Dietmar Hamann hat scharfe Kritik am FC Bayern geübt. Der TV-Experte hinterfragte das Vorgehen des deutschen Rekordmeisters in der Personalie Jérôme Boateng.

Die Münchner hatten den vereinslosen Verteidiger als potentiellen Neuzugang mittrainieren lassen, sich letztlich aber gegen eine Verpflichtung entschieden. Offiziell, weil sich die zuvor angespannte Personallage entspannt habe.

„Die Personallage hat sich entspannt?“, fragte Hamann bei Sky irritiert: „Da muss ich ganz ehrlich sagen: Damit kann ich nichts anfangen. Da versuchen die Bayern auch ein Stück weit, die Öffentlichkeit für blöd zu verkaufen.“

Hamann: Fans haben ein Recht auf die Wahrheit

Was der ehemalige Bayern-Spieler meint? Der FCB entschied sich auch wegen des noch nicht abgeschlossenen Gerichtsprozesses von Boateng gegen die Verpflichtung. Der 35-Jährige ist bei den Fans umstritten, auch wenn für den wegen Körperverletzung und Beleidigung angeklagten Profi die Unschuldsvermutung gilt.

„Mir ist das völlig egal, ich bin kein Bayern-Fan“, kommentierte Hamann: „Nur, die Fans haben doch ein Recht, die Wahrheit zu erfahren. Und was ist denn dabei, zu sagen: Wir haben die Situation unterschätzt. Weil Fan-Proteste geplant waren, und das ist doch der einzige Grund, warum er jetzt nicht kommt. Tuchel wollte ihn!“

Thomas Tuchel war tatsächlich von der sportlichen Qualität Boatengs überzeugt, obwohl dieser seit Monaten kein Spiel mehr absolviert hat. Der Trainer der Bayern hatte in den vergangenen Monaten mehrfach über den aus seiner Sicht gerade in der Defensive sehr kleinen Kader gesprochen. Boateng hätte ihm eine zusätzliche Option gegeben.

Hamann sieht in der am Freitag verkündeten Boateng-Entscheidung ein Sinnbild für ein generelles Bayern-Problem: „Der Uli Hoeneß war ein Visionär. Sowohl sportlich als auch wirtschaftlich hat er Tendenzen erkannt und hat immer ein, zwei, drei Schritte vorausgeschaut. Deswegen waren sie so wirtschaftlich so erfolgreich und auch sportlich. Nur im Moment habe ich das Gefühl, dass die Bayern nur reagieren, nicht agieren.“

Hamann sarkastisch: Hat Bayern eine Wundersalbe?

Ein Führungsproblem hatte Hamann den Bayern in der jüngeren Vergangenheit schon mehrfach attestiert.

Wie die Reaktion auf ein Boateng-Comeback ausfallen würde, hätte man wissen müssen, sagte er weiter: „Und dann lässt man ihn drei oder vier Tage mittrainieren und sagt, der Upamecano und der Kim trainieren schon wieder.“

Sarkastisch fügte Hamann noch hinzu: „Die haben wahrscheinlich jetzt, nur weil der Boateng trainiert, eine Wundersalbe gefunden, und der de Ligt ist auch nicht mehr so weit weg.“