Als Antonio Rüdiger beim Halbfinal-Rückspiel von Real Madrid gegen Manchester City in der Champions League den Platz betreten hat, war die Partie schon gelaufen.

Die Königlichen lagen mit 0:2 hinten und zeigten sich in allen Belangen unterlegen. Die Einseitigkeit der Partie war dabei fast genauso überraschend, wie die Tatsache, dass Rüdiger nicht von Beginn an spielen durfte.

Denn im Hinspiel hatten sich die beiden Kontrahenten noch auf Augenhöhe bewegt, was auch an Rüdiger gelegen hatte. Der deutsche Innenverteidiger stellte Erling Haaland beim 1:1 in Madrid über 90 Minuten lang kalt. Beim 0:4 im Rückspiel durfte aber wieder Eder Militao ran.

Das verwunderte vor Spielbeginn unter anderem den ehemaligen Weltklasse-Verteidiger Rio Ferdinand. Der heute TV-Experte sagte beim Blick auf die Aufstellung von Real-Trainer Carlo Ancelotti bei BT Sports: „Ich weiß nicht. Ich habe mir das erste Spiel angeschaut und gedacht: Haben wir endlich einen Verteidiger gesehen, der es mit Haaland aufnehmen kann?“

„Wie kannst du jemanden rausnehmen …?“

Ferdinand, einer der besten Abwehrspieler seiner Zeit, fragte kritisch: „Wie kannst du jemanden rausnehmen, der so gut gegen ihren Glücksbringer gespielt hat?“ Manchmal müsse man als Trainer seinen Instinkten vertrauen, wenn ein Verteidiger einen Stürmer gut im Griff habe.

Der ehemalige englische Nationalspieler zeigte aber auch Verständnis für die Entscheidung pro Militao. Schließlich sei der Brasilianer „entscheidend“ im bisherigen Saisonverlauf gewesen. Ancelotti habe auf das zurückgegriffen, „was er kennt.“

Ähnlich sah es auch der Ex-Profi Michael Owen: „Man kann argumentieren, dass Militao Ancelottis Mann war, der auf den er schon die ganze Saison über setzt. Plötzlich lässt du ihn wegen einer guten Performance (von Rüdiger, Anm.) draußen?“

Der ehemalige Bundesliga-Spieler Sandro Wagner erklärte derweil bei DAZN: „Ich glaube, Haaland ist froh, dass Rüdiger nicht spielt. Er hat ihn ja auch auf eine gewisse Weise mental fertig gemacht.“

Hätte Rüdiger die Niederlage abwenden können?

Tatsächlich ist Rüdiger hinter David Alaba und Militao in der laufenden Saison häufig nur Innenverteidiger Nummer drei gewesen. Ob seine Nominierung für die Startelf etwas am Spielverlauf geändert hätte, lässt sich nicht beantworten. City – und damit auch Haaland, der letztlich torlos blieb – hatten gerade in der Anfangsphase einige Chancen und traten extrem dominant auf.

Die gesamte Real-Verteidigung tat sich entsprechend schwer.

Erst zu Beginn der zweiten Halbzeit schwammen sich die Königlichen etwas frei. Als Rüdiger den Platz betrat, übernahm City aber bereits wieder die Kontrolle – und die Partie war gelaufen.