Das Testspiel zwischen dem FC Schalke 04 und Real Madrid in der Veltins Arena sorgt in Spanien dafür, dass ein Bundesliga-Skandal wieder auferlebt. Denn die Marca erinnerte kurz vor der Partie an einen der größten Skandale der deutschen Fußball-Geschichte, in den auch die Königsblauen involviert waren. Kurzum geht es um den 6. Juni 1971, als Horst-Gregorio Canellas eine Bombe platzen ließ.
Der damalige Präsident der Kickers Offenbach hatte zur großen Feier seines 50. Geburtstags eingeladen, stoppte dann die Party und ließ Tonbänder laufen – keine Musik, sondern Mitschnitte, in denen Bundesligaspieler Canellas eindeutige Bestechungsangebote machten. Kurzfassung: Gegen entsprechende Beträge würden sie mit Absicht schlecht spielen. Plötzlich stand die noch junge Liga vor dem bis dahin größten Skandal ihrer Geschichte.
Canellas enthüllt Skandal auf Geburtstagsparty
Zahlreiche hochrangige Funktionäre sowie Medienvertreter wurden zu Augenzeugen und Mithörern. Sogar Bundestrainer Helmut Schön war zu Gast auf dem Anwesen des Präsidenten. Lange Aufklärungsversuche brachten schockierende Ergebnisse zutage: Acht Vereine waren involviert. 52 Spieler und sechs Funktionäre wurden gesperrt. Zwei Vereinen wurde sogar die Lizenz entzogen: Arminia Bielefeld und ausgerechnet dem Canellas-Klub Offenbach.
Doch damit nicht genug. Die Fans wendeten sich ab und kamen nicht mehr zu den Spielen. Der Zuschauerschnitt sank drastisch und war zwei Jahre lang auf tiefstem Niveau der Bundesliga-Geschichte.
Und wie hing Schalke in diesem großen Konstrukt aus Betrug mit drin? Am 17. April 1971, am 28. Bundesliga-Spieltag, verlor Schalke in der alten Glückauf-Kampfbahn überraschend gegen Arminia Bielefeld. Acht Minuten vor Schluss traf Gerd Roggensack zum 1:0 für die abstiegsbedrohten Gäste. Arminia Bielefeld räumte danach ein, 40.000 D-Mark an Schalker Spieler für die Pleite gezahlt zu haben.
Bielefeld hielt wenige Wochen später die Klasse mit einem Vorsprung von zwei Zählern auf Absteiger Offenbach. Schalkes überraschende Pleite war also das Zünglein an der Waage.
Canellas wird vom DFB gesperrt
DFB und Justiz reagierten, die Ermittlungen zogen sich über Jahre. Unter anderem wurde ab 1971 auch Schalke-Legende Klaus Fischer gesperrt. Er kehrte erst ab Oktober 1973 zurück. Weitere Sperren wurden danach aufgehoben. Am 22. Dezember 1975 endeten die Prozesse wegen Meineids vor dem Landgericht Essen: Geldstrafen, dazu neue DFB-Sperren, die überwiegend in der Winterpause 1976/77 verbüßt wurden. Klaus Fichtel traf es als Letzten – vom 4. bis 22. Januar 1978.
Und Canellas? Dem wurde die Lizenz entzogen, um ein Amt, im Verband, im Verein oder im DFB zu bekleiden. Der Grund: Er war zu Aufklärungszwecken auch in Spielmanipulation verwickelt. Er trat als Präsident der Kickers zurück und kehrt nie wieder zum Fußball zurück, obwohl der DFB die Sperre gegen ihn 1976 aufheben sollte.
Canellas’ Biografie blieb außergewöhnlich: Er überlebte die Entführung des Lufthansa-Flugs 181 am 13. Oktober 1977, bei der der Kapitän erschossen wurde, die Passagiere aber befreit wurden. Canellas starb am 23. Juli 1999.
Dieser Text wurde mit KI-Unterstützung erstellt.