Ex-Bochum- und Schalke-Trainer Goretzka den Sprung ins Ausland zutraut: „Er wird sich in jedem Verein auf dieser Welt zurechtfinden.“
Geht es nach Neururer, darf Goretzka aber gerne dort seine Karriere beenden, wo alles angefangen hat. „Das wäre natürlich der Traum eines jeden VfL-Fans. Das würde ich auch sehr, sehr gerne sehen. Leon muss irgendwann ins Ruhrgebiet. Dort kann er helfen.“