Lothar Matthäus hat den Umgang von Borussia Dortmund mit Ex-Sportdirektor Sebastian Kehl kritisiert. Nach 24 Jahren als Spieler sowie BVB-Funktionär trennte sich der Verein in der Länderspielpause von der Legende und nur ein paar Tage später wurde die Verpflichtung von Ole Book bekannt gegeben.

„Wenn ich höre – und Ole Book hat es bestätigt – dass seit Ende Januar schon Gespräche geführt wurden, dann ist es für mich nicht der Hauptausgang (wie Kehl den BVB verlässt, Anm. d. Red.)„, ärgerte sich Matthäus bei Sky vor Dortmunds Auswärtsspiel beim VfB Stuttgart. Er fügte hinzu: „Das war eine Hinhaltetaktik von Borussia Dortmund, wie man sie auch bei Schlotterbeck vermutet.“

Dortmunds Sport-Geschäftsführer Lars Ricken spricht über die Trennung von Ex-Sportdirektor Sebastian Kehl
Dortmunds Sport-Geschäftsführer Lars Ricken spricht über die Trennung von Ex-Sportdirektor Sebastian KehlDortmunds Sport-Geschäftsführer Lars Ricken spricht über die Trennung von Ex-Sportdirektor Sebastian Kehl© IMAGO/Michael Weber

Kritik am BVB: „Wenn das hinter dem Rücken von Kehl passiert ist…“

Matthäus erklärte, dass sich die BVB-Bosse um Sport-Geschäftsführer Lars Ricken seit rund zwei Monaten umgeschaut hätten, einen neuen Sportdirektor zu finden, und dann „hat man nach ein paar Wochen die Entscheidung getroffen, dass eine Veränderung gewünscht ist.“

Der Experte meinte: „Wenn das hinter dem Rücken von Sebastian Kehl passiert ist, dann war es nicht der Hauptausgang.“

Vorwürfe von Matthäus – Ricken hält dagegen

Ricken hielt dagegen und betonte, dass Kehl den Verein durch die Vordertür verlässt. „Wir haben uns in die Augen geschaut und sind gemeinsam auf den Entschluss gekommen, dass es gut ist, wenn man sich trennt. Es war uns wichtig, das Ganze mit großem Respekt zu machen. Es ist uns wichtig, dass er durch die Vordertür geht.“

Der Sport-Geschäftsführer stellte klar, dass Kehl alle Türen offen stünden, wie groß sein Abschied verlaufen soll: „Ob es ein Abschiedsspiel gibt, weiß ich nicht. Ob wir es so groß machen, weiß ich nicht. Es wäre nur würdig für die Leistung, die er 24 Jahre für den Verein geleistet hat. Ob das am Ende kurz in der Kabine ist oder ob es nochmal ein rauschendes Sommerfest gibt, ist seine Entscheidung. Die Tür steht auf.“

Kehl wusste nichts von der Kontaktaufnahme zu Book

Sky-Moderator Sebastian Hellmann hakte noch einmal nach, ob Kehl von den Gesprächen mit Book gewusst hätte. Der neue Sportdirektor hatte bei seiner Antritts-Pressekonferenz berichtet, dass die erste Kontaktaufnahme Ende Januar stattgefunden hatte.

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„Nein, das war auch nur ein Austausch, der Ende Januar stattgefunden hat. Das gehört für mich als Geschäftsführer dazu, dass man wie bei Spielern auf Situationen vorbereitet ist. Es gab ja auch immer wieder Gerüchte um Sebastian bei anderen Vereinen“, antwortete Ricken: „Zu dem Zeitpunkt hatten wir mit ihm gar nicht verhandelt, es war eine Kontaktaufnahme.“

Ricken: „Wir brauchten jemanden Externes“

Der BVB-Boss ergänzte in aller Deutlichkeit: „Wir haben keinen Hehl daraus gemacht, dass es ab und zu auf der Führungsetage geknirscht und geknarzt hat. Es ist professionell, es nicht bis Sommer durchzuziehen, sondern sich jetzt zu trennen. Es war für Borussia Dortmund der richtige Zeitpunkt, um einem neuen Sportdirektor mit in die Kaderplanung zu nehmen. Es war ein absolut sauberer, sachlicher und professioneller Prozess.“

Zugleich erklärte Ricken, wieso der Verein zu dem Entschluss gekommen ist, sich von Kehl zu trennen und mit Book in die Zukunft zu gehen: „Wir sind an den Punkt gekommen, dass wir jemanden Externes brauchen, einen neuen Impuls.“

Er verriet, seit Books Amtsantritt das Gefühl zu haben, „da wächst eine Gruppe zusammen, die sich gegenseitig vertraut und gemeinsam Lust auf die Herausforderung hat, die in den nächsten Wochen und Jahren anstehen.“