Irgendwie musste alles raus aus Nico Schlotterbeck. Freude, Euphorie, Heiterkeit, Enttäuschung, Wut. Nach seinem Hammer-Weitschuss zum zwischenzeitlichen 2:2-Ausgleich (50.) drehte der 23 Jahre alte BVB-Star zum Jubeln ab, streckte die Zunge frech raus und schoss mit seinen Händen wie ein „Pistolero“ in die Luft.
„An seinem Jubel muss er noch arbeiten“, schmunzelte Gregor Kobel nach dem 4:2-Sieg gegen Union Berlin, zu dem Schlotterbeck mit seinem Tor maßgeblich beitrug. Über Geschmack lässt sich bekanntlich streiten. Was dem Dortmunder Torwart aber an Schlotterbecks kurioser Jubeleinlage gefallen hat: „Das Geile war: es waren viele Emotionen dabei. Nico ist ohnehin ein sehr emotionaler Typ. Das sieht man an seinem Jubel. Er ist immer voll dabei. Das gefällt mir.“
Auch deshalb ging dem emotionalen und jungen Nationalspieler die Nicht-Nominierung für die Nationalmannschaft durch Neu-Bundestrainer Julian Nagelsmann offenbar nahe.
Mit dem Ausgleichstreffer, ausgerechnet gegen seinen Ex-Klub Union Berlin (2020-2021), hat der talentierte Defensivspieler laut Kobel aber „eine gute Antwort“ in Richtung Nagelsmann gegeben. „Viel besser geht es ja gar nicht.“
Schlotterbeck sammelt 133 Ballkontakte gegen Union Berlin
Schlotterbeck erteilte sich selbst übrigens ein Redeverbot und wollte nach dem erfolgreichen Spiel nicht öffentlich sprechen.
Lediglich auf dem Twitter-Kanal von Borussia Dortmund sagte er augenzwinkernd über seinen Treffer, der das Prädikat „Tor des Monats“ verdient hätte: „Abgerutscht, da passiert das mal!“ Mehr aber nicht. Schlotterbeck ließ viel lieber Taten auf dem Platz sprechen.
Neben seinem wichtigen Treffer wartete der Ex-Freiburger nämlich noch mit weiteren guten Leistungen auf. Mit 133 Ballkontakten war er einer der präsentesten Spieler auf dem Platz, seine starke Passquote von 93 Prozent, seine elf Balleroberungen und seine 13 spieleröffnende Pässe ins letzte Drittel sprechen ebenfalls für sich.
Lob gab es für den Top-Auftritt auch von Trainer Edin Terzic: „Es war ein herausragendes Tor von Nico Schlotterbeck. Ich habe mich so über das Tor gefreut, weil es extrem wichtig für uns war. Wenn man zu Dritt aufbaut, ist es immer wichtig, dass die äußeren Innenverteidiger auch immer wieder andribbeln.“
Mit seinem Weitschuss-Tor war Schlotterbeck übrigens ein Wiederholungstäter. „Nico hat es ähnlich gemacht wie im Derby auf Schalke letztes Jahr“, sagte Terzic.
„Er ist angedribbelt und hat die Überzahl genutzt, damals hat er flach getroffen, heute hoch. Ich kann verraten: Er versucht es sehr oft im Training, aber so gut trifft er ihn selten.“
DFB: Tür für Schlotterbeck noch nicht zu
Diesmal flatterte der Ball an Torwart Frederik Rönnow vorbei ins rechte Eck. „Wir wissen, dass er das kann und wollen das auch nutzen“, sagte Terzic über Schlotterbecks Schussqualitäten.
„Es gab dann nochmal ein Gespräch zwischen uns an der Seitenlinie, wo es um eine taktische Sache ging, weil wir den Rücken nicht geschlossen bekommen haben. Aber im Endeffekt freuen wir uns für Nico und hoffen einfach, dass er durch Leistung seine Situation verändert und das nächste Mal wieder bei der Nationalmannschaft dabei ist.“
Zu ist die Tür beim DFB für Schlotterbeck ohnehin nicht. Schon gar nicht, wenn er seine Form in den nächsten Monaten bestätigt.