Emotionen! Dort, wo Borussia Dortmund mit seinem gewaltigen Anhang auftaucht, brennt immer wieder die Luft. Und er liefert in regelmäßigen Abständen die ganz besonderen Momente: Nico Schlotterbeck.
Es lief die vierte Minute der Nachspielzeit im sehr intensiven und hochspannenden Spitzenduell bei der TSG Hoffenheim. Der BVB wollte seinen knappen Vorsprung in Unterzahl nur noch über die Ziellinie bringen – und plötzlich schien sich der Weg für Stürmer Mergim Berisha zu öffnen.
Der Angreifer der TSG wollte ins Eins-gegen-Eins-Duell gegen Torhüter Gregor Kobel gehen und setzte schon zum Schuss an. Das mit 30.150 restlos ausverkaufte Bundesliga-Stadion war bereits still, vollumfänglich fokussiert auf das Duell Schlussmann gegen Stürmer – und dann kam Schlotterbeck.
„Schlüsselmoment“: Schlotterbeck rettet den BVB
Der 23-jährige bewahrte im Strafraum die Ruhe, setzte seinen Körper geschickt gegen Berisha ein und glänzte als Balldieb. Äußerst riskant, aber komplett fair! Und Kobel? Der feierte diese Aktion sofort wie einen Treffer, präsentierte den Zuschauern erleichtert eine spektakuläre Tanzeinlage wenige Meter vor seinem Gehäuse.
„Das war der Schlüsselmoment“, stellte Trainer Edin Terzic nach dem 3:1-Erfolg bei DAZN fest. Das Mega-Solo von Julian Ryerson wäre ohne die Schlotterbeck-Aktion nicht mehr zustande gekommen, die vorläufige Tabellenführung futsch gewesen. So aber darf der Vizemeister durchatmen.
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Terzic lobte: „Das sind die Zentimeter und die Bereitschaft, alles dafür zu tun, das Tor zu verteidigen.“ Um den entscheidenden Konter fahren zu können, habe es eine solche Balleroberung gebraucht: „Das hat Nico herausragend gut gemacht.“
Kobel lobt diesen Einsatz: „Es sind kleine Sachen…“
Kobel wusste ebenfalls, bei wem er sich zu bedanken hatte: „Es sind kleine Sachen, es ist vielleicht nicht so ein spektakuläres Highlight, aber genau darauf kommt es an. Wenn Berisha da noch zum Schuss kommt, dann ärgern wir uns am Ende. Aber da war Nico da, so wie die anderen auch da waren.“
Doch entscheidende Szenen mit Schlotterbeck haben stets eine besondere Note. Erinnert etwa sei an den 2:1-Sieg gegen RB Leipzig in der Vorsaison am 3. März.
Damals schien der Ball von Timo Werner im Winkel einzuschlagen, doch Schlotterbeck rettete per Schulter – und schrie anschließend seine Freude raus. Bereits einige Monate zuvor, im Spitzenspiel gegen den FC Bayern München, rettete seine spektakuläre Grätsche zunächst den Ball vor dem Aus, die anschließende Flanke netzte Anthony Modeste im tobenden Signal-Iduna-Park ein. Der Ausraster von Ex-Bayern-Vorstandschef Oliver Kahn fand den Weg in jeden Jahresrückblick.
Schlotterbeck ist der BVB-Mann der Emotionen
Schlotterbeck kann aber auch andere Gefühlsausbrüche zeigen. Den Saisonauftakt gegen den 1. FC Köln auf der Bank verbracht zu haben, schmeckte dem selbstbewussten Innenverteidiger überhaupt nicht.
SPORT1 berichtete vom Zoff mit Terzic. Später reichten sich beide die Hand. Von dieser explosiven Stimmung ist intern nichts mehr zu spüren. In Sinsheim gab es für Schlotterbeck, den Mann der Emotionen, keinen Grund für Streit – sondern nur für großen Jubel.