Der frühere Sportvorstand Hasan Salihamidzic hat offen erklärt, warum Alexander Nübel beim FC Bayern nie den erhofften Durchbruch schaffte – und dabei auch ein heikles Thema angesprochen: das Verhältnis des Torhüters zu Manuel Neuer.

„Zwischenmenschlich hat es zwischen den beiden nicht gefunkt“, verriet der langjährige Profi und Verantwortliche der Münchner im SPORT1 Doppelpass. „Neuer und Nübel haben sich nicht verstanden, und Manuel hat auch keine Spiele abgegeben. Deswegen war das für Alex unbefriedigend.“

Manuel Neuer (l.) und Alexander Nübel wird kein gutes Verhältnis nachgesagt
Manuel Neuer (l.) und Alexander Nübel wird kein gutes Verhältnis nachgesagtManuel Neuer (l.) und Alexander Nübel wird kein gutes Verhältnis nachgesagt© IMAGO/ActionPictures

Unter großen Hoffnungen hatte der FC Bayern Nübel im Sommer 2020 vom FC Schalke 04 verpflichtet. Der junge Torhüter sollte hinter Neuer durch einige Einsätze pro Saison zur langfristigen Nummer eins aufgebaut werden – so zumindest der Plan. Denn die Realität sah anders aus: Nübel absolvierte insgesamt lediglich vier Pflichtspieleinsätze.

Nübel beim FC Bayern: „Deswegen hat das nicht funktioniert“

„Da war Manuel auch ein paar Jahre jünger und hatte einen gewissen Ehrgeiz, den er vielleicht heute nicht mehr in der Form hat“, meinte Salihamidzic dahingehend, dass Neuer im Grunde keine Einsätze an Nübel habe abgeben wollen. „Wir wissen, dass Manuel der beste Torhüter der Welt ist, und das geht eben nur über ihn und deswegen hat das nicht funktioniert.“

Als Bayerns Sportvorstand hatte Salihamidzic seinerzeit am Nübel-Transfer mitgewirkt, pauschale Kritik an der Verpflichtung wies er aber zurück. „Das finde ich jetzt nicht ganz fair. Er wurde ablösefrei verpflichtet, und wir dachten: Okay, wir schauen uns das zwei Jahre an und entscheiden dann“, schilderte der 49-Jährige.

Nach seiner ersten Saison wurde Nübel für zwei Jahre an die AS Monaco verliehen. Bei seiner kurzzeitigen Rückkehr im Sommer 2023 war Salihamidzic gar nicht mehr im Amt. Er war bereits zuvor im Mai zusammen mit Vorstandschef Oliver Kahn entlassen worden.

Salihamidzic über Nübel-Verlängerung: „Weiß nicht, was die Absicht war“

Die Bayern verliehen Nübel im Juli 2023 schließlich an den VfB Stuttgart und verlängerten das Arbeitspapier des Torhüters im April 2024 vorzeitig bis 2029 mit der Option auf ein weiteres Jahr. „Ich weiß nicht, was die Absicht war, als der Vertrag verlängert wurde“, sagte Salihamidzic nun – und zweifelte damit indirekt die Entscheidung seiner Nachfolger an. „Da muss man sich irgendwas gedacht haben.“

Inzwischen ist klar, dass Nübel beim FC Bayern keine Zukunft hat. Erst kürzlich verlängerten Neuer und Ersatztorwart Sven Ullreich um ein weiteres Jahr. Mit Jonas Urbig, der seit Januar 2025 in München spielt, steht zudem ein neuer Neuer-Nachfolger parat.

Das Verhältnis des 22-Jährigen zu Neuer sei besser, meinte Salihamidzic. „Die beiden verstehen sich jetzt gut. Urbig macht das auch hervorragend – der spielt auch besser mit dem Fuß, muss man sagen“, verglich er den Ex-Kölner mit Nübel.

Nübel-Zukunft? „Ist nicht einfach“

Für Nübel geht nun als Leihgabe des FC Bayern in Stuttgart ein Kapitel zu Ende: Nach drei Jahren läuft der Leihvertrag aus, zudem steht bei den Schwaben mit Dennis Seimen eine Nachwuchshoffnung aus den eigenen Reihen parat.

Für den FC Bayern gilt es nun, eine geeignete Lösung in Bezug auf den 29-Jährigen, der ein fürstliches Gehalt verdienen soll, zu finden. „Was man jetzt macht, ist nicht einfach, weil er einen langfristigen Vertrag hat, und ich weiß nicht, wie die Zahlen sind, aber das muss man irgendwie lösen“, merkte Salihamidzic an.

Eins stellte er jedoch klar: „Alex ist ein sehr, sehr guter Torwart.“ Dass Nübel nicht die Nummer eins beim FC Bayern geworden ist, sei eben die Entscheidung der Münchner und von Neuer, verdeutlichte Salihamidzic und schob hinterher: „Ich bin mir sicher, dass er einen richtig guten Klub kriegt.“

Pikant ist derweil der Umstand, dass Neuer und Nübel gemeinsam mit der deutschen Nationalmannschaft zur WM nach Nordamerika reisen werden. Ob und inwieweit die angespannte Beziehung der beiden Torhüter dort eine Rolle spielt, wird sich zeigen.