Über 90 Minuten war Uli Hoeneß beim SPIEGEL im Spitzengespräch mit Markus Feldenkirchen zu Gast. Ziemlich offen sprach der 74-Jährige dabei über den Sommer 2024, in dem der FC Bayern sich von Thomas Tuchel trennte und nach einer Odyssee auf dem Trainermarkt Vincent Kompany als Chefcoach präsentierte. Dabei enthüllte er Details aus gleich mehreren Verhandlungen.

Nach zwei Saisons im Amt genießt Kompany ligaweit sehr hohes Ansehen. Und das, obwohl er bei den Bayern nur die fünfte Wahl war. „Zuerst wollte Max Eberl dem Thomas Tuchel noch ein Jahr draufgeben. Das haben der Karl-Heinz (Rummenigge, Anm. d. Red.), Herbert Hainer und ich verhindert“, erklärte Hoeneß in dem Interview den Startschuss eines aberwitzigen Sommers.

Uli Hoeneß äußerte sich ausführlich zur Trainersuche 2024
Uli Hoeneß äußerte sich ausführlich zur Trainersuche 2024Uli Hoeneß äußerte sich ausführlich zur Trainersuche 2024© IMAGO/Jan Huebner

Eberl war sich mit allen einig

„Kein Menschenfreund“ und „Für uns nicht mehr tragbar“ fällte Hoeneß ein vernichtendes Urteil über den aktuellen England-Trainer Tuchel. Als dessen Abgang dann feststand, sei man wieder auf Julian Nagelsmann zugegangen. Der war 2023 unrühmlich bei den Bayern geschasst worden.

Max Eberl und Christoph Freund hätten schon eine Einigung mit dem heutigen Bundestrainer erzielt, dieser sogar schon zugesagt. Einen Tag später dann die Kehrtwende: „Am Montag hat seine Agentur ’nein‘ gesagt, aus verschiedenen Gründen, möglicherweise war da schon das Angebot vom DFB da“, mutmaßte der Bayern-Patron. Im September trat Nagelsmann den Job als Bundestrainer an.

In seiner Position als DFB-Coach hatte Nagelsmann jüngst noch Kritik von Hoeneß einstecken müssen. Als Bayern-Trainer hätte er ihn aber gehalten: „Ich hätte ihn nicht entlassen“, gab er klar und deutlich zu Protokoll.

Nächster in der Liste war dann Ralf Rangnick. Der stand damals mit der österreichischen Nationalmannschaft kurz vor der EM und wollte sich der Doppelbelastung schlussendlich nicht aussetzen. „Der hat auch zugesagt und dann an einem Montag sagt er ‚Uli, ich bin gestern um den Wörthersee rumgelaufen und dann wusste ich, ich kann das nicht machen.‘ […] Dann standen wir natürlich saublöd da.“

Lösung Nummer vier, zählte Hoeneß die bekannte Liste weiter auf, war ein alter Bekannter aus der Bundesliga. „Dann hatten wir auf Idee von Max den Oliver Glasner.“ Auch mit dem Ex-Frankfurt-Coach erzielte Eberl eine Einigung. Das Veto kam allerdings von Glasners Arbeitgeber Crystal Palace.

Wer gab den Guardiola-Impuls?

Was lange währt, wird endlich gut. Dieser Spruch lässt sich sicher auch auf die Lösung dieser beinahe endlosen Trainersuche übertragen, die den Bayern von vielen Seiten Spott bescherte.

Eberl brachte mit Kompany einen Vorschlag ein, der als Trainer noch keine nennenswerten Erfolge vorweisen konnte. Licht in die Personalie brachte dann bekanntermaßen ein Anruf bei Kompanys ehemaligem Lehrmeister Pep Guardiola. Soweit wurde diese Geschichte schon zu Genüge erzählt.

Interessant wird jetzt ein Detail in der Entstehung dieses Anrufs. „Dann hatte der Karl-Heinz die glorreiche Idee, den Pep Guardiola zu fragen“, erklärte der Ehrenpräsident. Diese Aussage steht konträr zu dem, was Eberl im April im ZDFSportstudio erklärt hatte: „Als dann eben die Frage kam, ob wir uns sicher sind, habe ich Kalle gesagt: ‚Kalle, ihr seid so eng mit Pep, ruft ihn an und fragt ihn, was Pep von ihm hält.'“

Eberl-Zukunft noch offen

Sportvorstand Eberl hat beim FC Bayern noch einen Vertrag bis 2027. Die Entscheidung über eine mögliche Verlängerung fällt Hoeneß schwer. Seine Tendenz sei aktuell „60 zu 40 für eine Verlängerung.“

Es gäbe also noch Zweifel: „Es ist natürlich jetzt leicht zu sagen: ‚Er hat den Trainer gefunden‘. Vorher hätte er den Tuchel unter Vertrag genommen. Dann würden wir heut nicht da stehen, wo wir jetzt sind.“