Auch der „Lange“ geht von Bord:

Per Mertesacker ist aus der Nationalmannschaft zurückgetreten und damit nach Kapitän Philipp Lahm und Rekord-Torjäger Miroslav Klose der dritte WM-Held, der nach dem größten Triumph seiner Karriere einen Schlussstrich zieht.

„Ich bin stolz auf zehn Jahre DFB, fünf große Turniere, 104 Länderspiele und den Gewinn des Weltmeister-Titels in Brasilien. Das ist ein wunderbarer Abschluss, für mich ist jetzt der richtige Zeitpunkt gekommen, aus der Nationalmannschaft zurückzutreten und Platz zu machen für die nächste Generation“, sagte Mertesacker.

Wie Lahm und Klose wird er im Rahmen des Länderspiels am 3. September in Düsseldorf gegen Argentinien vom DFB offiziell verabschiedet.

„Per Mertesacker ist der Prototyp des Mannschaftsspielers und ein Vorbild auf und neben dem Platz. Er hat sich immer in den Dienst der Mannschaft gestellt, seine persönlichen Ambitionen waren für ihn zweitrangig“, sagte DFB-Präsident Wolfgang Niersbach, während Bundestrainer Joachim Löw erklärte: „Per ist die Zuverlässigkeit in Person, auf ihn konnte ich mich in den zehn Jahren, in denen er für die Nationalmannschaft spielte, immer verlassen.“

Im WM-Finale gegen Argentinien, seinem 104. Länderspiel, bestritt der 29-Jährige in der Nachspielzeit der Verlängerung die letzten Minuten seiner Karriere in der DFB-Elf.

„In erster Linie ging es für mich darum, nach zehn Jahren in der Nationalmannschaft das Ende dieses Kapitels selbst zu bestimmen“, sagte der Abwehrspieler des FC Arsenal im Interview mit der „Süddeutschen Zeitung“.

Nun will er sich ganz auf die Gunners konzentrieren, mit denen er vor der WM den Pokalsieg geholt hatte: „Ich will mit dem FC Arsenal Meister werden, eventuell auch in der Champions League angreifen.“

Auch für Mertesacker war der Titel in Rio de Janeiro nach dem 1:0-Sieg nach Verlängerung gegen Argentinien die Krönung seiner Laufbahn.

Dem „ZDF“ sagte er nun: „Die Nationalelf ist so gut aufgestellt, mir ist überhaupt nicht bange, wenn jetzt drei Nationalspieler zurücktreten.“

Die Endrunde in Brasilien war für den 1,98 m großen Innenverteidiger aber auch eine emotionale Achterbahnfahrt. In der Vorrunde gegen Ghana (2:2) bestritt er sein 100. Länderspiel, nach dem Achtelfinale gegen Algerien (2:1 n.V.) verlor er seinen Stammplatz.

Mit seinem Interview mit ZDF-Reporter Boris Büchler kurz nach Spielschluss hatte Mertesacker („Was wollen Sie? Wollen Sie eine erfolgreiche WM oder wollen Sie ausscheiden?“) für mächtig Wirbel gesorgt.

Ab dem Viertelfinale stellte Löw um, zog Lahm in die Viererkette zurück und beorderte Jerome Boateng in die Mitte – Mertesacker musste auf die Bank.

Aber auch dort zeigte er die Tugenden, die ihn seit seinem Debüt im Nationaltrikot am 9. Oktober 2004 in Teheran gegen Iran (2:0) stets auszeichneten: Verlässlichkeit, Loyalität und Professionalität.

Der frühere Bremer war für die Bundestrainer Jürgen Klinsmann und Löw eine feste Größe, auch wenn er schon vor der WM nicht immer erste Wahl gewesen war.

 

Als Mertesacker 2004 in den DFB-Flieger nach Teheran gestiegen war, habe er „wirklich nicht damit gerechnet. Ich konnte gar nicht richtig einschätzen, was da passiert. Es war eine Reise ins Unbekannte“.

Im vorletzten Gruppenspiel gegen Ghana stieg er als erst 13. Spieler der DFB-Historie in den elitären „Klub der Hunderter“ auf.

„Darauf bin ich einfach stolz. Das fühlt sich gut an“, sagte Mertesacker.

Nach dem Finale muss bei Mertesacker aber ein Umdenken eingesetzt haben, das auch mit dem Verlust seines Stammplatzes zu tun haben dürfte.

Denn nach seinem 100. Länderspiel hatte er keinen Gedanken an Rücktritt verschwendet – im Gegenteil: „Es macht einfach riesigen Spaß. Ich möchte mich weiter voll einbringen und noch ein paar Highlights genießen.“

Kaum einen Monat später klingt Mertesacker, der vier Tore für den DFB erzielte, anders.

Dem „ZDF“ sagte er: „Es kommen viele junge, frische Spieler nach, und es ist jetzt einfach der Zeitpunkt gekommen, diesen Jungen den nächsten Schritt zu ermöglichen.“