Der Prinzenpark ist vorbereitet, Dayot Upamecano ebenso. „Wir sind total fokussiert“, sagte der Innenverteidiger am Montag auf der Pressekonferenz und stellte die Marschroute klar: „Wir wollen gewinnen.“ Viel mehr bleibt vor einem Halbfinale in der Champions League auch kaum zu sagen. Doch für Upamecano besitzt das Duell zwischen dem FC Bayern und Paris Saint-Germain (heute ab 21 Uhr im LIVETICKER) in mehrfacher Hinsicht eine ganz besondere Bedeutung. 

Zum einen soll die Basis für den Finaleinzug in der Königsklasse gelegt werden. Zum anderen führt ihn die große Aufgabe zurück in seine französische Heimat. Und dann ist da aufseiten der Pariser noch Ousmane Dembélé, ein Weggefährte aus frühen Jugendtagen. Beide stammen aus der rund 50.000 Einwohner zählenden Stadt Évreux in der Normandie, wo sie einst ihre ersten Schritte im Fußball machten. 

Sowohl Dayot Upamecano als auch Ousmane Dembélé stammen aus derselben Stadt
Sowohl Dayot Upamecano als auch Ousmane Dembélé stammen aus derselben StadtSowohl Dayot Upamecano als auch Ousmane Dembélé stammen aus derselben Stadt© IMAGO/Crystal Pix

Upamecano: „Sind bereit, für unser Team zu kämpfen“

Schon im Vorfeld des so wichtigen Hinspiels hatte Upamecano die Konstellation mit seinem Landsmann Dembélé hervorgehoben. „Wir kommen aus der gleichen Stadt. Es ist unglaublich, dass wir uns morgen im Halbfinale wieder treffen“, sagte der 27-Jährige voller Vorfreude auf das Wiedersehen: „Wir haben natürlich schon einmal gegeneinander gespielt, aber morgen ist ein anderes Spiel. Wir sind beide bereit, für unser Team zu kämpfen.“ Und der gemeinsame Heimatort soll dabei sein.

Denn Upamecano und Dembélé ließen sich etwas einfallen: Zusammen organisierten sie zwei Busse, die am Spieltag aus Évreux in die rund zwei Stunden entfernte Hauptstadt des Landes fahren. Anreise und Eintrittskarten übernehmen die beiden Stars selbst, sogar Trikots für die Gäste sind eingeplant, wie Vertraute inzwischen gegenüber Canal+ bestätigten. 

Zahlreiche Menschen aus ihrer Stadt werden das Duell also im Stadion verfolgen können, bei dem zwei ihrer bekanntesten Söhne um den Einzug ins Finale spielen. Dabei werden sie sich wohl auch immer wieder daran erinnern, wie die Karrieren ihrer Helden in Évreux ihren Anfang nahmen.

Duelle auf den Betonplätzen der Grundschule

Sie gingen gemeinsam zur Grundschule – und standen sich damals schon gegenüber. Upamecano war Kapitän seiner Klasse, Dembélé führte den Jahrgang darüber an. Neun bis zehn Jahre waren sie damals alt, gespielt wurde auf Beton-Plätzen. Dembélé behauptete vor einigen Jahren: „Ich habe ihn immer geschlagen.“

Ein einstiger Jugendtrainer erinnerte sich derweil vor allem an die Unterschiede zwischen dem ungleichen Duo: „Ousmane war der Talentierte, derjenige, der irgendwo eine Begabung hatte, alles war ihm angeboren – während Dayot sich alles durch harte Arbeit erarbeitet hatte“, sagte Vincent Mendy mal. Dembélé habe die Truppe zum Lachen gebracht, Upamecano sei sehr zurückhaltend gewesen.

Aufs höchste Niveau schafften es letztlich beide, auch wenn sich die Wege nach der gemeinsamen Jugend trennten. Dembélé ging über Stade Rennes nach Deutschland, zu Borussia Dortmund, später zum FC Barcelona und schließlich nach Paris.

Upamecano durchlief die Stationen Salzburg und Leipzig, bevor er im Sommer 2021 zum FC Bayern wechselte. Aus einstigen Schulfreunden wurden Mitspieler in der französischen Nationalmannschaft – nun stehen sie sich auf der größten Bühne des Klubfußballs gegenüber. Dass die persönliche Verbindung über den Sport hinausgeht, zeigte sich allerdings schon Jahre zuvor. 

Dembélés Hochzeit zeigte Verbindung zu Upamecano

Als Dembélé im Dezember 2021 überraschend heiratete – selbst viele Mitspieler beim FC Barcelona wussten damals nichts von seinem Privatleben – war ein Profi aus dem Kreis der geladenen Gäste dabei: Upamecano. Allein für die Dauer des Spiels rückt die gemeinsame Vergangenheit in den Hintergrund. Upamecano wird alles daransetzen, Dembélé auf dem Platz für 90 Minuten zu kontrollieren.

Zumal Upamecano großen Respekt vor der Qualität des Gegners äußerte, ohne dabei Zurückhaltung erkennen zu lassen. „Bei ihnen kann jeder Spieler gefährlich werden. Gleichzeitig verfügen wir selbst über enorme Offensivqualität“, bekräftigte der Franzose. Und dass die Münchner selbstbewusst nach Paris reisen, liegt auf der Hand.

Schließlich hat die Mannschaft in dieser Saison bereits im Bernabéu und während der Ligaphase in Paris gewonnen. Gegen einen dritten großen Auswärtssieg in der Königsklasse hätte Upamecano sicherlich nichts einzuwenden. Auch wenn sein Weggefährte Dembélé das anders sehen dürfte.