Zahlreiche kleinere und größere Regelanpassungen prägen das Bild der Weltmeisterschaft 2026. Die FIFA verfolgt das Ziel, weniger Zeitspiel und Schauspielerei zuzulassen, gleichwohl durch eine größere Macht des Video-Schiedsrichters mehr Fehlentscheidungen zu revidieren.

Doch sehen wir Countdowns, Minuten-Sperren, Überprüfungen bei Gelb-Roten Karten und Trinkpausen künftig auch in der Bundesliga?

Countdowns wird es auch in der Bundesliga geben
Countdowns wird es auch in der Bundesliga gebenCountdowns wird es auch in der Bundesliga geben© IMAGO/Justus Stegemann

Die DFL und die Schiedsrichter-Experten des DFB möchten sich laut dpa-Bericht ausführlich mit den Daten auseinandersetzen, die die Endrunde in der USA, Kanada und Mexiko liefert. Im Anschluss sollen die Klubs und die Kommission Fußball der DFL entscheiden, welche Regelanpassungen übernommen werden.

Dabei fließen auch die Erkenntnisse der UEFA mit ein. Bereits jetzt stehen jedoch Änderungen fest, die ab der kommenden Spielzeit auch in der Bundesliga umgesetzt werden. SPORT1 gibt einen Überblick.

Verpflichtende Regeländerungen

Die verpflichtenden Regeländerungen müssen vom DFB und der DFL umgesetzt werden, treten bereits zum 1. Juli in Kraft und betreffen den gesamten deutschen Profifußball.

  • Countdown-Regelung wird ausgeweitet:
    Bereits zuvor gab es in der Bundesliga die Regelung, dass ein Torhüter, der den Ball zu lange in der Hand hält, per Countdown dazu gezwungen wird, diesen ins Spiel zu bringen. Der Schiedsrichter zählt hierbei fünf Sekunden per Hand herunter. Sollte der Keeper den Ball noch immer halten, wechselt der Ballbesitz. Selbiges Prozedere wird künftig auch bei Einwürfen, Auswechslungen und Abstößen angewandt, um Zeitspiel zu vermindern. Im Falle von Wechselspielern, die sich zu lange Zeit lassen, droht eine einminütige Unterzahl.
  • Eine Minute Pause nach Behandlung auf dem Feld:
    Wird ein Spieler auf dem Platz behandelt und das Match deshalb unterbrochen, muss er eine Minute warten, um auf das Feld zurückkehren zu dürfen. Auf diese Weise möchte man dem Vortäuschen von Verletzungen vorbeugen. Ausgeschlossen von der Regelung sind Behandlungen nach einem Zusammenprall, nach Kopfverletzungen oder mit einer Karte geahndeten Fouls.
  • Überprüfung von Gelb-Roten-Karten:
    Bislang durfte das Foul respektive Handspiel, das die zweite Gelbe Karte und den gleichbedeutenden Platzverweis nach sich zog, nicht vom Videoassistenten korrigiert werden. Genau das ändert sich jetzt: Fortan kann bei der zweiten Verwarnung gecheckt werden, ob der Platzverweis tatsächlich angemessen ist.

Optionale Regeländerungen

Einige Regeln sind nicht fest für den 1. Juli als verpflichtende Änderung vorgesehen, können jedoch im Nachgang der Weltmeisterschaft übernommen werden. Hier müssen die Verbände und Ligen im Anschluss an das Turnier evaluieren, ob eine jeweilige Regelanpassung sinnvoll ist.

  • Platzverweis für das Sprechen mit Hand vor dem Mund:
    Im Rahmen der WM ist eine Rote Karte eine mögliche Konsequenz, wenn Spieler bei einer Konfrontation mit dem Gegner beim Sprechen ihre Hand vor den Mund halten. Auf diese Weise soll diskriminierendes Verhalten verhindert werden. Im Rahmen des Champions-League-Spiels zwischen Benfica Lissabon und Real Madrid soll Gianluca Prestianni Real-Star Vinícius Júnior rassistisch beleidigt haben, während er sich das Trikot vor dem Mund hielt. Derartigen Situationen möchte man vorbeugen.
  • Überprüfung von Eckstößen:
    Der Video-Assistent darf bei der WM erstmals auch Eckstöße überprüfen. Zuvor waren derartige Checks nur bei entscheidenden Szenen wie Toren oder Platzverweisen vorgesehen.
  • Platzverweise bei Protest gegen Schiedsrichter möglich:
    Sollten Spieler aus Protest gegen Schiedsrichter-Entscheidungen das Spielfeld verlassen, können sie ab jetzt mit einer Roten Karte bestraft werden. Damit möchte man umgehen, dass sich Szenen wie im Finale des Afrika-Cups wiederholen. Das Team aus dem Senegal hatte nach einem umstrittenen Elfmeterpfiff in der Nachspielzeit das Feld verlassen, ehe Sadio Mané seine Kollegen einige Zeit später auf das Feld zurückholte. Senegal gewann zunächst das Spiel, jedoch wurde der Titel am Grünen Tisch aberkannt und an Marokko vergeben.

DFL und UEFA sprechen sich gegen Trinkpausen aus

Für besonders viel Aufruhr sorgen bei der WM 2026 die Trinkpausen, die jeweils in der Mitte der beiden Halbzeiten für eine rund dreiminütige Unterbrechung sorgen.

Hier ist jedoch bereits klar: Die DFL und die UEFA lehnen ein derartiges Konzept ab. Je nach Wetterlage soll situativ entschieden werden, ob eine Trinkpause angebracht ist oder nicht.