Beim wilden 3:3 gegen den FC Bayern München hat der abstiegsbedrohte FC Heidenheim einen Nachmittag erlebt, der an Tragik kaum zu überbieten sein dürfte: Über weite Strecken lieferte das Team von Frank Schmidt in der Allianz Arena schließlich ein perfektes Auswärtsspiel ab, führte bis kurz vor Schluss – und dürfte dennoch niedergeschlagen die Rückreise antreten.

Vor allem die Schlussphase verlief für den Tabellenletzten der Bundesliga in doppelter Hinsicht schmerzhaft: Zunächst erlitt Verteidiger Jonas Föhrenbach bei einem heftigen Zusammenprall mit seinem eigenen Torhüter Diant Ramaj einen blutigen Nasenbeinbruch, dann glich der Rekordmeister Sekunden vor Schluss aus.

In letzter Sekunde verspielte Heidenheim den Sieg in München
In letzter Sekunde verspielte Heidenheim den Sieg in MünchenIn letzter Sekunde verspielte Heidenheim den Sieg in München© IMAGO/Jan Huebner

Nach Slap-Stick-Treffer: Heidenheim kurz vor Abstieg

Den Sensationssieg verspielte Heidenheim dabei auf unglücklichste Art und Weise: Mit dem Mute der Verzweiflung feuerte Bayerns Michael Olise in der zehnten Minute der Nachspielzeit einen letzten Ball aufs Tor: Vom Pfosten prallte dieser dann an den Rücken von Keeper Ramaj und trudelte über die Linie. Der Treffer stand beinahe symbolisch für die bisherige Bundesliga-Saison des FCH, die trotz guter Form in den letzten Wochen bald im Abstieg zu münden droht.

„Wir haben vor dem Spiel gesagt, dass es dieses Quäntchen Glück braucht. Dass es dann am Ende wieder der Innenpfosten ist und er ihm da reinkullert, ist Wahnsinn und tut unfassbar weh“, betonte Abwehrspieler Patrick Mainka nach Abpfiff bei Sky. Und auch Schmidt sprach von „Pech“ – „Pfosten, Rücken rein. Der Ball wäre ja nicht mal rein, das kommt ja noch dazu.“

Hamann leidet mit Heidenheim

Um noch eine realistische Chance auf den Klassenerhalt zu haben, hätten die Heidenheimer in München wohl die Sensation schaffen müssen, der Punkt ist zu wenig – sollte St. Pauli am Sonntag gegen Mainz gewinnen, wäre der FCH zurück in Liga zwei. „Das tut mir nicht nur für den Schmidt und für den Sanwald, auch für die Fans, für die ganze Region wirklich leid, weil sie so gut wie abgestiegen sind mit dem heutigen Tag“, litt TV-Experte Dietmar Hamann bei Sky mit den Heidenheimern: „Das war wirklich tragisch. Das war wahnsinnig bitter.“

Man könne es schwer in Worte fassen, „wie die sich heute reingehauen haben. Wir haben den Föhrenbach gesehen, der sich die Nase bricht. Der dann für die letzte Standardsituation noch mal reingeht. Die haben wirklich gekämpft, alles auf dem Platz gelassen. Und dann kommt der Ball vom Pfosten zurück, trifft den Torhüter und geht ins Tor“, erklärte der Sky-Experte.

„Er hat seine komplette Nase verloren“

Spät im Spiel war Föhrenbach mit dem eigenen Keeper zusammengerauscht und musste lange behandelt werden: Der 30-Jährige hatte sich bei der Aktion die Nase gebrochen und blutete stark: „Der Föhre hat seine komplette Nase verloren“, meinte Mainka. Dass Föhrenbach trotz der Verletzung nochmal aufs Feld kam und versuchte, das 3:2 über die Zeit zu bringen, „war Wille pur, ich weiß nicht, wieso wir dieses Spiel am Ende nicht gewinnen können. Das ist Wahnsinn“, sagte Schmidt.

Jonas Föhrenbach hat sich gegen den FC Bayern die Nase gebrochen
Jonas Föhrenbach hat sich gegen den FC Bayern die Nase gebrochenJonas Föhrenbach hat sich gegen den FC Bayern die Nase gebrochen© IMAGO/Jan Huebner

Trotz des bitteren Ausgangs der Partie wolle er den Glauben an den Klassenerhalt noch nicht nicht verlieren: „Wenn die Dinge erledigt sind, dann kann man sich unfassbar ärgern und sich überlegen warum – es bringt aber nichts“, meinte Schmidt bei DAZN. Er habe seiner Mannschaft gesagt, dass er „unfassbar stolz“ auf die Leistung sei.

Er wolle mit dem Remis gegen Bayern nicht hadern. „Ein Punkt ist was wert. Wir werden am Ende sehen, was er wert ist. Aber wenn wir so die letzten zwei Spiele angehen, wie die letzten Wochen und grade heute, dann traue ich uns auch zwei Siege zu“, sagte Schmidt weiter. An den letzten beiden Spieltagen trifft Heidenheim noch auf den 1. FC Köln und Mainz 05.